Greive darf wohl Chefin des Klinikums bleiben

Die Hauptgeschäftsführerin des Klinikums DOrtmund, Mechthild Greive, und Aufsichtsratsvorsitzender und OB Ullrich Sierau
Die Hauptgeschäftsführerin des Klinikums DOrtmund, Mechthild Greive, und Aufsichtsratsvorsitzender und OB Ullrich Sierau
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.. Politik ist allzu oft nicht mehr als die Suche nach dem kleinsten Übel. Weil dem so ist, kann sich Klinikum-Chefin Mechthild Greive (SPD) berechtigte Hoffnung auf eine zweite Vertragsverlängerung machen.

Nach dem, was bisher geschah, wäre das durchaus eine faustdicke Überraschung.

Zwar gilt die 55-jährige Genossin, gelernte Psychologische Psychotherapeutin und Juristin und im Jahre 2002 vom damaligen OB Dr. Langemeyer von der Rechts- und Ordnungsdezernentin der Stadt Dortmund zur Kaufmännischen Geschäftsführerin der Klinikum Dortmund gGmbH befördert, als sozial kompetent und vor allem auch gut vernetzt - fachlich wie politisch. Doch unter ihrer Führung rutschte das mit 4000 Beschäftigten größte kommunale Krankenhaus in NRW tief in die finanzielle Problemzone.

Ohne die Hilfe der Profis von der Unternehmensberatung Roland Berger - ihr guter Rat wurde von der Stadt-Mutter mit rund fünf Millionen Euro vergütet - wäre der Maximalversorger wohl längst schon im Verkaufsregal gelandet und mindestens zum Teil privatisiert worden.

Kein Wunder also, dass sich die Politiker, die als Repräsentanten ihrer Ratsfraktionen die Interessen der Arbeitgeberseite im Aufsichtsrat vertreten, bei der zweitägigen Strategiedebatte vor einem Jahr über alle Parteigrenzen und sonstigen Meinungsunterschiede hinweg in einem Punkt vollständig einig wurden: Greive muss gehen. Wie sonst könnten die mit gutachterlicher Unterstützung erreichten Sanierungserfolge nachhaltig gesichert und die 100 prozentige Stadt-Tochter in den schwarzen Zahlen gehalten werden?

Top-Leute sind zu teuer

Doch was zählen nackte Zahlen von morgen, wenn die Umstände heute so sind, dass man Greive schlecht den Laufpass geben kann?

Wer sollte das auch machen? Da richten sich alle Blicke auf OB Ullrich Sierau (SPD). Denn der hatte - wie schon sein Vorgänger Dr. Langemeyer - unbedingt Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums werden wollen.

Tatsächlich soll Sierau ein erstes Gespräch mit Greive über ihre Zukunft als Chefin des Klinikums geführt haben. Von einem Ergebnis wurde bislang nichts bekannt.

Würde sich Sierau gegen Greive entscheiden - von der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat - sie hält 50 Prozent der Stimmen - hätte er wohl keinen Widerstand zu erwarten. Aber auch keine Unterstützung. Zumindest nicht im Vorfeld seiner Entscheidung. Die Arbeitnehmer sind froh und glücklich, gegen anfängliche Widerstände letztlich doch wieder einen Arbeitsdirektor in der Geschäftsleitung installiert zu haben. Alles weitere ist nicht ihr Bier. Vorschläge zur Besetzung der Hautgeschäftsführung zu machen, so heißt es, liege einzig und allein beim Gesellschafter.

Obendrein stellt sich, wollte Sierau Greives Vertrag nicht verlängern, die Frage nach den Alternativen. Noch ist nicht vergessen, dass sich die Verantwortlichen - bevor man mit der Stadträtin die interne Lösung wählte - gleich zweimal böse die Finger verbrannte. Auch eine teure Erfahrung.

Den nachweislich mit Erfolg operierenden Klinik-Boss, der Gewähr dafür böte, das Klinikum so profitabel zu halten, dass es auf die Dauer Ersatzinvestitionen aus eigener Kraft stemmen kann, wird es sicher geben. Den aber können jene 230 000 Euro, die Greive im Jahr beziehen soll, wohl kaum nach Dortmund locken.

Was wohl auch für denjenigen gilt, den man schon in Dortmund hat, der sich im Klinikum längst bestens auskennt und den man wegen seiner nachweislich effektiven Arbeit bislang als Top-Favoriten für die Greive-Nachfolge gehandelt hat: Dirk Balster, neben Projektleiter Oliver Rong von der Unternehmensberatung Berger auf das Klinikum angesetzt. Der in Gütersloh geborere 45-Jährige Diplom-Wirtschaftswissenschaftler hatte sich, bevor er im Jahre 2005 als Partner in eine Hamburger Unternehmensberatung einstieg, gerade auch in Dortmund als Sportskanone mit Ehrgeiz, Disziplin und langem Atem einen guten Namen gemacht: Als dreifacher Weltmeister im Deutschlandachter gilt Balster als einer der erfolgreichsten deutschen Ruderer.

Möglicherweise wird Balster an alter Stelle ja noch gebraucht. Zwar läuft der Vertrag mit Berger (Beginn: 2008) in Kürze aus. Doch eine weitere Verlängerung, wenn auch in kleinerem Umfang und dieses Mal auf eigene Rechnung des Klinikums, ist Gegenstand der aktueller Überlegungen. Denn der Bau des Zentralen OP- und Funktionszentrums (ZOPF) neigt sich dem Ende entgegen. Nun steht die schwierigste und gefährlichste Phase an: die Inbetriebnahme. Geht die nicht reibungslos über die Bühne, drohen der wirtschaftlichen Genesung schwere Rückschläge.

Frist läuft bis Dezember

Kleines Beispiel: Wie die Herren Chefärzte damit klarkommen werden, die Hoheit über „ihre“ Operationssäle ans zentrale OP-Management zu verlieren, dürfte im Voraus schwer zu kalkulieren sein.

Auch innerhalb der SPD ist die Gefechtslage unübersichtlich. Mit Greive würde Sierau die einzige Frau aus der Riege der Top-Manager städtischer Betriebe herauskegeln; das dürfte ihn Sympathien bei den Frauen in der Fraktion kosten.

Andere Genossen mögen Greive, der sie weniger kaufmännische Inkompetenz als vielmehr mangelhaftes Durchsetzungsvermögen vorwerfen, nicht vergessen, dass das Klinikum unter ihrer Führung - allen „Zukunftsabkommen zum Trotz“ - riesige Defizite einfuhr und mehr als 50 Millionen Euro Eigenkapital der Stadt-Mutter regelrecht verbrannte.

Doch: Insgesamt mag sich die SPD nicht vorstellen, einen knochentrockenen Rechner, der nichts als Zahlen im Kopf hat und wenig Nestwärme ausstrahlt, an die Spitze des Klinikums zu stellen - noch dazu an Stelle einer Vertrauten aus ihren Reihen.

Eigentlich müssten sich die Mitglieder des Klinikum-Aufsichtsrats bei ihrer Herbstsitzung Ende September für oder gegen weitere fünf Jahre Greive entscheiden. Doch das Thema steht bislang nicht mal auf der Tagesordnung. Im Zweifel wird eine Sondersitzung fällig.

Denn Greive hat bis Dezember - ein Jahr, bevor ihr Fünf-Jahres-Vertrag ausläuft - Anspruch darauf, von ihrem Arbeitgeber zu erfahren, ob er weiterhin Wert legt auf ihre Dienste. Wird die Frist versäumt, verlängert sich Greives Vertrag automatisch.

 
 

EURE FAVORITEN