Giftfirma Envio will nach Hamburg ziehen

Klaus Brandt
Envios Abwanderungsgelüste werten Branchenkenner als Signal für eine mögliche bevorstehende Insolvenz.
Envios Abwanderungsgelüste werten Branchenkenner als Signal für eine mögliche bevorstehende Insolvenz.
Foto: WR RALF ROTTMANN

Dortmund. Die Skandalfirma Envio ist auf dem Sprung – von Dortmund nach Hamburg. Der Antrag auf Verlegung des Firmensitzes von der Emscher an die Elbe liegt der Hauptversammlung der Envio AG am 30. November im Casino Hohensyburg vor.

Für das Geschäftsjahr 2009 sollen die Aktionäre eine Dividende von einem Cent erhalten – allerdings nicht bar, sondern in Form von Aktien für die Tochtergesellschaft Bebra Biogas AG. Branchenkenner werten das als Zeichen für eine bald bevorstehende Insolvenz von Envio.

Signal für mögliche Insolvenz

„Alles deutet darauf hin, dass sich Envio-Chef Neupert auf eine mögliche Insolvenz vorbereitet.“ Andrew Murphy, Chef des Bonner Finanzhauses Murphy & Spitz, sieht das letzte Kapitel der Skandalfirma angebrochen.

Die Sachdividende für Envio-Aktionäre zugunsten der Biogas-Tochter Bebra bewirke zweierlei: Erstens wäre Bebra durch die Abspaltung vor einer möglichen Insolvenz der Entsorgungssparte geschützt. Zweitens bleibe durch eine Ausschüttung an die Eigentümer der Gerechtigkeitsgrundsatz gewahrt. „Dagegen gibt es kaum eine rechtliche Handhabe“, sagt Murphy.

Personenschutz für Neupert denkbar

Dass die Envio-Spitze dennoch mit energischem Widerstand gegen die Pläne rechne, verdeutliche die in der Einladung festgeschriebene Option, die Hauptversammlung am 1. Dezember fortzusetzen. „Man geht wohl von einem sehr turbulenten Verlauf aus“, glaubt der Experte. Vor dem Hintergrund des PCB-Skandals mit Vergiftungen von Mensch und Umwelt sei es „durchaus denkbar, dass Neupert die eigene Hauptversammlung nur mit Personenschutz besucht“.