Gewerkschaft verurteilt Kopftuch-Kündigung im Johannes-Hospital

Job weg wegen Kopftuch? Das geht gar nicht, finden Gewerkschafter und Frauenrechtler. Sie kritisieren das kirchliche Johannes-Hospital für die Kündigung einer muslimischen Krankenschwester mit Kopftuch. Nun klagt die Frau gegen das Kopftuchverbot der Klinik. Ein ähnlicher Fall zeigt jedoch: Ihre Chancen vor Gericht sind schlecht.

Dortmund. Weil sie bei ihrer Arbeit im katholischen St. Johannes-Hospital ein Kopftuch tragen möchte, wurde der 36-jährigen marokkanischen Krankenschwester im Frühjahr gekündigt. "Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie die christliche Grundausrichtung unseres Hauses mittragen", erklärte Günther Nierhoff, der Geschäftsführer des Krankenhauses. Patienten könnten sich durch ein Kopftuch provoziert fühlen, argumentierte Nierhoff. Tatsächlich sei ein großer Teil des Personals muslimisch, die Frauen legten jedoch das Kopftuch erst nach Dienstschluss wieder an.

Die betroffene Krankenschwester arbeitete bereits seit 1999 für die Dortmunder Klinik, sie wurde geschätzt, galt als gute Kraft. Doch als sie sich im vergangenen November aus ihrer Elternzeit zurückmeldete, als sie zum Gespräch in der Personalabteilung erschien, war alles anders. Die Muslima trug nun Kopftuch und das - so wurde es ihr unmissverständlich mitgeteilt - sei nicht geduldet. Die Kündigung folgte. "Eindeutige Benachteiligung muslimischer Frauen"

Bei der Gewerkschaft Verdi stößt die Kündigung auf Unverständnis. "Ich sehe keinen Grund, dass die Frau ihre Arbeit mit Kopftuch nicht vernünftig machen kann", erklärt Verdi-Sprecher Uwe Reepen. In der Kirche existiere quasi ein rechtsfreier Raum. Auch Sozialarbeiter, die bei der Kirche angestellt seien und sich scheiden ließen, könnten entlassen werden, so Reepen.

Auch bei der Ditib, der türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion in Köln, übt man Kritik an dem Vorgehen gegenüber der Krankenschwester. Die Verfassung garantiere in Deutschland doch schließlich Religionsfreiheit, sagt deren stellvertretende Geschäftsführer Bekir Alboga: "Die Kündigung ist deshalb eine eindeutige Benachteiligung muslimischer Frauen."

Gericht:Kopftuchverbot ist "erforderlich und angemessen"

Die Chancen für die Klage der Krankenschwester gegen ihre Kündigung stehen indes nicht gut. In zahlreichen ähnlichen Fällen wurde im Sinne der christlichen Einrichtungen entschieden.

Zuletzt urteilte das Landesarbeitsgericht Hamm im Februar 2012 in einem fast identischen Fall gegen eine muslimische Krankenschwester. Das im Grundgesetz geschützte Selbstbestimmungsrecht der Kirche sei höher zu bewerten als die Religionsfreiheit.Das Kopftuchverbot sei "erforderlich und angemessen", so das Gericht, die muslimische Krankenschwester werde keinesfalls wegen ihres Glaubens diskriminiert.

Johannes-Hospital: "Wir haben kein Interesse, die Kündigung durchzuziehen."

Im Dortmunder St. Johannes-Krankenhaus wundert man sich derweil, welche Wellen die Geschichte schlägt. "Es tut uns leid, dass sich die Situation so entwickelt hat", betont Geschäftsführer Nierhoff und: "Wir haben kein Interesse, die Kündigung durchzuziehen." Dennoch habe man den Eindruck, der Krankenschwester gehe es weniger um ihre Religion als darum, einen Präzedenzfall an einer christlichen Einrichtung zu schaffen. Nierhoff: "Es geht um die Durchsetzung des Kopftuchtragens in einem christlichen Haus".

Am 1. August wird es nun zu einem Gütetermin am Dortmunder Arbeitsgericht zwischen der Krankenschwester und ihrem früheren Arbeitgeber kommen.

Hayke Lanwert, Ute Schwarzwald