Gewalt überschattet Gedenken an von Nazi ermordeten Punker in Dortmund

Im Rahmen der größenteils friedlich verlaufenen Gedenkveranstaltung (hier im Bild) an den von Nazi Sven K. ermordeten Punker „Schmuddel“  kam es zu Platzverweisen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Foto: Knut Vahlensieck
Im Rahmen der größenteils friedlich verlaufenen Gedenkveranstaltung (hier im Bild) an den von Nazi Sven K. ermordeten Punker „Schmuddel“ kam es zu Platzverweisen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Bei der Gedenkveranstaltung zum von einem Nazi ermordeten Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz erteilte die Polizei Dortmund Platzverweise und nahm vier Punker in Gewahrsam. 90 gewaltbereite, zum Teil vermummte Linksautonome hätten Beamte beleidigt („Dreck“- bzw. „Bullenschweine“) und angegriffen.

Dortmund. Auch sieben Jahre nach seinem Tod durch einen Neonazi ist Thomas „Schmuddel“ Schulz nicht vergessen. Rund 100 Menschen erinnerten nach Schätzung der Polizei Dortmund an der Kampstraße in Dortmund-Mitte am Mittwoch an den Mann, der in der U-Bahnstation Kampstraße erstochen wurde.

Erneut forderten die Demonstranten die Anbringung einer Gedenktafel. Bereits vor Jahren hatte die Bezirksvertretung beschlossen, nach einem Umbau der Kampstraße zum „Boulevard“ eine solche Tafel anzubringen. Der Täter Sven K., der vorzeitig aus der Haft entlassen worden war, sitzt nach einem brutalen Überfall auf zwei Jugendliche auf dem Weihnachtsmarkt wieder in Haft.

Im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung kam es nach Platzverweisen durch die Polizei zu insgesamt vier Freiheitsentziehungen, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte.

An der Versammlung auf der Kampstraße nahmen laut Polizei ca. 120 Personen teil. In einer U-Bahn-Anlage in unmittelbarer Nähe zum Versammlungsort zündeten 15 Punker, die nicht Versammlungsteilnehmer waren, Kerzen an. Offenes Feuer in den U-Bahn-Anlage der DSW 21 sei nicht zulässig, schrieb die Polizei in ihrem Bericht. Die laut Mitteilung „erheblich unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehenden Personen“ drohten, in den Gleisbereich zu stürzen und seien aus diesem Grund durch das Sicherheitspersonal des DSW 21 aufgefordert worden, die Bahnanlagen zu verlassen.

Beleidigungen

Diesen Aufforderungen seien die Punker nicht nachgekommen, so dass die DSW 21 die Polizei zur Hilfe gerufen habe. Zudem seien die Sicherheitskräfte der DSW 21 beleidigt worden. Zur Durchsetzung des Hausrechts habe die Polizei Platzverweise gegen diese Personen erteilt und habe sie aufgefordert, sich der Versammlung auf der Kampstraße anzuschließen. Die Personen seien dieser Aufforderung zunächst nachgekommen und hätten mit beleidigenden Äußerungen gegen die Polizeibeamten die U-Bahn-Anlage verlassen.

Im Rahmen der Personalienfeststellung zur Anzeigenaufnahme hätten mehrere Punker versucht, erneut in die U-Bahn-Station zu gelangen. Bei der Durchsetzung der ausgesprochenen Platzverweise hätten sich ca. 90 gewaltbereite, zum Teil vermummte Linksautonome aus der Versammlung mit den Punkern solidarisiert, die eingesetzten Beamten auf das Übelste (u.a. mit den Worten „Dreckschweine“ oder „Bullenschweine“) beleidigt und die polizeilichen Einsatzmaßnahmen gestört. Mindestens zwei Demonstranten hätten gezielt Polizeibeamte angegriffen, die gerade eine Person zur Durchsetzung eines Platzverweises festgenommen haben sollen.

Schlagstock, Pfefferspray, ein Verletzter

Die Einsatzkräfte hätten daraufhin Schlagstock und Pfefferspray eingesetzt. Eine Person sei durch den Pfefferspray verletzt und ambulant in einem Rettungswagen behandelt worden.

Insgesamt seien vier Personen (zweimal versuchte Gefangenenbefreiung, einmal Widerstand gegen Polizeibeamte und eine Ingewahrsamnahme zur Durchsetzung eines Platzverweises) fest- bzw. in Gewahrsam genommen.

 
 

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