Gespür für zukünftige Trends und Stars

Uwe Meyer
Am Donnerstag, 1. November, spielt der Franzose Manu Katche mit seiner Band im Jazzclub domicil.
Am Donnerstag, 1. November, spielt der Franzose Manu Katche mit seiner Band im Jazzclub domicil.
Foto: Veranstalter
Der Franzose Manu Katche gilt zur Zeit als der wichtigste Drummer der Musikszene. Von Pink Floyd bis Jan Garbarek, von Peter Gabriel bis Tori Amos, von Sting bis Al Di Meola. Uwe Meyer sprach mit Manu Katche vor dessen Auftritt am 1. November im domicil.

Dortmund. Der Franzose Manu Katche gilt zur Zeit als der wichtigste Drummer der Musikszene. Von Pink Floyd bis Jan Garbarek, von Peter Gabriel bis Tori Amos, von Sting bis Al Di Meola. Katche trommelte für alle. Auch in seiner, auf dem deutsch-französischem Kultursender Arte laufenden Sendung „One Shot Not“ spielte der Musiker mit alten Legenden und jungen Newcomern. Dabei beweist Katche immer wieder sein Gespür für zukünftige Trends und Stars. Am Donnerstag, 1. November, spielt der Franzose mit seiner Band im Jazzclub domicil. Uwe Meyer sprach mit Manu Katche.

Du hast in den ganzen Jahren mit vielen hochkarätigen Rock- und Popmusikern gearbeitet. In wie weit hat dich das als Jazzmusiker beeinflusst?

Manu Katche: Es gibt bei mir viele Einflüsse aus Rock und Pop. Vermutlich in der Art, wie ich meine Musik schreibe, aber ganz sicher in der Art, wie ich diese dann strukturiere. Wenn man genau hinhört, findet man diese Strukturen im Intro, den Themen und Breaks. Prägend waren aber auch die Erfahrungen, die ich mit so unterschiedlichen Leuten gemacht habe. Aus diesen ganzen Erfahrungen habe ich meine musikalischen Visionen, meine Musikalität und meine Kreativität entwickelt.

Die Songs auf Deinen Alben schreibst du meistens selbst. Auf welchem Instrument komponierst du?

Katche: Alles auf meinen Platten ist von mir geschrieben worden. Ich komponiere auf dem Klavier. Es ist das erste Instrument, das ich als Kind erlernt habe, bevor ich das Studium als klassischer Percussionist begonnen habe.

„Mein erstes Instrument war ein Piano“

Du hast ja sogar Songs ganz ohne Percussion geschrieben. Ist es schwierig, beim Komponieren, nicht an das Schlagzeug zu denken?

Katche: Wie gesagt, mein erstes Instrument war das Piano. Also kommt alles daher, wie ich in Harmonien und Melodien denke. Dann kommt das Schlagzeug dazu, und natürlich ist alles etwas anders, wenn man schon so lange Schlagzeug spielt.

Wer sich für Musik interessiert kennt die Sendung „One Shot Not“. Warum wurde sie im letzten Jahr eingestellt?

Katche: Ich war sehr stolz auf die Sendung. Sie lief vier Jahre auf Arte. Aber in der französischen Abteilung des Senders wechselte die Leitung und die entschied, die Sendung würde nicht mehr gebraucht. Wie du vielleicht weißt, ist Arte ja eine deutsch-französische Kooperation. Leider kam da von deutscher Seite kein Widerspruch, das Aus wieder zurück zu nehmen. Das habe ich sehr bedauert. Schade!

In der Sendung waren ja viele musikalisch sehr unterschiedlich Gäste, mit denen du zusammen gespielt hast. Gibt es jemand, der dir besonders imponiert hat?

Katche: Das ist eine Frage, die kaum zu beantworten ist. Einige Künstler kamen in die Show und wussten nicht, was auf sie zukommen würde, oder sie dachten, es sei eine der üblichen Musikshows im TV. Zu entdecken, dass alles ganz anders ist, das haben alle am Ende geliebt. Ich kann nicht sagen, den einen oder anderen favorisiert zu haben, denn schließlich habe ich alle Bands und Künstler persönlich ausgewählt und eingeladen.

„Ich denke nicht so viel über mich nach“ 

Es schein für dich ganz selbstverständlich zu sein, wenn du von Joe Satriani zu Jan Garbarek, oder von Nigel Kennedy zu den Simple Minds wechselst. Was ist deine Stärke, dass alle dich als rhythmisches Rückgrat haben wollen?

Katche: Ich denke über mich eigentlich nicht so viel nach. Ich denke einfach nur, dass ich absolut privilegiert bin, wenn so viele herausragende Künstler mich als Musiker schätzen und in ihren Projekten dabei haben wollen. Wenn du alles investierst, dein Bestes gibst, immer auf der Suche nach neuen kreativen Wegen bist, dann wirst du mit einiger Wahrscheinlichkeit gut klingen.

Mit dem Bassisten Pino Palladino bist du ein fast unschlagbares Rhythmusduo. Was macht ihn zu einem perfekten Partner?

Katche: Vom ersten Moment an haben wir uns großartig verstanden. Wir haben die gleiche Philosophie von dem, was Groove bedeutet. Wir sind aus einer Generation. Er hat in England das gehört, was ich in Frankreich gehört und geübt habe. Für einen Drummer ist es immer wichtig, sein alter ego zu finden. Pino ist das für mich.

Katche: Wir haben die gleichen Ansichten über die Familie, Wertvorstellungen und Prinzipien. Er ist bei meiner Hochzeit auch mein Trauzeuge gewesen. Das sagt doch alles.

In deiner Jugend sollst du Ballettunterricht gehabt haben – jetzt tanzt du auf Becken und Trommelfellen. Warum kam es zu dem Wechsel?

Katche: (Lacht) Danke für das Kompliment. Aber ehrlich, ich war noch sehr jung, als ich Tanzunterricht hatte. Ich hab dann mit dem Klavierunterricht begonnen und alles im allem glaube ich, dass es eine weise Entscheidung war.