Gesamtdeutscher Erfolgskünstler

Jan Josef Liefers bei seinem Auftritt im Konzerthaus Dortmund
Jan Josef Liefers bei seinem Auftritt im Konzerthaus Dortmund
Foto: Christoph Giese
Amüsant klingen seine Geschichten. Wenn Jan Josef Liefers so aus seiner Kindheit und Jugend in der DDR berichtet, muss man schmunzeln. So wurde der Abend mit „Soundtrack meiner Kindheit“ ein unterhaltsamer.

Amüsant klingen seine Geschichten. Wenn Jan Josef Liefers so aus seiner Kindheit und Jugend in der DDR berichtet, muss man schmunzeln. Mit Humor an damals zu denken, ist wahrscheinlich auch das beste, was man als ehemaliger DDR-Bürger machen kann.

Längst ist der Schauspieler und Sänger aus Dresden ein gesamtdeutscher Erfolgskünstler geworden, nicht zuletzt durch seine Rolle als Rechtsmediziner Professor Boerne in den Tatort-Folgen aus Münster. Aber er ist eben auch Sänger. Beides weiß er im „Soundtrack meiner Kindheit“, mit dem der Abend im ausverkauften Konzerthaus überschrieben ist, prima zu verbinden.

Regimekritische Bands

Mit Musik regimekritischer Bands aus der DDR. So wie die krachende, aber auch traurige Rocknummer „Als ich wie ein Vogel war“ der Leipziger Gruppe „Renft“. Oder das nachdenkliche „Schlohweißer Tag“ der Band „Silly“, in der interessanterweise und längst Liefers´ Gattin Anna Loos als Nachfolgerin der an Brustkrebs verstorbenen Tamara Danz singt.

Jan Josef Liefers und seine fünfköpfige Band spielen diese Songs laut und gut, auch wenn der Frontmann sicher nicht der stärkste Sänger ist. Aber der Abend ist ohnehin weniger reines Konzert als mehr unterhaltsame Aufklärung, wie so ein Leben, genauer das Leben des jungen Jan Josef Liefers, in der damaligen DDR funktioniert hat.

Mit Gitarrenunterricht bei dem alten Mann in der müffelnden Wohnung am anderen Ende der Stadt, in der es nach vorvorigem Jahrhundert aussah. Mit DDR-Fernsehen und dem schwachen Informationsgehalt der dort gezeigten Nachrichtensendungen, dafür reichlich Lobhudeleien auf die Partei.

Auf einer großen Leinwand tauchen immer wieder die Karikaturen der beiden politischen Ikonen der DDR, Walter Ulbricht und Erich Honecker auf – mit Sprüchen der beiden Politiker vom Band. „Klingt er nicht ein wenig wie Oscar Lafontaine, wenn man die Augen schließt“, fragt Liefers einmal das Publikum und meint den gebürtigen Saarländer Honecker.

Singende Kommissare gibt es ja einige. Selbst sein Partner im Münster-Tatort, Axel Prahl, steht gelegentlich vor dem Mikrofon. Doch wie Jan Josef Liefers sein Programm in Dortmund aufbaut, frei von „Ostalgie“ deutsche Geschichte erzählt und sie mit Rockmusik schärft, das hebt ihn von seinen Kollegen ab. Dem Soundtrack seiner Kindheit jedenfalls lauscht man durchaus gerne.

 
 

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