Gericht schickt Rechtsanwalt ins Gefängnis

Dortmund. Wegen Veruntreuung von Mandantengeldern muss der Dortmunder Rechtsanwalt Dr. G. für zwei Jahre ins Gefängnis. Er hatte Mandantengelder nicht weitergeleitet. Der Schaden: 100.000 Euro.

Wegen Veruntreuung von Mandantengeldern in zwölf Fällen und zweifachen Betrugs verhängte das Schöffengericht eine Haftstrafe von zwei Jahren. Der hohe Schaden von rund 100 000 Euro sowie die Unbelehrbarkeit des 53-Jährigen ließen eine Bewährung nicht mehr zu, erklärte Amtsrichter Ulrich Esken: „Als Organ der Rechtspflege genießen wir alle ein besonderes Vertrauen. Und wer dieses Vertrauen missbraucht, muss auch besonders mit den Konsequenzen rechnen.”

"Sie haben der gesamten Anwaltschaft geschadet"

„Mit ihrer Masche haben Sie dem Ansehen der gesamten Anwaltschaft immens geschadet”, sparte auch Oberstaatsanwalt Burkhard Willemsen nicht mit klaren Worten. In einem Fall warteten Mandanten in einer Wohnungsangelegenheit auf 34 000 Euro - das Geld floss auf das Privatkonto von Dr. G.'s Ehefrau.

Was die Staatsanwaltschaft als besonders verwerflich wertete: Nach seiner Scheidung 2007 standen einem Mandanten 13 000 Euro von seiner Ex-Frau zu. Obwohl der Anwalt die Summe längst erhalten hatte, sagte er zu dem Mann, da müsse man der Ex-Frau mal auf den Zahn fühlen - und riet, die Pfändung einzuleiten.

Finanzieller Absturz begann vor fünf Jahren

Sein Absturz, so sagte der geständige Angeklagte leise, habe 2004 begonnen: „Ich verlor einen wichtigen Mandanten.” Auch sei sein damaliger Kanzleipartner untergetaucht, habe ihm nichts als Schulden hinterlassen. „Bis dahin war er 20 Jahre lang treu und gewissenhaft tätig”, betonte Verteidigerin Henriette Lyndian.

Erst im Herbst 2008 zog Dr. G., der Widerspruch gegen den Entzug seiner Anwaltszulassung eingelegt hat, in eine neue Kanzlei. Weder hatte er die Umzugskosten von 3000 Euro bezahlt, noch die Miete inklusive Kaution (7000 Euro). Beides wertete das Gericht als Betrug. Es sei ein Unding, so der Oberstaatsanwalt, dass er „den Leuten weiter Seriösität vorgaukele”. Über ein von der Staatsanwaltschaft gefordertes Berufsverbot möge der Ehrengerichtshof entscheiden, meinte Richter Esken.

"Ich entschuldige mich bei Mandanten und Kollegen"

Dr. G. erhob sich bei seinem letzten Wort: „Ich entschuldige mich sowohl bei meinen Mandanten als auch bei meinen Kollegen.”

Der Familie Sowinski aus Dortmund nutzt das wenig. Christina und Georg Sowinski fühlen noch nicht mal Genugtuung, als sie von dem Urteil erfahren, das ihren Rechtsanwalt für zwei Jahre hinter Gitter bringt. „Wir sind nicht so”, sagt sie. Sie wünschen keinem etwas Schlechtes, wenngleich sie selber Opfer des Mannes geworden sind. Sie laufen seit zwei Jahren 5687,27 Euro hinterher, die ihnen eine Versicherung zugesprochen hat - die der Jurist jedoch nicht weiter an sie überwies.

Am 28. Januar 2005 war Georg Sowinski schuldlos in einen Autounfall verwickelt worden, bei dem er selber verletzt wurde. In der Folge vertrat ihn Dr. G. - mit dem Ergebnis, dass der Rechtsanwalt, so Sowinski, für seine Arbeit 3000 Euro von einer Versicherung erhielt. Die Versicherung des Unfallgegners überwies für den Totalschaden des Wagens jene 5687,27 Euro und bat G., das Geld an Sowinskis weiterzugeben. Seitdem läuft die Familie hinter ihrem Geld her. Und ihr schwante längst, es könnte vergebens sein.

„Er hat so viel gelogen”, sagt Christina Sowinski, die auch nicht verhehlt, dass sie das Geld mehr als gut gebrauchen könnten. Die Rente ist knapp, der Sohn studiert. „Wir haben wegen G. Schulden machen müssen. Wir waren dreimal bei ihm in der Kanzlei, jedesmal hat er gesagt, er wollte das Geld überweisen”, erinnert sie sich. Zig mal sei man zur Sparkasse gegangen, um zu prüfen, ob das Geld da sei.

Letztendlich nahmen sie sich einen anderen Rechtsanwalt, um zu ihrem Recht zu kommen. Als am 15. September in diesem Zusammenhang ein Termin vor Gericht stattfand, kam G. nicht. Heute wissen Sowinskis warum. „Dabei fehlt uns das Geld so sehr”, sagt sie, „wir können das einfach nicht ausgleichen.”

 
 

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