Gerangel um Containerterminal in Dortmund

Gorch Fock und Hans Albers
Die DSW21 will auf dem Gelände des ehemaligen Hafenbahnhofs Nord (»Alter Hafenbahnhof«) eine sogenannte KV-Anlage (Kombinierter Ladungsverkehr) bauen. Bei der Planung wurden offenabr Belange von Anliegern nicht berücksichtigt, was nun zu Einsprüchen führt. Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool
Die DSW21 will auf dem Gelände des ehemaligen Hafenbahnhofs Nord (»Alter Hafenbahnhof«) eine sogenannte KV-Anlage (Kombinierter Ladungsverkehr) bauen. Bei der Planung wurden offenabr Belange von Anliegern nicht berücksichtigt, was nun zu Einsprüchen führt. Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool
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Dortmund. Am Hafenbahnhof 2. Die Adresse klingt noch immer nach postindustriellem Ruhrgebietsidyll. Jetzt, bei unserem zweiten Besuch auf dem Gelände des alten Rangierbahnhofs I der Dortmunder Eisenbahn GmbH seit dem Frühjahr, tragen die Birken ihre Kronen grün. Gelegentlich rollt ein Güterzug über das Gelände. Doch man kann sicher sein: Lässt man sie nur, wird sich die Natur ihren Lebensraum schnell zurück erobern - selbst in diesem von Industrie und Verkehr in so vielen Jahrzehnten heimgesuchten Streifen im Norden des Reviers.

Doch lassen wird man die Natur wohl nicht. Bald schon soll Schluss sein mit der Ruhe in Hafennähe. Das hier geplante Container-Terminal soll den Logistikstandort Dortmund nach vorne bringen, Arbeitsplätze schaffen. Doch der Widerstand gegen das Projekt wächst. Der Friede im Stadtbezirk könnte bald dahin sein. Huckarder Bürger fürchten um ihre Ruhe, wenn an Spitzentagen zusätzliche 640 Lkw durch den Stadtteil donnern, um Container aus aller Welt auf dem Gleisgelände umzuladen.

Berufliche Existenz bedroht

Direkte Anwohner des zur Rede stehenden Areals sehen sich gar in ihrer beruflichen Existenz bedroht (WAZ berichtete). Sie machen inzwischen gegen das 26 Mio Euro teure Bauvorhaben mobil. Das selbst von den Grünen im Planungsausschuss einstimmig mitbeschlossene Projekt rückt somit erneut in den Fokus der Stadtpolitik.

Denn die Entscheidung der Hafen AG und deren Muttergesellschaft Stadtwerke (DSW21), die neue Anlage für den Kombinierten Verkehr auf dem bisherigen Rangierbahnhof anzulegen, ist nur die „zweitbeste“ Lösung in einer Zwangslage. Darüber sind sich alle Beteiligten einig.

Kapazitäten sind fast erschöpft

Die Kapazitäten der Container Terminal Dortmund GmbH sind fast erschöpft. Im Jahr 2011 wurden 175.000 Ladungseinheiten im Container-Terminal umgeschlagen - und damit wurde fast die Kapazitätsgrenze erreicht. Daher ist dringend eine Erweiterung der Umschlagskapazitäten notwendig. Andererseits gibt es ein „besseres“ Gelände für die Erweiterung: Es ist das alte Güterbahnhofsgelände südwestlich und parallel zur Westfaliastraße. Es gehört der Bahn.

Hafen AG für Konzept mit der Bahn 

Die Hafen AG hätte das Gelände gerne gekauft oder zusammen mit der Bahn entwickelt. Aber die Bahn, die über die DB Internmodal Services GmbH selbst einen Anteil von 30 % an der CTD GmbH hält, hat offensichtlich andere Pläne, die sie aber nicht bekannt gibt.

Die Hafen AG bemüht sich, unabhängig von der KV-Anlage, immer noch um das Gelände an der Westfaliastraße. Ob und wann diese Bemühungen Erfolg haben, ist völlig offen. In einem Gutachten, das das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik im April vorstellte, wird die mögliche Erweiterungsfläche an der Westfaliastraße mit 300 000 qm angegeben.

Investitionen stark eingrenzen

Da die Zeit drängt, soll nun zügig die „zweitbeste Lösung“ zur Erweiterung des Container-Umschlags im Hafennähe realisiert werden. Ein Vorteil dieser Lösung ist, dass das viel kleinere Gelände (rund 100 000 qm) der Dortmunder Eisenbahn Infrastruktur GmbH gehört, einer Tochter der Hafen AG. Somit entfallen Aufwendungen für Grunderwerb. Ein weiterer Vorteil ist das Vorhandensein von Gleisanlagen, die ebenfalls helfen, die Investitionssumme in überschaubaren Grenzen zu halten.

In dieser Woche haben die Anwohner noch einmal versucht, die Politik auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Nach dem Treffen im katholischen Gemeindehaus an der Deusener Straße ist zumindest Ingrid Reuter von den Grünen ins Grübeln gekommen. Die ehemalige Vorsitzende des wegen der Ratsauflösung nicht mehr existenten Planungsausschusses hatte noch im Frühjahr für das Vorhaben votiert. Jetzt hält Reuter es für wichtig, „dass wir uns noch einmal darüber auseinandersetzen.“ Der Standort an der Westfaliastraße sei „der wesentlich günstigere“.

Suboptimale Informationspolitik

Auch das Verkehrskonzept für die Anlage ist nach Ansicht der Grünen-Politikerin, die bei der Wiederholungswahl am 26. August auf Platz 1 der Kandidatenliste ihrer Partei antritt, „alles andere als befriedigend“. Für „nicht optimal“ hält Reuter auch die Informationspolitik der Hafen AG gegenüber den betroffenen Anwohnern.

Die hoffen nun auf ein Einsehen der Bezirksregierung. 485 Einwendungen gegen die KV-Anlage liegen dort vor. Anfang Juli gibt es einen Erörterungstermin. Gebaut wird vorerst also nicht. In Arnsberg können bis zu einer Entscheidung leicht Monate vergehen.