Gedenkfeier in Dortmund sendet Signal gegen Gewalt und Intoleranz

Andreas Winkelsträter
Gedenken an die Ermordeten in der Bittermark. Gamze Kubasik, deren Vater von Naziterroristen ermordet wurde, war eine der Rednerinnen am Mahnmal.
Gedenken an die Ermordeten in der Bittermark. Gamze Kubasik, deren Vater von Naziterroristen ermordet wurde, war eine der Rednerinnen am Mahnmal.
Foto: Ralf Rottmann
„Der braune Sumpf muss ausgetrocknet werden, und das muss in den Köpfen beginnen“, forderte Bürgermeisterin Birgit Jörder beim Karfreitagsgedenken in der Bittermark, wo zum Ende des Zweites Weltkrieges fast 300 Männer und Frauen von der Gestapo ermordet wurden. „Vor allem unsere Jugend soll erkennen, dass rechtsextremes Denken und Handeln sie um ihre Zukunft bringt,“ so Jörder.

Dortmund. Die Nazi-Verbrechen ließen auch 67 Jahre später in ihrer Brutalität und Sinnlosigkeit nur Fassungslosigkeit und Scham zurück. Es sei notwendiger denn je die Erinnerung wach zu halten. Denn in unseren Tagen zögen wieder braune Schlägertrupps durch die Straßen, grölten antisemitische Hassparolen und verprügelten fremd aussehende Menschen. Das werde in der Gesellschaft gerne als Betriebsunfall heruntergespielt. „Wer nicht unmittelbar davon betroffen ist, für den ist das ja auch bequem und stört nicht die eigene Wohlbefindlichkeit“. Auch in Dortmund hätten die rechtsextremen Mörder zugeschlagen.

Birgit Jörder erinnerte an Mehmet Kubasik, der am 4. April 2006 ermordet wurde. Dortmund habe nach wie vor ein erhebliches Problem mit rechtsextremistischen Aktivitäten. Sie rief die Anwesenden auf, nicht nachzulassen, Gewalt, Hetze und Intoleranz entschieden entgegenzutreten, auch wenn die Erfolge zuweilen scheinbar klein seien.

In ihrem Grußwort betonte Gamze Kubasik, die Tochter des ermordeten Kioskbesitzes Mehmet Kubasik, dass sie es nicht akzeptieren könne, dass ihr Vater einen so sinnlosen Tod gestorben sei. „Ich finde keine Worte für meinen Schmerz“, so die 26-Jährige. „Kein Mensch darf mehr so sinnlos sterben, keiner mehr so leiden wie wir es tun.“

Respekt vor „Botschaftern der Erinnerung“

Ernst Söder, Vorsitzender des Fördervereines Steinwache-Internationales Rombergpark-Komitee, betonte, dass „wir allen Anlass haben, das dunkelste Kapitel unserer Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren, um den Nachgeborenen und den künftigen Generationen immer wieder vor Augen zu führen, wo es schon einmal geendet hat“. Dabei sei Gedenken kein Selbstzweck und dürfe nicht zum Ritual verkommen. Söder: „In Dortmund brauchen wir keine Nazis, weder in Dorstfeld, noch am 1. Mai und schon gar nicht am 1. oder 3. September.“

Er sei ganz beeindruckt von den jungen Leuten, die als „Botschafter der Erinnerung“ die Gedenkveranstaltung mitgestaltet hätten. „Respekt vor solchen Aktionen“, so Söder. Auf dem Weg zum Mahnmal in der Bittermark haben sie auf dem „Weg der Erinnerung“ den Opfern ein Gesicht gegeben. Auf 16 Tafeln schildern sie das Schicksal von Menschen, die in der Bittermark ermordet worden sind. Als Ausstellung sind diese Tafeln in allen zwölf Stadtbezirken zu sehen.