Ganz Dortmund feiert seinen BVB!

Dortmund. Eine Stadt im Ausnahmezustand: Dortmund feiert zwei Tage seinen deutschen Meister BVB — und im Stadion reckt Borussia Dortmund die Meisterschale in die Höhe. Hier das Geschehen von mittags bis zum Abpfiff!

Und in der 90. Minute macht Barrios die Sache dicht: 3:1 für Dortmund. Abpfiff! Die Ereignisse nach Abfpiff findet ihr genau hier!

Kurz vor dem Abpfiff ist vielen im Stadion klar: Es wird einen Platzsturm geben. Egal von wem. Ein paar BVB-Fans hängen schon am Zaun. Vor dem Stadion zieht die Polizei massiv Kräfte zusammen.

In der 68. Minute fällt endlich das erlösende Tor für die Borussia. Ein großer Aufschrei lässt die ganze Stadt beben.Nur zwei Minuten später bebt Dortmund erneut: 2:1 in der 72. Minute. Einen Fernseher braucht man heute wirklich nicht, um das Ergebnis zu kennen... In der 74. Minute ist die Stimmung im Stadion perfekt: Dortmund führt — und Dede wird für Großkreutz eingewechselt.

Auch das noch: In der 46. Minute macht Gekas für Frankfurt ein Tor. Aus dem Frankfurter Block werden Fackeln auf den Rasen geworfen — Amanatidis versucht zu schlichten. Aber angefangen hatte der Einsatz von Pyro, Knallern und bengalischen Feuern allerdings auf der Südtribüne. Die Frankfurter setzen dem noch eins drauf und entrollen ein Banner: "Randale-Meister 2011".

Die Zwischenbilanz der Polizei: Die "Anmarschphase" der Fans verlief ohne besondere Vorkommnisse. Zwei Personen wurden vorläufig festgenommen: Ein Dortmunder wegen des Einsatzes von Pyrotechnik — ein Frankfurter nach einem Dosenwurf gegen Dortmunder Fans. Im Tunnel an der Strobelallee erlitt ein Kind durch Pyrotechnik (Täter unbekannt) ein Knalltrauma und musste im Krankenhaus behandelt werden. Nach ersten Schätzungen sind weit über 100.000 Fans in der Stadt. Das Konzept der Sicherheitsbehörden ist laut Polizei bisher aufgegangen.

Die Stimmung in der Westfalenhalle ist gigantisch — eine Mega-Süd-Tribüne. Bei jeder Einblendung von Dede wird gejubelt — und auch das 0:1 gegen Schalke wurde frenetisch gefeiert. In der Halbzeitpause gibt's Programm auf der Bühne.

Die Polizei räumt gegen 16.10 Uhr ganz gemächlich den Platz vor dem Stadion. Einige Hundert Fans aus Dortmund und Frankfurt hatten dort kartenlos gewartet und mussten sich jetzt hinter die Polizeiabsperrungen begeben. Oder gleich ganz woanders hin.

In Hamburg ist in der 42. Minute ein Tor für Mit-Abstiegskandidaten Mönchengladbach gefallen. Die Frankfurter im Dortmunder Stadion sind gelähmt und mucksmäuschenstill.

Und in der 10. Minute dann auch noch das: ein Foul an Kuba. Schrecksekunden. Aber verletzt ist er wohl nicht. Barrios verschießt den Foul-Elfmeter.

Das Stadion erlebt nach dem Anpfiff um 15.40 Uhr ein Wechselbad der Gefühle: Der Süden singt "You'll never walk alone" und wedelt mit Fähnchen — bei der Choreographie hatten die Fans zuvor ein überdimensionales Mannschaftsbild hochgezogen. Dann folgte eine Schweigeminuten für den am Donnerstag verstorbenen zweimaligen BVB-Meisterspieler Jockel Bracht.

In letzte Sekunde vor Anpfiff stehen um 15.30 Uhr noch immer hunderte Fans, vielleicht tausende vor der Westfalenhalle, kommen aber wegen Überfüllung nicht rein. Enttäuschung macht sich breit. Und Trotz: "Wir gucken auf jeden Fall irgendwo zusammen mit anderen!" meinen einige zuversichtlich. Die Menge macht sich auf Richtung Kreuzviertel. Aber da stehen die Fans schon in langen Schlangen vor allen Kneipen.

Dede und Sahin verabschieden sich um 15.21 Uhr vom Publikum. Tränen fließen — auf beiden Seiten. Dede verteilt T-Shirts an die Fans. Sehr bewegend: Die Süd-Tribüne stimmt "Dortmunder Jungs" an — und das macht sie wahrlich nicht bei jedem!

Um 15.15 Uhr stehen noch ein paar Frankfurter im Regen vor dem Stadion. Vor den Heim-Eingängen warten noch deutlich mehr Fans. Ob die alle noch zum Anpfiff reinkommen?

Regen. Hm. Die feiernden Fans wird's gegen 15.10 Uhr ärgern — die Polizei eher freuen. Bei Sonne und Hitze sind die Fans deutlich aggressiver.

Die Fan-Gruppierung The Unity hat eine Choreographie erarbeitet, die zeitgleich mit dem Einlauf der Mannschaft "abgefeuert" werden soll. Ein paar Fakten: The Unity hat 15.000 Euro in die Show gesteckt, an der 70 Leute seit März gearbeitet haben.

Drei Züge der Frankfurter Fans sind bis 14.28 Uhr am Stadion angekommen – begleitet mit hohem Polizeieinsatz. Die vom Abstieg bedrohten Hessen mussten sich von den Borussen-Fans so einige Schmähungen gefallen lassen. Die Reaktion: eine klare Kampfansage an die Dortmunder. „Deutscher Meister kriegt Randale!“

Um 14.15 Uhr waren die Kapazitäten der Westfalenhallen 1 und 3b erschöpft, die Eingänge wurden geschlossen. Wer jetzt noch live dabei sein will, muss das Spiel zuhause oder in einer Kneipe verfolgen... Die dringende Bitte der Polizei an die Fans: „Bitte meiden Sie ab jetzt den Bereich rund um die Westfalenhallen und, wenn Sie keine Karte für das Stadion besitzen, auch den Bereich des Signal Iduna-Park weiträumig.“

Dortmund steht Kopf. Der Andrang: gewaltig. Die Stimmung: meisterlich. Die Leute: friedlich. Die Stadt feiert seinen Meister Borussia. Allein 12.000 Fußball-Anhänger wollen in die große Westfalenhalle zum Public Viewing. Um 13.45 Uhr öffnete wegen des großen Andrangs auch die Halle 3b. Insgesamt 18.000 werden dann in der Nachbarschaft zum Signal Iduna Park das letzte Saisonspiel gegen (Absteiger?) Eintracht Frankfurt mit anschließender Meisterschalen-Übergabe verfolgen. „Die ersten 500 Fans standen heute Morgen um 9 Uhr vor den Türen“, berichtet Westfalenhallen-Sprecher Dr. Andreas Weber.

Der Frankfurter Mannschaftbus wurde gegen 13.45 Uhr von den Dortmunder mit "Absteiger, Absteiger!"-Schmährufen empfangen.

Bis 13.30 Uhr ist trotz Gedränge alles friedlich. Meistergesänge an allen Orten begleiten das schwarz-gelbe Gebaren. Ein Polizeihubschrauber kreist über die Stadt und übt damit wohl abschreckende Wirkung aus. Und die Polizei ist derart deeskalierend unterwegs, dass sie selbst zum Mitsingen anregt. Per Megafon schallt es vor den Westfalenhallen aus einem Blaulicht-Wagen: „Wer ist deutscher Meister?“ — „BVB-Borussia“ schallt es tausendfach zurück.

In der Westfalenhalle selbst sorgt DJ Frank Neuenfels für Stimmung. Erprobt durch die Public-Viewing-Auftritte bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 (Weber: „Schon damals hat er fast Wunder in Sachen Partylaune bewirkt“), soll er vor dem Anpfiff, in der Halbzeit und nach Spielschluss zusätzlich anheizen. Wobei die Sky-Übertragung und der BVB selbst nach dieser grandiosen Saison genug Frohsinn auslösen. Zwischenzeitlich treten noch vereinzelt einige Musiker, Bands und Gruppen Cheerleader auf. Geöffnet bleiben die Hallen bis zum Abend, etwa eine Stunde nach Spielschluss bzw. Schalen-Übergabe.

Schwarz-gelbe Banner und Fähnchen überall

Direkt vor den Hallen werden noch letzte Arbeiten an der großen Bühne vorgenommen, die am Sonntag zur Geltung kommt. Eine riesige Leinwand direkt neben der Bühne zeugt bereits vor der medialen Präsenz der BVB-Stars, wenn deren Autokorso dort am Sonntag live zu verfolgen sein wird. Das Rathaus am Friedensplatz, wo sonst immer Meisterfeiern endeten, ist übrigens vollends BVB beflaggt.

Auch die Kneipen in und um Dortmund herum (sofern sie mit einem Abo des TV-Senders Sky augestattet sind) platzten aus allen Nähten. Die ganze Stadt hat sich bereits geschmückt. Schwarz-gelbe Banner und Fähnchen überall, ein 700 Quadratmeter großes Mega-Poster am Stadion, Straßenbahnen in den Vereinsfarben und Orteingangsschilder mit dem Aufkleber „Fußballhauptstadt Dortmund“ - es gibt in Dortmund derzeit scheinbar nichts, was nicht in der Farbkombination schwarz und gelb umzurüsten ist. Stoffe in den Klubfarben sind ohnehin in vielen Geschäften ausverkauft, und die Bestellungen der CD mit der Meisterhymne, von den BVB-Profis zusammen mit der Gruppe Krypteria besungen, sorgte selbst beim großen Internet-Shop Amazon für den Zusammenbruch des Systems.

Ordnungsamt hält Glasflaschen-Gebrauch im Auge

Das Ordnungsamt ist mit viel Personal verteilt in der Stadt unterwegs und weist auf das Glasverbot hin, das eigentlich erst morgen gilt, aber das die Stadt schon am Samstag einzuhalten bittet.

Appelle an die Vernunft der Fans und ein erhöhtes Sicherheitsaufgebot mit 1000 Polizisten sorgen für den hoffentlich reibungslosen Ablauf der ersten Meisterfeier des BVB seit 2002. Trainer Jürgen Klopp forderte die Borussen-Fans auf, ihren Beitrag im Stadion zu leisten: „Am Sonntag sind wir unter uns, da können wir ausgelassen feiern. Wir fiebern dem Umzug durch die Stadt entgegen und freuen uns auf 400.000 Menschen an den Straßenrändern.“