Für SPD Dortmund ist der „Saufraum“ in der Nordstadt abgesoffen

Niemand will die „Aufenthaltsgelegenheit“ gegen die offene Trinker-Szene am Dortmunder Nordmarkt betreiben. Jedenfalls nicht für die ausgelobten 237.350 Euro (für zwei Jahre).
Niemand will die „Aufenthaltsgelegenheit“ gegen die offene Trinker-Szene am Dortmunder Nordmarkt betreiben. Jedenfalls nicht für die ausgelobten 237.350 Euro (für zwei Jahre).
Foto: imago stock&people

Dortmund.. Die Aufhebung des Vergabeverfahrens zur Suche eines Betreibers für den geplanten „Saufraum“ am Nordmarkt gilt der Nordstadt-SPD als politischer Offenbarungseid für Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz (Grüne) sowie die Ampel-Mehrheit im Rat.

Kein Interesse am „Saufraum“ in Dortmunds Nordstadt: „Es ist mehr als peinlich, dass sich kein einziger Betreiber fand“, glaubt Dr. Marita Hetmeier, Chefin der Nordstadt-Genossen, das Scheitern des Vergabeverfahrens sei „absehbar“ gewesen. Im Vorfeld hätten sich alle in Betracht kommenden Dortmunder Träger von Caritas und Diakonie bis Arbeiterwohlfahrt gegen das Konzept ausgesprochen.

„Wer bedenkt, mit welch hohem Aggressionspotenzial Menschen jenseits von zwei Promille Blutalkohol unterwegs sind, der weiß: Es gibt Mord und Totschlag, wenn man schwerstabhängige Alkoholiker in einem geschlossenen Raum zusammenbringt. Ein oder zwei Sozialarbeiter können eine solche prekäre Gefahrenlage nicht beherrschen.“

Die SPD hofft nun, dass zumindest bei Teilen der CDU-Ratsfraktion jetzt ein Prozess des Umdenkens eintritt. Sie selbst bleibt bei der Forderung, das öffentliche Trinken von Alkohol auf dem ganzen Nordmarkt zu verbieten. Die bisher bestehende Verbotszone an der Nordseite des Nordmarkts reiche sichtlich nicht aus.

„An der Westgrenze des Nordmarkts liegt die Nordmarkt-Grundschule, östlich eine Kindertagesstätte und am Nordende spielen die Kinder auf dem Spielplatz“, zählt Hetmeier auf. „In keinem anderen Stadtbezirk würde es auch nur einen Tag hingenommen, dass sich Kinder ihren Weg zur Schule, zur Kita oder zum Spielplatz durch pöbelnde Alkoholiker bahnen müssen.“ Es sei „eine Schande für unsere Stadt und ein Armutszeugnis für die Politik, dass die Kinder von Migranten und sozial Schwachen in Dortmund offenbar keine Rechte haben“.

Wie berichtet, gibt Steitz den Saufraum nicht auf. Ein Bieter aus Essen ist interessiert, kommt aber mit dem vom Rat auf 237 350 Euro für die ersten zwei Jahren begrenzten Honorar nicht aus. Darüber laufen noch Gespräche mit der Bezirksregierung, die Landeszuschüsse in Höhe von 166 145 Euro bewilligt.

 
 

EURE FAVORITEN