Fremdenfeindlicher Angriff - Nazischläger kommt lächelnd ins Landgericht Dortmund

Der Angeklagte Sven K. vor Gericht.
Der Angeklagte Sven K. vor Gericht.
Foto: WR/Franz Luthe
Dunkelblaues Polo-Shirt, Matrosenbart wie ihn der Graf von der Band Unheilig trägt, muskelbepackte Oberarme, großflächige Tattoos, Handschellen, ein Lächeln im Gesicht. So betrat Sven K. vor den Augen seiner Mutter den Gerichtssaal 130 im Landgericht. Zusammen mit drei Mitangeklagten steht der 24-Jährige seit Dienstag vor der Großen Jugendkammer.

Dortmund. Dem Quartett um Sven K. wird am Landgericht Dortmund gefährliche, fremdenfeindlich motivierte Körperverletzung vorgeworfen. Sie sollen zwei türkischstämmige Jugendliche auf dem Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr überfallen und krankenhausreif geschlagen und getreten haben. Mit Sven K. sitzen noch sein Bruder Jan (19), Tim G. (20) und eigentlich Denis B. vor Gericht. Doch der ist nicht erschienen. Und so wird sein Verfahren nach kurzer Unterbrechung vom eigentlichen Verfahren abgetrennt.

Das Geschehen auf dem Weihnachtsmarkt, so Staatsanwältin Dr. Esther Nazarian, spielte sich am 26. November 2011 abends vor den Weihnachtsmarktständen 250 und 261 ab, direkt vor dem „Alex“. Die beiden Opfer (16/17) kommen in dem Moment vorbei, als sich Sven K. augenscheinlich mit seiner Ehefrau streitet. Sven K. soll die beiden türkischstämmigen Jugendlichen angeschrien haben: „Was guckt ihr Bastarde?“ Laut Anklage schlägt er Sekunden später einem der beiden Jugendlichen mit geballter Faust mehrfach ins Gesicht. Seine Begleiter umringen den zu Boden gestürzten Jugendlichen. Ein weiterer Rechtsradikaler schlägt ihm eine Flasche auf den Kopf. Der junge Mann erleidet eine große Kopfplatzwunde und diverse Prellungen. Er könne nur schwer, so sein Anwalt in der Verhandlung, den vier Angeklagten gegenüber sitzen.

Weitere Verfahren angehängt

Die Angreifer flüchten, verfolgt von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes. Auch einem dieser Sicherheitsleute soll Sven K. mehrfach ins Gesicht geschlagen haben, das mit der Faust, in der sich ein Schlüsselbund befand, so die Staatsanwältin.. Einem anderen Mitarbeiter des Sicherheitspersonals wird ein Kopfstoß versetzt. Schließlich können Sven und Jan K. gefasst werden. Bei der Festnahme sollen sie einen Sicherheitsmitarbeiter beleidigt haben:: „Dreckiger Jude. Scheiß Juden, ich bring euch alle um.“ Später werden Tim G. und Denis B. gefasst.

Tim G. wird laut Staatsanwältin Dr. Nazarian eine weitere gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll einen Demonstranten aus dem linken Spektrum während eines Naziaufmarsches im Januar 2011 in Wuppertal mehrmals gegen den Kopf getreten haben. Doch damit nicht genug: Wie Ulf Pennig erläutert, füge man noch zwei weitere Anklagen gegen Tim G. und Jan K. zu dem Verfahren hinzu. Der Vorwurf: abermals Körperverletzung.

Sven K, der aus dem Umfeld der gewaltbereiten „Skinhead-Front Dorstfeld“ stammt, saß wegen Totschlags an dem Punker „Schmuddel“ fünf Jahre in Haft, wurde dann aber 2010 vorzeitig entlassen. Der gebürtige Lünener soll zudem an einem Überfall auf die Gaststätte „Hirsch Q“ beteiligt gewesen sein. Seit dem 27. November 2011 sitzt er wieder in U-Haft.

 
 

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