Freizeitstätten auf dem Prüfstand

Peter Ring
Kinder- und Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp. Foto: Knut Vahlensieck
Kinder- und Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Die 38 Jugendfreizeitstätten und ihre rund 500 festen und freien Mitarbeiter kommen nicht zur Ruhe. Seit einem Jahr wird ihre Zukunft diskutiert: Eine „Privatisierung“ oder die Auslagerung in eine andere Gesellschaftsform scheinen zwar vom Tisch - doch dafür kommen nun freie Träger als Betreiber ins Spiel.

Rund 100 feste und über 400 freiberufliche Mitarbeiter zählen die Jugendfreizeitstätten im Stadtgebiet. Und sie zählen die Tage, bis feststeht, wie es mit den Einrichtungen weitergeht. Seit Monaten arbeitet das Jugendamt an einem Prüfauftrag, der dem Rat Antworten auf die Fragen liefern soll, was sinnvoller ist: Privatisierung oder Öffnung für freie Träger. Im Mai dürfte die Verwaltungsvorlage in den Rat kommen. Tendenz: Privatisierung bzw. Umwandlung in eine gGmbH - eher nicht. Freie Träger - herzlich willkommen. Übergäbe man die JFS bei einer Privatisierung in fremde Hände, drohe die Stadt ihr Mitspracherecht bei den Angeboten einzubüßen, heißt es aus dem Kinder- und Jugenddezernat.

Gleichwohl könnte der Prüfauftrag den freien Trägern Tür und Tor öffnen. Die AWo und der Paritätische hätten Interesse bekundet. Wann und in welchem Umfang freie Träger einsteigen und Einrichtungen übernehmen, wie zuletzt der CVJM in Dorstfeld, sei völlig offen, betont Kinder- und Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp. Nicht zuletzt sei das eine Kostenfrage. Sprich: Die Höhe der Zuschüsse von der Stadt an die freien Träger spielen eine Schlüsselrolle. Bonekamps Fazit: „Ich stehe solchen Vorhaben völlig aufgeschlossen gegenüber.“

Schließungen denkbar

Unabhängig davon prüfe man , wie es um die Auslastung der JFS steht. Würden Einrichtungen nicht mehr angenommen, seien auch Schließungen denkbar. Nur eines möchte die Dezernentin eher nicht: das Fritz-Henßler-Haus ins Spiel bringen. „Diese Perle geben wir nicht gern aus der Hand“. Das erst kürzlich millionenschwer sanierte Gebäude habe für die Stadt noch viel Entwicklungspotenzial.

Ob der Prüfungen formiert sich Protest bei der Gewerkschaft Verdi. „Die Beschäftigten erwarten den Erhalt einer lebensfähigen Infrastruktur der Kinder- und Jugendförderung in den Stadtteilen“, so Martin Steinmetz. „Weiter wie bisher“ bedeute für viele Einrichtungen einen „Tod auf Raten“. Zudem: Vom Standard von mindestens vier hauptberuflichen Mitarbeitern sei man weiter entfernt denn je. In den Jugendfreizeitstätten der Stadt fehlen aktuell 18 hauptberufliche Fachkräfte. Die Hälfte davon sei allein in den letzten beiden Jahren weggebrochen. 2011 würden drei weitere Mitarbeiter gehen. Kurzum: Die JFS sind nicht nur baulich in die Jahre gekommen.