Frauen legten in Afrika Voodoo-Schwur ab

Kathrin Melliwa
Foto: WR/Franz Luthe

Die Rollen in der straff organisierten verbrecherischen Organisation waren laut Staatsanwaltschaft genau verteilt: Demnach kümmerte sich die aus Nigeria stammende Angeklagte (30) unter anderem darum, ihre jungen Landsmänninen in Dortmund in Empfang zu nehmen. Die Frauen waren zuvor unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt worden. Der Angeklagte (27) soll sie dabei unterstützt haben.

Allein beiden wirft die Staatsanwaltschaft seit gestern vor der 35. Großen Strafkammer des Landgerichtes Menschenhandel und Förderuntg der Prostitution vor.

Statthalter für den Standort Dortmund

Im Falle des 27-jährigen Mannes geht die Anklage von Beihilfe aus. Die Angeklagten, so sieht es die Staatsanwaltschaft, sollen innerhalb einer größeren kriminellen Gruppe eine Art „Statthalterfunktion“ für den Standort Dortmund eingenommen haben. Laut Anklage übernahm die zuletzt in der Mallinckrodtstraße lebende Afrikanerin die Aufgabe, auf die verschreckten Opfer massiv Druck auszuüben. Auch soll sie den Frauen sofort nach ihrer Ankunft in Dortmund den Pass weggenommen haben.

Gestern wurde lediglich die Anklage verlesen, die Rede ist von drei Opfern im Alter von 22 und 24 Jahren. In den Jahren 2006 bis 2010 sollen sie mit der Aussicht, hier als Kindermädchen zu arbeiten, hergelockt worden sein. Die Angeklagten wollen sich im weiteren Verlauf des Verfahrens zu den einzelnen Anklagepunkten äußern.

Freier hatte sich in eine der Frauen verliebt

Wie bereits in einem anderen, früheren Prozess, sollen auch in diesen Fällen die jungen Frauen in ihrer Heimat Nigeria eine Art Voodoo-Schwur abgeleistet haben. Sie schnitten sich laut Anklage unter anderem Fingernägel und Haare ab und beteuerten, in Deutschland alles zu tun, was von ihnen verlangt werde. „Deine illegale Einreise kostete 70 000 bis 100 000 Euro“, so soll die Angeklagte einem der Opfer gesagt haben. Und dieses Geld müssten sie nun als Prostituierte abarbeiten.

Eine hässliche Geschichte mit einem schönen Ende: Ein Freier hatte sich in eine der Frauen verliebt und sie aus dem Bordell herausgeholt. Danach vertrauten sich auch die anderen der Polizei an.