Frauen in Dortmund demonstrieren mit dem "Slutwalk" gegen Vergewaltigung

Zum ersten SlutWalk Ruhr zogen rund 300 Demonstranten, überwiegend junge Frauen, durch Dortmund.
Zum ersten SlutWalk Ruhr zogen rund 300 Demonstranten, überwiegend junge Frauen, durch Dortmund.
Foto: Ralf Rottmann
Gegen Vergewaltigung demonstrierten einige hundert Frauen und Männer mit einem "Slut Walk" in der Dortmunder Innenstadt. Organisiert über Facebook, schlossen sich die selbsternannten "Schlampen" zu einem Gang durch die Innenstadt zusammen.

Dortmund.. „Wir Frauen sind kein Freiwild für Vergewaltigungen“ war auf einem Transparent zu lesen. Oder „Meine Kleidung ist kein Freifahrschein“. Zum ersten SlutWalk Ruhr zogen am Samstagmittag gut und gerne 300 Demonstranten, überwiegend junge Frauen, vom Fuß der Katharinentreppe bis zum Friedensplatz. Eher eine Spaßveranstaltung als eine bierernst zu nehmende Demo.

Einige Frauen präsentierten sich schrill gekleidet: In schwarzen Netzstrümpfen, in Korsage oder zeigten den fast blanken Po. Andere stellten offenherzig zur Schau, was Männer durchaus bestaunen oder bewundern sollen, wollen dennoch kein Freiwild für Männer sein. Verbitten sich anzügliche Kommentare oder - viel schlimmer - das Grapschen. Gleichzeitig wollen sie den „Sexismus zerschlagen“, so hieß es auf einem anderen Schild.

„Schlampenmarsch“ kommt aus Toronto

Der SlutWalk, der „Schlampenspaziergang“, hat eine ganz junge Geschichte. Die Bewegung kommt aus dem kanadischen Toronto. Dort hatte zu Jahresanfang ein Polizist Studentinnen empfohlen, dass es „Frauen vermeiden sollten, sich schlampig anzuziehen, um nicht zu Opfern zu werden“. Die Studentinnen waren darüber empört und brachten im April den SlutWalk auf die Straße. Längst hat fast jede größere Stadt in Deutschland einen eigenen SlutWalk. Facebook und dem Internet sei dank. Zwar sprachen sich alle Demo-Teilnehmer gegen Mackertum und Sexismus aus, doch die offenherzigen Ausschnitte und manche langen Beine wurden nur allzu gerne den Kameras der vielen Medienvertretern (auf)reizend präsentiert.

Die Resonanz der staunenden Passanten war eher zurückhaltend - Störer oder Pöbler gab’s nicht; vielleicht waren ein paar Voyeure darunter. Kurze Redebeiträge erläuterten den Sinn des SlutWalk. Es gab Solidaritätsbekundungen mit den Opfern sexueller Gewalt. Oder Jugendsekretärin Katja von Verdi glaubte, dass mindestens 75 % der Frauen und 45 % Jugendliche Opfer sexueller Belästigungen am Arbeitsplatz geworden sind. Ulli, ein junger Mann, meinte, dass Jungen von Mädchen nicht plump angemacht werden wie das umgekehrt fast immer der Fall ist.

Zuschauermassen fehlten

Dem „Schlampenmarsch“ fehlten in Dortmund - bedingt durch den festgelegten Routenverlauf - die richtigen Zuschauermassen. Am HCC vorbei an Brinkhoffstraße, Grüne- und Steinstraße öffneten sich ein paar Fenster, auf den Wällen blieben einige Passanten allenfalls neugierig schmunzelnd stehen, als die Slutwalker „No means No“ (Nein heißt Nein) skandierten. Vor der Friedenssäule auf dem Friedensplatz noch einmal ein paar Redebeiträge. Die Forderungen: Weg mit verstecktem Sexismus in Werbespots, mehr Raum für alle schaffen und Abschaffung männlicher Privilegien.

 
 

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