Flut-Helfer holen Sandsäcke von aufgeweichten Deichen

Gefahrenherd Sandsäcke: Die Lage im Einsatzgebiet der 132 Hochwasserhelfer der Feuerwehren aus Dortmund, Bochum, Ennepe und Witten ist angespannt. Die Last der Sandsäcke droht die aufgeweichten Deiche zu zerdrücken. In der Nacht wäre die Hilfsaktion beinahe gescheitert - wegen drei Bäumen.

Dannenberg/dortmund.. Aktualisierung 16.46 Uhr:

Die Heimkehr nach einer Woche voller Entbehrungen rückt näher. Die Abfahrt der Helfer aus Dortmund, Bochum und dem Ennepe-Ruhr-Kreis in Richtung Heimat ist für Samstag, 10 Uhr, geplant. Bis dahin werden sie weiter Deichfüße sichern und Sandsäcke von den Kronen tragen. In Dortmund werden sie erst am frühen Samstagabend erwartet, da sie mit Tempo 60 Kolonne fahren müssen.

Aktualisierung 12.24 Uhr:

Am Freitagmittag mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Dortmund auf einer Strecke von fünf Kilometern Sandsäche von der Deichkrone zum Deichfuß herunterbauen. Die Feuerwehrleute waren nur 15 Meter vom Hochwasser der Elbe entfernt. Sie arbeiteten dabei unterhalb des Pegels auf der anderen Deichseite.

Die Lage wird als gefährlich eingestuft, da inzwischen Wasser austritt. Aufgrund starker Regenfälle in der Nacht haben die Sandsäcke viel Wasser gezogen. Im Moment lasten pro Quadratmeter 150 Kilo Gewicht auf der Deichkrone. Dieses Gewicht muss jetzt zum Deichfuss verlagert werden, da die schwere Last der Sandsäcke den aufgeweichten Deich zu zerdrücken droht.

Mehrere Tonnen Sand von Hand bewegen

Die Arbeit der Einsatzkräfte wird dahingehend erschwert,dass sie die mehreren Tonnen Sand nun per Hand bewegen müssen, da das Betreten der Deiche unter Strafe verboten ist und keine Fahrzeuge eingesetzt werden dürfen.

Die Lage bleibt weiterhin sehr angespannt, obwohl der Pegel um einen Zentimeter pro Stunde sinkt. Die Feuerwehr wird mindestens noch fünf Stunden im Einsatz sein.

Eichen drohten Leck zu schlagen

Brisant war es in der Nacht geworden: Am Restaurant Deichterassen hatte die Elbe den Deich sowie den Vorgarten des Restaurants unterspült. Drei 400 Jahre alte Eichen drohten dabei eine Schutzmauer zu durchschlagen. So wäre an dieser Stelle das Leck entstanden, durch das die Elbe Dannenberg geflutet hätte.

Die Ruhrpott-Feuerwehren haben ihre spezielle Art der Motivation. Während der Arbeit singen sie Lieder wie "Glück auf der Steiger kommt" und "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Deich nicht".

Ursprungsmeldung 8.15 Uhr:

Seit der Mannschaftsbesprechung am Freitag um 8 Uhr wissen die Männer und Frauen: Die Deiche haben die Nacht überstanden. Trotzdem bleiben die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. Einen konkreten Einsatz gibt es noch nicht, dafür stehen zwei Pflicht- und Putzstunden auf dem Plan.
Bis zum Donnerstagmorgen hatte die Katastrophenschutzeinheit in sieben Tagen und Nächten bei Neu Darchau insgesamt 120.000 Sandsäcke aufgeschichtet, um ein Überlaufen der Elbe zu verhindern. Bei Normalpegel liegt das Ufer 300 Meter vom Dorf entfernt - jetzt fließt die Elbe an den Hausgärten vorbei. Ein von der Feuerwehr errichteter Notdeich verhindert die Katastrophe.

Einsatzleiter vom großen Engagement beeindruckt

126 der 132 Kräfte sind ehrenamtlich für den Katastrophenschutz an der Elbe im Einsatz. Verantwortlich ist die Bezirksregierung Arnsberg. Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann sagte unserer Redaktion: "Die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren ist von unschätzbarem Wert. Sie sind das Rückgrat des Katastrophenschutzes. Ich danke ihnen von ganzem Herzen."

"Ohne das Ehrenamt kann das hier nicht funktionieren", sagt auch einer der Hauptamtlichen, Dr. Hauke Speth von der Dortmunder Berufsfeuerwehr. Der Einsatzleiter ist von dem großen Engagement und der guten Atmosphäre beeindruckt. Ein Unterschied zwischen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen ist in dem Containerdorf neben dem Atomcastor-Verladebahnhof in Dannenberg ohnehin nicht zu erkennen.

Das ist das Einsatzgebiet der Hilfskräfte: