Flughafen Paderborn schwärzt Konkurrenten Dortmund in Brüssel an

Michael Kohlstadt

Dortmund. Gegenwind ist der Flughafen Dortmund gewöhnt. Der kommt meist aus Westen. Was zur Folge hat, dass die Maschinen vor allem über Dortmunder Hausdächern abheben müssen. Doch nun bläst Wickeder aus östlicher Richtung ein kleiner Sturm ins Gesicht. Denn den Betreibern des Flughafens Paderborn/Lippstadt ist soeben auch ganz offiziell die Hutschnur geplatzt - angesichts der Dortmunder „Dumpingpreise“ für Fluglinien.

Der Protest gegen den Dortmunder Flughafen ist eigentlich nicht neu, weht aber plötzlich ungewohnt heftig aus dem Ostwestfälischen herüber. Manfred Müller, seines Zeichens Landrat des Airport-Mehrheitseigners Kreis Paderborn, wurde unlängst bei der EU-Kommission in Brüssel in Sachen Flughafen Dortmund vorstellig - gemeinsam mit dem Europa-Abgeordneten der Region, Elmar Brok.

Der Vorwurf: Airlines zahlen in Dortmund zu wenig

Das Credo der beiden CDU-Mitglieder: Flughäfen brauchen faire Wettbewerbsbedingungen. Ihre Forderung: Ein über Jahre schwarze Zahlen schreibender Airport wie Paderborn dürfe nicht durch Dortmunds zweifelhafte Gebührenpraxis in Turbulenzen geraten. Landrat Müller forderte die EU-Kommission unmissverständlich auf, die strikte Einhaltung der Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Sein Vorwurf: Airlines zahlen in Dortmund für die Nutzung des Flughafens viel zu wenig. Das verstoße gegen EU-Recht. „Wir haben deutliche Hinweise darauf, dass Passagiere aus Paderborn abwandern - nur weil die Fluggesellschaften in Dortmund günstiger kalkulieren können“, so Müller im Gespräch mit unserer Zeitung.

In der Tat steht Paderborn derzeit erheblich unter Druck. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin, Hauptnutzer in Paderborn/Lippstadt, hat ihr Angebot spürbar zusammengestrichen. Die Passagierzahlen sanken unter die Millionengrenze. Vor drei Jahren rutschte auch die Bilanz erstmals in die roten Zahlen. Seitdem haben sich in Paderborn Verluste angehäuft: 2,5 Mio Euro. Und die Lage für die Ostwestfalen dürfte ab 2013 noch schlimmer werden. Dann geht der neue Flughafen in Kassel-Calden an den Start, komplett durchfinanziert vom Land Hessen und gerade einmal 70 Kilometer von Paderborn entfernt.

Kassel-Calden kommt

Die Angst geht um, dass die Anteilseigner des Paderborner Flughafens - sechs Landkreise, zwei Industrie- und Handelskammern sowie die Stadt Bielefeld - plötzlich die Schulden des Flughafens aus dem eigenen, zum Teil knapp kalkulierten Haushalt schultern müssen. Erste Abwanderungsgedanken aus dem Eigentümerkreis soll es bereits geben.

Finanziell hat Paderborn im Vergleich zu Wickede allerdings eher ein Luxusproblem. Bekanntlich häuft der Dortmunder Flughafen Jahr für Jahr Verluste von rund 20 Mio Euro an, abgefedert nur durch einen regelmäßigen Scheck der Mutter Stadtwerke. Selbst wenn man den Schuldendienst für die Investitionen in Gebäude und Infrastruktur aus dem Dortmunder Minus herausrechnet, bleibt die Bilanz tief in den roten Zahlen: 2009 fuhr Wickede operativ ein Minus von 8,7 Mio Euro ein. 2010 sank das Minus auf 7,2 Mio Euro. EU-prüfungsrelevant davon ist etwa die Hälfte. Und mit der umstrittenen Betriebszeitenverlängerung, die noch bei der Bezirksregierung in Münster zur Genehmigung vorliegt, verknüpft die Flughafenleitung die Hoffnung, wenigstens an dieser Stelle der Bilanz bis spätestens 2016 eine schwarze Null schreiben zu können.

„Verluste wie in Dortmund wären bei uns undenkbar und inakzeptabel“, schüttelt dagegen Landrat Müller angesichts der Dortmunder Praxis der Quersubventionierung den Kopf. Er hofft auf fairen Wettbewerb - und darauf, dass die EU-Kommission verstärkt auf dessen Einhaltung achtet. Besonders in Wickede. Müller: „Signale, dass dies bald geschieht, habe ich bei meinem Besuch in Brüssel erhalten.“