Flughafen kann längere Betriebszeiten abhaken

Michael Kohlstadt
Der Dortmunder Flughafen. Foto: WAZ/Fotopool
Der Dortmunder Flughafen. Foto: WAZ/Fotopool
Foto: Linz/PiLi

Dortmund.  Die erbittert geführte Debatte um die Verlängerung der Flugzeiten am Airport - Dortmund kann sie abhaken. Denn die Anzeichen verdichten sich, dass die geplante Betriebszeitenausweitung niemals genehmigt wird.

Seit etlichen Monaten tobt in Dortmund die Debatte um den Ausbau und verlängerte Flugzeiten am Airport in Wickede. Wie die WAZ erfuhr, beharrt die Landesregierung weiter auf der im Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen festgezurrten Vereinbarung, wonach eine Ausweitung der Betriebszeiten in Dortmund nicht in Frage kommt. „An unserer Haltung hat sich nichts geändert”, sagte eine Sprecherin des NRW-Verkehrsministeriums jetzt auf Nachfrage der WAZ. Die Ministeriumssprecherin deutete auch unmissverständlich an, bei wem die Lufthoheit in einem möglichen Genehmigungsverfahren liegt: Die zuständige Bezirksregierung Münster werde über Veränderungen insbesondere bei den Betriebszeiten „in Abstimmung mit dem Ministerium” entscheiden. Die Vereinbarung aus dem Koalitionspapier sei „Regierungslinie”.

Den Befürwortern der Flugzeitenverlängerung wird damit der Wind aus den Segeln genommen. Noch vor wenigen Tagen hatte Stadtwerkechef Guntram Pehlke als Aufsichtsratsvorsitzender des Airports versucht, Druck auf die Kommunalpolitik auszuüben und eine schnelle Entscheidung zu Gunsten der Betriebszeitenverlängerung gefordert.

Wie berichtet, gibt es zwei konkurrierende Modelle: Der Flughafen will die Regelflugzeit um eine Stunde auf 23 Uhr verlängern, einen entsprechenden Beschluss fasste demonstrativ der Aufsichtsrat der Stadtwerke-Tochter vor der Sommerpause. Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) dagegen will die einstündige Verlängerung nur solchen Fluglinien gewähren, die ihre Maschinen in Dortmund stationieren. Ansonsten solle der Flugbetrieb nur bis 22.30 Uhr gehen. Hinter der Variante des OB steht die eigene Partei. Aber nicht wie ein Mann: Fraktionschef Ernst Prüsse kann sich durchaus mit der weitergehenden Variante 1 anfreunden.

Grüne gegen Betriebszeiten-Verlängerung

Komplett gegen eine Verlängerung der Betriebszeiten sind die Grünen. Sie sitzen in der Dortmunder Stadtpolitik zwar derzeit nur auf der harten Oppositionsbank, erhalten aber durch die grüne Regierungsteilhabe in Düsseldorf zumindest in Sachen Wickeder Landeplatz starken Auftrieb. Dem nach ihrer Auffassung ohnehin „schwächelnden” Dortmunder Flughafen wollen sie jedenfalls „keinerlei Zugeständnisse“ machen.

Und noch einer möchte ins Höhenruder greifen: Franz-Josef Drabig. Nach Bekanntwerden der Koalitionsbeschlüsse zum Wickeder Flughafen hatte Dortmunds SPD-Chef noch versucht, die möglichen Auswirkungen herunterzuspielen. Er könne sich nicht vorstellen, so Drabig im Juli, dass das Land gegen den politischen Willen einer Kommune entscheide. Zuvor hatte Drabig allerdings in genau der Verhandlungskommission gesessen, die das Koalitionspapier ausgearbeitet hatte. Bleibt es jetzt bei der Linie des von Drabigs Parteifreund Harry K. Voigtsberger geleiteten Ministeriums, ist der Unterbezirkschef wohl weit über die Startbahn hinausgeschossen.