Flughafen Dortmund konnte Abflug von Air Berlin nicht verhindern

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Dortmund.. Der angekündigte Rückzug von Air Berlin aus Dortmund gibt dem Dauer-Streit um den Flughafen neue Nahrung. Kurioserweise sehen sich beide Lager, sowohl Gegner wie Befürworter eines Ausbaus, bestätigt.

Die Gegner in Form der Schutzgemeinschaft Fluglärm und der Grünen sehen im Abflug von Air Berlin den neuerlichen Beweis, dass der Airport niemals in schwarzen Zahlen landen, sondern, im Gegenteil, sein Defizit nur vergrößern wird. Die Befürworter bei der IHK, beim Verein Pro Airport und im Rat der Stadt argumentieren genau andersherum. Der Weggang von Air Berlin zeige schonungslos alle Wettbewerbsnachteile des Airports auf: zu kurze Flugzeiten und eine zu kurze Landebahn.

Richtig ist, dass die 2000 Meter-Bahn für moderne Jets der Branchenführer Airbus und Boeing nicht brauchbar ist. Auch die zwischenzeitlich in Rede stehende Verlängerung auf 2300 Meter ist, bei Lichte betrachtet, pure Augenwischerei. Wenn man will, dass in Wickede alle gängigen Passagierflugzeuge (mit Ausnahme des A 320) vollbeladen und vollbetankt zu Zielen der Mittelstrecke abheben können, bedarf es mindestens einer 2500 Meter-Bahn, eher sogar einer Verlängerung auf 2800 Meter.

Finanzprobleme vor Betriebszeiten bzw. Bahnlänge

Ja, Air Berlin hat seine Probleme mit der Piste, die die Boeings 737/800 der Airline auf bestimmten Strecken zur Zwischenlandung zwingt. Gleichwohl sind es weder die Betriebszeiten noch die Bahnlänge, die Deutschlands zweitgrößte Airline zum Abflug bewegen: Air Berlin steckt schlicht und ergreifend in finanziellen Turbulenzen und fliegt Sparprogramme. Auch eine 2500 Meter-Bahn hätte die Gesellschaft nicht zur Umkehr bewogen. Dortmund wurde fallengelassen, weil man hier ganz offenkundig doch nicht das Riesen-Potenzial sieht.

Das zeigt, was all die Prognosen, Gutachten und „Potenzialanalysen“ der Vergangenheit taugen: Wenig bis nichts taugen sie. Wo sind denn jene wahlweise 5 und 10 Millionen Menschen, die man als potenzielle Kunden ausgemacht hat? Noch 2007 gab man am Airport die Parole aus, 2012 werde man die Schallmauer von 3 Mio. Passagieren erreichen. Die derzeitige Flughafenleitung ist da (durchaus wohltuend) vorsichtiger mit solchen Voraussagen. Zu Recht: Der Flughafen kann sich freuen, wenn er Ende 2013 nach dem Abflug von Air Berlin auf jene 1,81 Mio. Passagiere kommt, die im laufenden Jahr gezählt wurden.

Schön gerechnet

Die Realität ist der Feind aller Prognosen, erst recht aller Schönrechnerei. Selbst der Versuch, Billigflieger mit Dumpingtarifen nach Dortmund zu holen, um allein über Masse die Passagierzahlen nach oben und das Defizit von rund 20 Mio. Euro nach unten zu schrauben, ist an der Wirklichkeit zerschellt.

Bemerkenswerterweise hat es hat aber auch gutachterliche Ergebnisse gegeben, die bei der damaligen Flughafenleitung für Kopfschütteln gesorgt haben, weil sie nicht ins Ausbauszenario passten: Selbst für den Fall, dass der Status quo am Flughafen zementiert wird, also weder Betriebszeiten noch Landebahn verlängert würden, lasse sich immer noch ein Wachstum von rund 3,4 Prozent/Jahr erreichen. Das war eine Prognose aus dem Jahr 2007. Sie wurde mit einem Lächeln abgetan. Fakt ist: Die Passagierzahl ist im laufenden Jahr um 3,4 Prozent gestiegen.

 
 

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