Dortmund

Flughafen Dortmund: Enkel will sich von todkranker Oma verabschieden – doch am Gate eskaliert es

Am Flughafen Dortmund kam es zu einer Eskalation. (Symbolbild)
Am Flughafen Dortmund kam es zu einer Eskalation. (Symbolbild)
Foto: imago images / Aviation-Stock

Dortmund. Die Oma von Wolfgang Boris Kruse (21) liegt sterbenskrank in der Ukraine. Der 21-Jährige will das letzte Mal zu der 83-Jährigen, „um sich von ihr zu verabschieden“. Doch am Flughafen Dortmund dann der große Schock. Seine Mutter fällt fast vom Glauben ab, als sie davon erfährt.

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Flughafen Dortmund: Enkel will zu sterbenskranker Oma - am Gate passiert Erschreckendes

Er würde seine Oma vermutlich nie wieder sehen. Also hatte Wolfgang Boris Kruse einen Flug nach Kiew gebucht, um seiner Oma am Sterbebett ein letztes Mal in die Augen sehen zu können. Gemeinsam mit seiner Mutter Iryna Kruse (48) aus Düsseldorf besorgte er die notwendigen Unterlagen, die für eine Einreise in die Ukraine erforderlich sind.

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Mit einem „ganzen Paket an Dokumenten“, so berichtet Iryna Kruse gegenüber DER WESTEN, seien sie „ohne Bedenken“ am 3. September zum Flughafen Dortmund gefahren. Von dort aus sollte ihre Reise nach Kiew erfolgen.

Doch wenig später sei die Diskussion mit einer Flughafen-Mitarbeiterin am Check-in-Schalter losgegangen: Der Flughafen habe dem Sohn die Ausreise verweigert. 30 bis 40 Minuten habe man darüber diskutiert, dann habe die Flughafen-Mitarbeiterin schließlich doch erlaubt, dass Wolfgang Boris mit seiner Mutter zum Gate weitergehe.

Dort sollten sie einen Übersetzer finden, der ihnen die teils ukrainischen Dokumente übersetze. Das sei Iryna auch schnell gelungen und so habe es dann geheißen: „Gut, Ihr fliegt“, erinnert sich die Mutter. Aber zu früh gefreut! Denn plötzlich sei erneut eine Flughafen-Mitarbeiterin gekommen und habe gesagt: „Sie fliegen nicht, Ihre Koffer werden aus dem Flugzeug geladen.“

Flughafen Dortmund: „Wir wollten quasi zur Beerdigung fliegen“

Iryna fiel fast vom Glauben ab. Schließlich würde dies bedeuten, dass sie ihre sterbenskranke Mutter und Wolfgang Boris seine sterbenskranke Oma wahrscheinlich nie wieder sehen würde. „Wir wollten quasi zur Beerdigung fliegen“, so die 48-Jährige, die so wie ihr Sohn deutsche und ukrainische Staatsbürgerin ist, aber nur einen deutschen Pass besitzt.

Deshalb habe man nicht aufgeben wollen und gefordert, einen Verantwortlichen des Flughafens sprechen zu dürfen. Die Antwort sei allerdings bloß gewesen: „Gehen Sie hier weg!“ Daraufhin habe sie angeboten, jegliche Dokumente zu unterschreiben, dass sie keinerlei Ansprüche gegenüber des Flughafens Dortmund stellen würde. Schließlich wollte sie auf eigenes Risiko fliegen.

Und dann habe es plötzlich geheißen, dass nur Iryna fliegen dürfe. Nach dem langen Hin und Her habe die Mutter die Entscheidung getroffen, ohne ihren Sohn ins Flugzeug zu steigen. Denn: „Ich musste fliegen.“ „Komplett aufgelöst und verweint“ und mit der Frage: „Aus welchem Grund darf der Flughafen das entscheiden, wer fliegen darf und wer nicht?“, sei sie schließlich ins Flugzeug gestiegen.

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Eklat am Flughafen Dortmund: Unerwartete Wende im Flieger

Mit dem Gedanken „Die haben meinen Sohn nicht mitgenommen zur schwerkranken Oma“ habe sie im Flieger von ihrem erschreckenden Vorfall erzählt. Die beiden Flugbegleiter „konnten es nicht glauben“, sagt sie, und seien „ohne zu überlegen“ zum Piloten ins Cockpit gegangen. Dort hätten sie von dem Vorfall berichtet. Bei der Mutter kam Hoffnung auf. Denn die Reaktion des Piloten: „Nimm den Sohn!“

Allerdings sei der Zugangsteil zum Flugzeug gerade abgebaut worden. Außerdem habe der Flughafen von dem Piloten verlangt, dass er die Verantwortung für die Flugverspätung übernehme. Aus Irynas Sicht sei allerdings der Flughafen Dortmund durch seine „Ignoranz und Inkompetenz für die entstehende Verspätung verantwortlich“.

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Das ist die Stadt Dortmund:

  • wurde 880 erstmals schriftlich erwähnt (als 'Throtmanni')
  • hat 588.250 Einwohner (Stand: Dezember 2019) und ist damit die neuntgrößte Stadt Deutschlands
  • nach Fläche und Einwohnerzahl die größte Stadt im Ruhrgebiet
  • ist mit Flughafen und Hauptbahnhof wichtiger Verkehrsknotenpunkt
  • der Signal-Iduna-Park (Heimstadion von Borussia Dortmund) ist mit über 81.000 Plätzen das größte Fußballstadion Deutschlands
  • weitere Sehenswürdigkeiten: Westfalenpark, Dortmunder U, Deutsches Fußballmuseum
  • Oberbürgermeister ist Ullrich Sierau (SPD)

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Der Mutter sei schließlich die Befürchtung gekommen, dass der Pilot die Verantwortung nicht übernehmen würde. Doch Wolfgang Boris sei ins Flugzeug gebracht worden, sodass Mutter und Sohn gemeinsam zu der sterbenskranken Oma in die Ukraine geflogen seien.

So erklärt der Flughafen Dortmund den Vorfall

Ihre Ankunft sei - im Gegensatz zu der Ausreise aus Deutschland - problemlos gewesen. Die ukrainische Grenzpolizei habe lediglich nach dem Einreisegrund gefragt, denn vom 28. August bis zum 28. September besteht ein Einreisestopp für Ausländer; ausgenommen sind unter anderem Verwandte ersten Grades von ukrainischen Staatsangehörigen.

Darauf beruft sich auch der Flughafen Dortmund in einem Antwortschreiben an Iryna Kruse, das DER WESTEN vorliegt. Darin heißt es: „Zum Zeitpunkt der Reise durften laut den offiziellen Covid-19-Bestimmungen des Staates Ukraine ausschließlich Ehegatten und Kinder ukrainischer Staatsbürger einreisen.“ Weiter schreiben sie: „Nach diesen aktuellen Bestimmungen haben die Mitarbeiter des Dortmund Airport Sie daraufhin gewiesen, dass ihr Sohn nicht fliegen darf.“ Der Flughafen betont, dass ihre Mitarbeiter „zu keiner Zeit falsch gehandelt haben“.

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Neue Kraft für sterbenskranke Oma

Nachdem die Beamten bei der Einreise in der Ukraine die Dokumente untersucht hätten, seien sie dann endlich zu der schwerkranken Oma gefahren. Sie hätten die 83-Jährige im Bett vorgefunden. Sie hatte zwei Herzinfarkte erlitten und leidet an einer Lungenentzündung. „Sie konnte nicht mal mehr ihre Augen öffnen“, erzählt Iryna mit schwacher Stimme.

Entgegen der Prognose der Ärzte, die der 83-Jährigen nur noch wenige Tage bis zu ihrem Tod gegeben hätten, lebe sie noch heute. Iryna habe gemerkt, dass ihr Besuch sowie der ihres Sohnes Wolfgang Boris der Oma „Kraft“ gegeben habe. Denn sie sagt: „Wenn mein Sohn nicht gekommen wäre, weiß ich nicht, was passiert wäre.“

Vielleicht können sie ihre Mutter und Oma also ja noch mal wiedersehen. Doch für das nächste Mal sagt Iryna: „Ich möchte nicht, dass sich so etwas wiederholt.“ Nur allzu verständlich...

 
 

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