Flughafen-Chef Bunk hält Dortmund für günstigen Standort

Von seinem Sitz auf der Zuschauertribüne des Rathauses hob Markus Bunk  am 18.November 2010 ab, bei der Debatte um die Betriebszeitenerweiterung und den möglichen Ausbau des Dortmunder Flughafens.
Von seinem Sitz auf der Zuschauertribüne des Rathauses hob Markus Bunk am 18.November 2010 ab, bei der Debatte um die Betriebszeitenerweiterung und den möglichen Ausbau des Dortmunder Flughafens.
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund. Welchen und wie viel Aufwind benötigt der Dortmunder Flughafen, um in eine solidere ökonomische Zukunft zu fliegen? Und welchen Entwicklungen müssen sich die Flughafenmanager stellen? Darüber sprach WAZ-Redakteur Michael Kohlstadt mit Markus Bunk, dem Geschäftsführer der städtischen Flughafen Dortmund GmbH.

Woher sollen all die Fluggäste kommen, die dem Dortmunder Flughafen Flügel verleihen sollen?

Markus Bunk: Heute starten und landen an deutschen Flughäfen rund 190 Millionen Passagiere. Bis 2025 erwartet die Branche, dass diese Zahl auf 300 Millionen steigt, so die Prognosen seriöser Gutachter. Von dieser Steigerung wird auch Dortmund profitieren. 70 bis 80 Mio der zusätzlichen Passagiere werden auf die deutschen Drehkreuze gehen. Frankfurt und München haben da sicher noch Potenzial. Doch der neue Großflughafen in Berlin arbeitet schon nahezu an der Kapazitätsgrenze, bevor er überhaupt an den Start geht. Und Düsseldorf schafft vielleicht noch fünf Millionen zusätzlich. Der Rest geht entweder an kleinere Flughäfen wie Dortmund - oder an Deutschland vorbei.

Wird Dortmund also so etwas wie das Überlaufrohr der Düsseldorfer?

Bunk: In Düsseldorf ist das Ende der Fahnenstange schon in Sichtweite. Der größte Flughafen im größten deutschen Ballungsraum dürfte bald seine Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Und es liegt ja nahe, dass wir am anderen Ende der Metropolregion einen Teil abschöpfen können. Dafür haben wir einen im Vergleich günstigen Standort.

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Bunk: Fliegen wird in Zukunft teurer werden. Man merkt es schon. Die Preise ziehen an. Auch die Low-Cost-Carrier nähern sich der Sättigungslinie. Und das muss auch so sein. Ich hoffe, dass die Flughäfen davon irgendwann etwas abbekommen. Derzeit sanieren sich die Airlines damit allerdings erstmal selbst.

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt hat vor kurzem scharf gegen seine Konkurrenz aus Dortmund geschossen und ihnen - in unserer Zeitung - Preis-Dumping vorgeworfen. Zu recht?

Bunk: Zunächst: Unsere Preise, die wir von den Fluggesellschaften verlangen, damit sie bei uns starten und landen, können nicht den gesamten Aufwand für die Infrastruktur decken. Sonst würden wir ja Gewinne machen. Wir orientieren uns aber daran, welche Preise der Markt bereit ist zu zahlen. Paderborn verfolgt ein anderes Geschäftsmodell. Dort brechen aber nun gerade die Flugverbindungen und damit die Passagierzahlen weg. Außerdem hat man sich in Paderborn sehr von einer einzigen Fluggesellschaft abhängig gemacht. Strauchelt Air Berlin, dann strauchelt auch Paderborn. Wir sind da deutlich breiter aufgestellt. 80 Prozent unserer Verkehre verteilen sich auf vier Fluggesellschaften, von der - zugegeben - Wizz Air mit 43 % die deutlich größte ist.

Sie sehen den Flughafen also gut aufgestellt im Wettbewerb?

Bunk: In diesem Jahr werden wir am Ende auf gut 1,8 Millionen Passagiere kommen. Das ist eine Steigerung von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegen wir unter den kleineren Flughäfen bis fünf Millionen Fluggäste auf einer Spitzenposition. Größere Steigerungsraten haben nur noch die Großflughäfen. Verändert sich unsere Betriebszeit zum Positiven, wird sich auch unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter stabilisieren.

Wie viel Sorgen macht Ihnen eigentlich das schwelende Prüfverfahren der EU? Die Frage, ob Dortmund zu Unrecht Beihilfen und Quersubventionen durch die Stadtwerke erhält, schwebt ja seit Jahren wie ein Damoklesschwert über Wickede.

Bunk: Ich bin seit drei Jahren hier und habe in dieser Zeit erst ein einziges Mal persönlich Kontakt mit der EU-Kommission gehabt. Einen Hinweis, wohin die Reise geht, hat man uns bisher nicht gegeben. Ich rechne mit einer Entscheidung im nächsten Sommer. Aber ich bleibe gelassen: Die EU prüft viele Flughäfen. Es gibt kein Beispiel dafür, dass ein Flughafen dabei jemals aufs Abstellgleis geschoben wurde.

2012 könnte also das Jahr der Entscheidungen für Wickede werden. Die Bezirksregierung in Münster will ja auch bald über die Betriebszeitenverlängerung befinden.

Bunk: Wir rechnen im Sommer damit. Gerade sind wir dabei, unsere Stellungnahmen zu den uns anonym von der Bezirksregierung zur Verfügung gestellten Einwänden gegen die Betriebszeitenverlängerung zu erarbeiten. Dieser Prozess wird spätestens Anfang des nächsten Jahres abgeschlossen sein. Die Papiere gehen dann der Bezirksregierung zur Prüfung zu. Danach wird Münster wohl entscheiden. Geschieht das rechtzeitig, können unsere Fluggesellschaften die neuen Betriebszeiten spätestens zum Sommerflugplan 2013 berücksichtigen.

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