Flüchtlingskinder: Land will keine Auffangklassen mehr

Zugewanderte Kinder so schnell wie möglich in den Schulalltag integrieren - das klingt wünschenswert. Bislang werden sie zunächst in sogenannten Auffangklassen betreut, in denen sie die deutsche Sprache lernen. Diese Klassen will das Land NRW in Zukunft vermeiden, wie aus einem Beschluss hervorgeht. Die Dortmunder Schuldezernentin reagiert irritiert.

Dortmund. Irritationen in der Schulverwaltung: Dezernentin Daniela Schneckenburger fürchtet, das Land will weiteren Auffangklassen für zugewanderte Kinder und Jugendliche den Riegel vorschieben. "Ohne Auffangklassen geht es nicht", schüttelt Schneckenburger den Kopf.

Stein des Anstoßes ist der Erlass aus dem NRW-Schulministerium vom 28. Juni. "Klassenbildungen mit ausschließlich neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern sollen vermieden werden", heißt es unter Punkt 2.1. Mit dieser Formulierung wolle man lediglich ausdrücken, "dass zugewanderte Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich in den Regelunterricht integriert werden", sagt Ministeriums-Sprecherin Barbara Löcherbach auf Anfrage.

Eher Sprachfördergruppen

"Wünschenswert wäre sogar, von Anfang an." Ohnehin sei der Begriff Auffangklasse verwirrend, sagt Löcherbach. Der Begriff erwecke den Eindruck, es handele sich um übliche Schulklassen, deren Verbund über Jahre zusammenbleibe. "Sprachfördergruppen wäre treffender."

Bei den Unterrichtszielen stimmt Grünen-Dezernentin Schneckenburger mit dem Grün geführten Schulministerium in Düsseldorf überein. "Auch wir wollen, das zugewanderte Kinder und Jugendliche aus Syrien, Irak und Afghanistan so schnell wie möglich in den Regelunterricht kommen", sagt Schneckenburger.

350 Kinder in der Warteschleife

Strittig ist aber der Weg. Am Instrument der Auffangklassen werde man nicht vorbeikommen, stellt die Dezernentin klar. Im Gegenteil: Zurzeit werden 3465 Kinder und Jugendliche für maximal zwei Jahre in 189 Auffangklassen unterrichtet. Gleichzeitig hängen weitere rund 350 Kinder in der Warteschleife und haben gar keinen Schulunterricht - in der Hochphase der Flüchtlingswelle waren es zwischenzeitlich sogar rund 800.

Mit anderen Worten: Das Schuldezernat will die Klassen keineswegs zurückfahren. Ganz im Gegenteil: Künftig sollen weitere hinzukommen. "Sie sind unerlässlich für das Erlernen der Sprache", sagt Schneckenburger. Und: "Auffangklassen sind für uns eine gute Möglichkeit, den Bildungsstand der Kinder einzuschätzen." Eine sofortige Anmeldung für den Regelunterricht sei schulorganisatorisch gar nicht hinzubekommen. Sie, Schneckenburger, erwarte, dass das Land diese Sicht teile und sich "erste Hinweise für eine restriktive Genehmigungspraxis nicht bewahrheiten." Alles andere würde die Stadt vor große Probleme stellen.

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