Flüchtlinge verschwinden auf dem Weg nach Dortmund

Die Flüchtlinge sollten zur Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Dortmund fahren.
Die Flüchtlinge sollten zur Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Dortmund fahren.
Foto: Franz Luthe
Erst wurden sie aus einem Container in Eschweiler gerettet, dann setzte die Bundespolizei sie in einen Zug nach Dortmund: Elf Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Iran sind auf dem Weg zur Asylbewerber-Erstaufnahme verschwunden. Über ihren Verbleib gibt es nur Vermutungen.

Dortmund. Elf Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Iran sind auf dem Weg zur Asylbewerber-Erstaufnahmestelle in Dortmund-Hacheney verschwunden.

Zuvor hatte die Bundespolizei in Eschweiler bei Aachen die Flüchtlinge in einem zwei Grad kalten Kühlcontainer gefunden: Nachdem die Luft in dem hermetisch abgedichteten Container knapp wurde, hatten die Flüchtlinge per Notruf selbst die Behörden gerufen.

Kritik von Amnesty International

Bei der medizinischen Untersuchung wurden keine Verletzungen festgestellt. Daher gab die Polizei den Flüchtlingen die Adresse der Erstaufnahmestelle und brachte sie zum Hauptbahnhof Aachen, wo sie einen Zug nach Dortmund bestiegen.

Seitdem sind sie verschwunden: „Sie sind immer noch nicht in Hacheney angekommen“, sagt der Dortmunder Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch.

Amnesty International kritisiert das Vorgehen der Behörden: „Diese Menschen mussten sich einem Schlepper anvertrauen, wurden in einen Container gesteckt“, sagt Ingeborg Heck-Böckler, die Aachener Vorsitzende von Amnesty International in NRW. „Dann befreit man sie und drückt ihnen ein Ticket in die Hand ohne zu wissen, ob sie überhaupt verstanden haben, worum es geht.“

Sozialarbeiter vor Ort

Laut Innenministerium hat die Bundespolizei richtig gehandelt, als sie die Flüchtlinge in die nächste Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet hat – das Asylverfahrensgesetzt sieht genau das vor. Nachdem der Gesundheitszustand überprüft wird, gibt es keine rechtliche Handhabe, die Menschen weiter festzuhalten.

Heck-Böckler fordert daher auch keine betreute Zwangsüberweisung, sondern eine Direktbetreuung durch Sozialarbeiter. Stadtsprecher Skupsch betont allerdings, dass Sozialarbeiter in der Erstaufnahmestelle gewartet hätten – die Flüchtlinge seien nur eben nie angekommen.

Das Ziel der Flüchtlinge

Wo sind die Flüchtlinge nun hin? Sie hatten gegenüber der Bundespolizei angegeben, nach England zu wollen. Dafür spricht auch, dass ihre Schleuser sie in Dünkirchen in den Container geschmuggelt hatten: LKW in Dünkirchen reisen häufig nach England weiter. In diesem Fall hatte der Fahrer allerdings nur zum Tanken angehalten und war dann nach Eschweiler gefahren.

Die Vermutung der Behörden ist daher: Die Flüchtlinge, wo auch immer sie jetzt sind, werden weiter versuchen, nach England zu gelangen – wo sie wahrscheinlich Freunde oder Verwandte haben.

 
 

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