Fan-Projekt des BVB weiß, "mit Verwirrten umzugehen“

Gerald Nill
Foto: Knut Vahlensieck
„Die Fans werden immer jünger, schneller, kreativer und sie machen Mist auf hohem Niveau.“ Mit diesen Worten macht Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund die aktuellen Herausforderungen deutlich. Das Fan-Projekt blickte an diesem Tag auf 25 Jahre Arbeit für eine friedliche Fußball-Fankultur zurück.

Dortmund. Wie sich die Arbeit von der ersten Stunde entwickelte, umriss Rolf-Arnd Marewski. 1987 war die Borussenfront die gesellschaftliche Herausforderung. Sie sorgte mit Gewalt-Exzessen am Rande des Spielfelds für die ungewollten Schlagzeilen. „Das war vier Jahre lang ein reines Hooligan-Projekt“, so Marewski. Das sei harte Arbeit mit den gewaltbereiten „Fans“ gewesen, blickte er zurück. Letztlich sei das Fan-Projekt erfolgreich gewesen.

„Wir haben versucht, die Leute zu integrieren, sie privat zu unterstützen und zu stabilisieren“, berichtete Marewski über die stark persönlich geprägte Anfangszeit. Erst nach vier Jahren sei das Hooligan-Projekt zum eigentlichen Fan-Projekt gereift, das dann seinen Schwerpunkt bei der Prävention sah, um exzessive Auswüchse rund um die Fußballstadien erst gar nicht entstehen zu lassen.

Dortmund lernte von anderen Städten

Andere Städte übernahmen die Idee des Fan-Projekts. Auch Dortmund lernte von anderen. Wie zum Beispiel von Leeds, das ein Bildungsangebot im Stadion entwickelte, um Schulabbrecher aufzufangen. In Leeds ist die Initiative inzwischen wieder eingeschlafen, wie die Vorsitzende des Fanprojekts Dortmund, Pastorin Susanne Haensel gestern bedauerte. Aber in Dortmund laufe die Sache noch, wobei das Stadion, der „Tempel“, als Magnet für Jugendliche ziehe, die sonst kaum noch von Bildungsangeboten angesprochen werden könnten.

Heute sei die Sozialarbeit im Dunstkreis des BVB nicht mehr wegzudenken, befand auch der ehemalige Leiter des Jugendamtes, Klaus Kohts, einer der Gründungsväter des Fanprojekts.

Reaktion als Chance nutzen

Auf die aktuellen rechtsextremen Vorkommnisse im Stadion angesprochen, reagierte Rolf Arnd Marewski: „Wir sind nicht der Lösungsansatz für alle Probleme in Dortmund. Aber wir wissen, mit Verwirrten umzugehen.

„Junge Leute versuchen, das Stadion als ihre Bühne zu nutzen“, ergänzt Thilo Danielsmeyer. Das sei auch bei den rechten Fangruppen so. Er erkenne aber zufrieden, wieviele Leute sofort etwas gegen rechte Hetze im Stadion unternehme. „Als da dieses kleine Plakat rechts oben hochgehalten wurde, gab es gleich eine Flut von empörten SMS“, berichtet er. Man müsse diese Reaktion auch als Chance nutzen. Marewski rät zur „differenzierten Betrachtung“.

Projekt hat sich selbst verjüngt

Das Fan-Projekt hat sich auch selbst verjüngt. Mit Tina Meidenstein und Davud Mohammed werden die jüngsten Fans angesprochen und zum Beispiel bei Auswärtsspielen betreut. Unter dem Motto „Ohne Nikotin und Alkohol, aber mit viel Programm und Spaß ermögliche das Fan-Projekt bereits Minderjährigen einen „sanften Einstieg in die Fanszene“.

Die Streettour des Fan-Projekts hat bundesweit Nachahmer gefunden. Das mobile, sportpädagogische Angebot in Vororten kommt gut an. Mit diesen Projekten will das Fan-Projekt auch den offensichtlich rassistischen Tendenzen in der Gesellschaft begegnen.