Essen wildert in Dortmund

Im Weltmaßstab ist der Gas- an den Ölpreis gekoppelt. Doch im Kampf um Kunden gelten noch andere Regeln. Wer der heimischen DEW Marktanteile abknöpfen will, muss schon Tiefstpreise bieten.       Foto: Hamberger/ddp
Im Weltmaßstab ist der Gas- an den Ölpreis gekoppelt. Doch im Kampf um Kunden gelten noch andere Regeln. Wer der heimischen DEW Marktanteile abknöpfen will, muss schon Tiefstpreise bieten. Foto: Hamberger/ddp
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Dortmund.. Nach den Düsseldorfern und Kölnern (Rhein-Energie) wildern nun auch die Stadtwerke Essen auf unserem Gasmarkt.

Seit 1. November bietet der Versorger der zweitgrößten Revierstadt in Dortmund „Klarol-Erdgas” an - und steigert den Druck, dem die heimische Energie- und Wasserversorgung schon seit einiger Zeit ausgesetzt ist. Wann schlägt die DEW endlich zurück?

Fast 50 Wettbewerbern, darunter immer mehr Stadtwerke, muss sich die DEW inzwischen erwehren. Und sie leistet sich immer noch, nicht über die Stadtgrenzen hinaus zu expandieren, um in den Stammrevieren aggressiver Wettbewerber Kunden zu akquirieren und die Verluste vor Ort wett zu machen.

Kürzlich startete die Mainova AG, hinter der die Stadtwerke Frankfurt/Main stehen, eine breite Werbeoffensive um Kunden in Dortmund. Dortmund aber ist - noch - die einzige deutsche Großstadt, die im eigenen Revier bleibt und sich von vielen Jägern in die Enge treiben lässt.

Kurz nach seinem Antritt als neuer Sprecher der Geschäftsführung der DEW im Januar 2010 hatte Dr. Frank Brinkmann angekündigt, dass die DEW die vornehme Zurückhaltung aufzugeben plane.

Mitte 2010 goss Brinkmann das Problem in Zahlen: Um rund zehn Prozent war der Erdgasabsatz schon in 2009 abgeschmolzen. Das lag zwar auch an der milden Witterung. Aber nicht in erster Linie, wie Branchenkenner wissen.

Problem erkannt, also. Doch die Drückerkolonnen fremder Versorger klingeln weiterhin fleißig und „ungestraft“ an Dortmunder Haustüren. Auch der Versorger RheinEnergie - das Unternehmen, in dem Brinkmann zuvor in leitender Position zum Sturm auf die nachbarschaftliche Märkte geblasen hatte - gab druckvoll Gas, um in der Westfalenmetropole auf Kundenfang zu gehen.

Dabei hatte der DEW-Chef schon im Frühjahr von seinem Aufsichtsrat - Vorsitznder: DSW-Chef Guntram Pehlke - grünes Licht bekommen, um gleich drei neue Gesellschaften gründen zu können.

Eine vomn denen war speziell dafür gedacht, eine Markenoffensive für Gas, Strom und Wärme-Contracting (Rundum-Service) in Angriff nehmen. Der Plan, bereits in diesem Herbst mit der neuen Marke die Aufholjagd im Wettbewerb zu starten, wurde nicht umgesetzt. Nun soll Anfang 2011 das Halali geblasen werden. „Wenn andere bei uns grasen, warum sollen wir dann nicht auch woanders grasen”, so der DEW-Chef.

Bis zum Dienstantritt Brinkmanns bremste der Paragraph 107 der NRW-Gemeindeordnung. Der setzte ganz enge Grenzen für die „wirtschaftliche Betätigung außerhalb des Gemeindegebiets“. Doch die neuen Richtlinien, die die FDP durchgesetzt hatte, legten die fünf Regierungspräsidenten in NRW durchaus unterschiedlich aus. Helmut Diegel zum Beispiel, der bis August in Arnsberg im Amt war, hielt die Zügel offenbar straff.

Von Nachfolger Bollermann sei kein Störfeuer mehr zu erwarten, so die DEW. Das Ja aus Arnsberg erwartet man bis Ende des Jahres.

Allein mit der Werbekampagne „Lokalpatrioten“ versuchen die DEW-Marketing-Spezialisten bislang, dem Druck der keineswegs nur privaten Konkurrenz zu trotzen und die Bürger davon zu überzeugen, dass eine starke DEW dafür sorgt, dass Arbeitsplätze vor Ort einen Mehrwert bieten, den die Kunden retten können, indem sie „ihrem“ städtischen Versorger die Treue halten.

Ein weiterer Versuch, Gaskunden an die DEW zu binden, wurde mit dem Festpreisangebot für Gas in diesem Sommer gestartet. Bisher scheint das Konzept aufzugehen. Die Zahl der Wechsler bewege sich im einstelligen Prozentbereich, sagte DEW-Chef Dr. Frank Brinkmann unserer Zeitung. Allerdings sei damit zu rechnen, dass der Anteil mittelfristig auf über zehn Prozent springe.

 
 

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