Erst Ticket ziehen, dann zum Straßenstrich

Christina Römer
Straßenstrich an der Ravensberger Straße. Foto: Knut Vahlensieck
Straßenstrich an der Ravensberger Straße. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Sechs Euro am Tag müssen die Prostituierten an die Stadtkasse zahlen. Seit gestern geht die Entrichtung der Sexsteuer auch in Form eines Tagestickets, das die Frauen bei Kontrollen vorzeigen müssen. „Die meisten, mit denen wir gestern gesprochen haben, hatten eins“, weiß Christina Stodt von der Kommunikations- und Beratungsstelle für Prostituierte (Kober). „Begeistert sind sie nicht, aber sie sind bereit, das Geld zu zahlen“, so der Eindruck der Sozialarbeiterin.

Ob sie dieses Geld wiederum an ihre Kunden weiter gäben, bezweifelt Stodt. „Wir wissen sehr wenig über die Preise, aber in so einem Fall müssen ja alle mitmachen“, meint Christina Stodt. Denn nicht das Einkommen der Prostituierten soll besteuert werden, sondern die sexuelle Handlung. „Deshalb kann man das Geld auf die Gäste umlegen“, erklärt Georg Bollmann, stellvertretender Leiter der Stadtkasse.

Für die Eintreibung der Sexsteuer, die zum 1. August eingeführt worden war, haben sich die Mitarbeiter des Steueramtes zwei Möglichkeiten überlegt. Zum einen können sich die Betroffenen beim Amt melden, registrieren lassen, und bekommen dann einen Ausweis, den sie bei Kontrollen vorzeigen können. Jeden Monat sind sie dann verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

Zum anderen gibt es seit gestern die Möglichkeit, im Club Escort ein Tagesticket zu kaufen. Das Geld wird an die Stadtkasse weitergeleitet. „Wir sind damit auf die Wünsche der Betroffenen eingegangen“, meint Bollmann.

Die Schwellenangst bei einem Behördengang sei sehr hoch und viele der Damen hätten sprachliche Probleme. „Das Tagesticket ist einfach anonymer“, meint auch Christina Stodt.

In fünf Sprachen hängen die Informationen über die Sexsteuer im Club Escort. Außerdem hat es im Vorfeld Informationsveranstaltungen gegeben, „die rege besucht waren“, so Stodt.

Zwischen 600 und 800 Prostituierte gebe es in Dortmund, schätzt Bollmann. Mit dem Geld soll die allgemeine Finanzlage der Stadt verbessert werden. Außerdem werden Sex-Clubs und entsprechende Lokale besteuert – von denen es etwa zwischen 30 und 40 gibt, schätzt Bollmann: „Das ist problemlos angelaufen.“