Ersatz-Pass abgelehnt – Ryanair verweigert Zehnjähriger Flug

Katrin Figge
Dass bei Ryanair gültige Papiere abgelehnt wurden, war nicht das erste Mal.
Dass bei Ryanair gültige Papiere abgelehnt wurden, war nicht das erste Mal.
Foto: Ralf Rottmann / WAZ FotoPool
Es sind gültige Papiere – aber Ryanair akzeptiert sie nicht: Die Airline verweigert einer Schülerin den Flug mit den Großeltern. Nicht zum ersten Mal.

Dortmund. Zwei Wochen Malaga – ein Traum! Aber dieses Sommermärchen beginnt holprig: Beim Check-In am Flughafen Dortmund erkannte Ryanair die gültigen Ersatzpapiere einer Schülerin nicht an. Alicia (10) war mit ihren Großeltern (77 und 82 Jahre) unterwegs.

Bundespolizei konnte Mitarbeiterin nicht umstimmen

Auf der Fahrt von Bayern nach NRW war Alicias Vater Ralf Pawelzik siedendheiß eingefallen: Der brandneue Personalausweis liegt zuhause in der Küche! Sofort rief er bei der Bundespolizei am Flughafen an. Die Beamten versicherten ihm: Gar kein Problem – ein Ersatzausweis ist schnell gemacht.

Dann der Schock. Die Ryanair-Mitarbeiterin am Check-In akzeptierte die Papiere nicht. Die Großeltern diskutierten, holten die Bundespolizei zur Hilfe, riefen Vater Ralf in Bayern an, ließen sich Fotos des Originalausweises schicken – aber nichts half.

Dabei sind „Reiseausweise als Passersatz“ (RAP) uneingeschränkt gültig und legal, erklärt Bundespolizist Jörg Köbel. Er und seine Kollegen am Dortmunder Flughafen stellen täglich mehrfach solche Papiere aus – natürlich nach eingehender Prüfung. Innerhalb Europas darf man damit jede Grenze passieren.

Andere Airlines akzeptieren die Ersatzpapiere

Alle anderen Fluggesellschaften, die ab Dortmund fliegen, akzeptieren diese Ersatzpapiere, weiß Köbel. Aber diese Luftbeförderungsbedingungen (in anderen Branchen heißen sie Allgemeine Geschäftsbedingungen) stellt nun mal die Fluggesellschaft. Die Fluggäste müssen das schlucken – oder am Boden bleiben.

Allerdings sind die Ryanair-AGB besonders scharf, erklärt Bundespolizist Köbel. Er und Alicias Vater mutmaßen: Damit verstößt Ryanair gegen geltendes EU-Reiserecht.

Während andere Airlines die Ersatzpapiere annehmen, will die irische Billig-Linie dazu noch einen Original-Ausweis. Das erklärte das Unternehmen auf Anfrage. Heißt: Ersatzpapiere für einen abgelaufenen Ausweis werden akzeptiert, weil der Kunde dann den alten Ausweis auch noch dabei hat. Aber als Ersatz für vergessene Papiere reicht der Not-Pass nicht.

82-Jähriger flog alleine nach Malaga

Natürlich flossen auch Tränen. Alicia war tieftraurig, weil sie zuhause bleiben musste. Ihr Opa flog alleine vor. Enkelin und Oma konnten am Flughafen noch umbuchen. Sie fliegen am Samstag nach – mit vier Tagen Verzögerung. Von Dortmund aus mussten die beiden (mit dem Schock in den Knochen) allein per Zug zurück in die Wohnung der Großeltern nach Wuppertal. Zusatzkosten für Umbuchungsgebühr, höheren Ticketpreis und Bahnfahrt: ca. 250 Euro.

Hier noch die Original-Antwort der Ryanair-Pressestelle:

"Wir haben die Angelegenheit mit unserem Handling Agenten vor Ort geprüft und möchten uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen. Alle Kunden, die mit einem Reiseausweis als Passersatz (RAP) reisen möchten, müssen jedoch zusätzlich einen Ausweis mit Foto (Personalausweis oder abgelaufenen Reisepass) vorzeigen, damit die Mitarbeiter am Check-in die notwendigen Identifikationsprüfungen vornehmen können. Wir akzeptieren keine Fotokopien oder Bilder dieser Dokumente." (Robin Kiely, Head of Communications von Ryanair)