Erneuter Sextäter aus Dortmund kommt in U-Haft

Dortmund.. Der aus der Sicherungsverwahrung entlassene Sexualstraftäter, der in Dortmund ein 7-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben soll, kommt in Untersuchungshaft. Gegen den 49-jährigen Mann wurde am Freitag Haftbefehl erlassen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. Er hatte die Tat bereits nach seiner Festnahme eingeräumt.

Der sexuelle Missbrauch des 7-jährigen Kindes hatte sich bereits am 26. Januar in der Dortmunder Innenstadt ereignet, konnte aber erst jetzt anhand der DNA-Spuren nachgewiesen werden. Dabei hatte der 49-jährige Tatverdächtige die Siebenjährige in eine Tiefgarage gelockt und soll sich dort an ihr vergangen haben. Der einschlägig vorbestrafte Mann ist geständig und wurde am Freitag dem Haftrichter vorgeführt. Der ordnete Untersuchungshaft an. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dortmund wurde an dem Kind Speichel sichergestellt, allerdings sei der Mann nicht gewalttätig gegen das Kind geworden.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangte unterdessen die schnelle erneute Unterbringung gefährlicher Täter. Die Polizei könne diese Personen nicht dauerhaft beobachten und weitere Taten in allen Fällen verhindern, sagte íhr Bundesvorsitzender Rainer Wendt.

Die Polizeigewerkschaft forderte zudem ein rasches Handeln der Bundesländer. Die Länder seien in der Pflicht, die neue Gesetzeslage, die die erneute Unterbringung psychisch gestörter Täter zulasse, rasch umzusetzen, erklärte Wendt. Schon aufgrund ihrer Personalsituation sei die Polizei nicht in der Lage, aus der Sicherungsverwahrung entlassene Täter dauerhaft zu bewachen. „Die schlimmsten Szenarien, die wir uns vorgestellt haben, nachdem die ersten Täter auf freien Fuß gesetzt wurden, haben sich nun tatsächlich eingestellt“, meinte Wendt.

Dortmunder Behörden verteidigen Vorgehen

Da das Kind leider nicht in der Lage gewesen sei, den Täter verlässlich zu beschreiben und zudem den Tathergang in verschiedenen Versionen schilderte, hätten auch Ermittlungen der Dortmunder Polizei zunächst nicht zur Ermittlung eines Tatverdächtigen geführt. "Kindliche Zeugen, zumal nach traumatischen Erlebnissen, können die sie belastenden Ereignisse leider nicht immer so genau wiedergeben, dass die Ermittlungen erfolgreich zu Ende gebracht werden können", betonen Kriminalrat Christian Voßkühler und die Oberstaatsanwältin Frau Dr. Ina Holznagel in einer Stellungnahme am Freitag.

Besonders bei Straftaten mit sexuellem Hintergrund suche die Polizei deshalb intensiv nach Fremdspuren. Auch in diesem Fall wurde eine Spurensicherung an dem Kind vorgenommen. Die Auswertung der gesicherten Proben habe dann am 14. Juli beim Landeskriminalamt zu einem DNA-Treffer geführt. Eine Speichel-Spur führte zu dem 49-jährigen Mann, der nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus der Sicherheitsverwahrung entlassen worden war und der im September 2010 in Dortmunds Nordstadt seinen Wohnsitz genommen hatte.

Dortmunder Behörden verteidigen Vorgehen

Seit seiner Entlassung habe der Mann bis Dezember 2010 unter ständiger Überwachung der Polizei gestanden. Der 49-Jährige hat eine längere kriminelle Vorgeschichte. Die Sicherungsverwahrung wurde durch ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 26. Oktober 1992 wegen des sexuellen Übergriffs auf Kinder angeordnet und bis zum 16. September 2010 vollzogen. Durch die Polizei und die Führungsaufsicht wurde vor diesem Hintergrund ein "angepasstes Überwachungskonzept auf Grundlage des Polizeigesetzes NRW erarbeitet und bis zu der Festnahme des Probanden am 14.07.2011 umgesetzt", wie es in einer Mitteilung hieß. Bis Mitte Dezember erfolgte eine engmaschige Überwachung "rund um die Uhr", die bis zum Jahreswechsel stufenweise angepasst worden sei. Über die weiteren Einzelheiten der polizeitaktischen Maßnahmen müsse mit Rücksicht auf zukünftige Fälle Stillschweigen bewahrt werden.

Der Umgang mit dem "Probanden", wie der 49-Jährige in der Stellungnahme genannt wird, sei im gesamten Zeitraum konfliktfrei gewesen. Er habe sich während der gesamten Zeitspanne bis zu seiner Festnahme kooperativ verhalten und hielt sich laut Behörden-Angaben an die Anweisungen der Führungsaufsicht und der Polizei. Er habe z.B. von sich aus anstehende Reisen oder Fahrten zu Arbeitsstellen selbstständig mitgeteilt. Weiter heißt es, dass er eine feste Beziehung aufgenommen habe, sich freiwillig einer psychologischen Behandlung unterzogen und den Anschein erweckt habe, seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft ernsthaft anzustreben. So sei ein positiver Gesamteindruck des Mannes entstanden.

Positive Bewertungen

In zeitlichen Abständen seien Fallkonferenzen einberufen worden, an der die Mitarbeiter der Führungsaufsicht des Landgerichts Dortmund, Vertreter des LKA NRW und Vertreter der Polizei Dortmund teilgenommen haben sollen. Auch die durchweg positiven Bewertungen des behandelnden Psychologen seien ständig in Fallkonferenzen mit eingeflossen.

Dies sei die Grundlage für die Entscheidung gewesen, die Überwachungsmaßnahmen im Einvernehmen mit allen beteiligten Institutionen zu lockern bzw. anzupassen. "Ich bin zutiefst erschüttert, bis gestern Abend galt der Mann in unseren Augen als kooperativ und vertrauenswürdig", meinte Kriminalrat Voßkühler.

Positive Bewertungen

Nach Bekanntwerden der Ergebnisse der DNA-Untersuchungen wurde der Tatverdächtige sofort festgenommen. Er räumte dabei die Tat ein. Der Haftrichter ordnete am 15. Juli die Untersuchungshaft wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes an. Die Staatsanwaltschaft Dortmund habe im Hinblick auf das bevorstehende neue Gerichtsverfahren bereits eine Begutachtung des Beschuldigten in Auftrag gegeben. Die Ermittler des Fachkommissariats prüfen, ob der Beschuldigte für weitere verdächtige Kontakte von Unbekannten mit Kindern in Dortmund in Frage kommt.

Im Hinblick auf die Zukunft sei darüber hinaus jeder Einzelfall zu prüfen und individuell neu zu beurteilen. Die dann zu treffenden Maßnahmen seien mit allen beteiligten Institutionen auf den jeweiligen Probanden, seiner Vita und seiner kriminelle Karriere abzustimmen und konsequent im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen Möglichkeiten, durchzuführen.

 
 

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