Erneut Unsicherheit um Trinkraum in der Dortmunder Nordstadt

Das Café Berta in der Dortmunder Nordstadt. Hier finden Trinker einen Rückzugsraum.
Das Café Berta in der Dortmunder Nordstadt. Hier finden Trinker einen Rückzugsraum.
Foto: Archiv
Das Café Berta, Trinkraum in der Dortmunder Nordstadt, steht einmal mehr vor dem möglichen Aus. Doch ganz entschieden ist das noch nicht.

Dortmund.. Lange war es ruhig ums Café Berta. Das politische Gezänk zwischen CDU und Grünen als Befürworter und der SPD als Gegner der Einrichtung schien ausgestanden. Spätestens, als die CDU bei den Haushaltsberatungen 2015 beantragte, das Café Berta finanziell abzusichern und es ein für allemal von städtischen Sparlisten zu verbannen. So kam es auch: Der Finanzausschuss des Rates stimmte dem Vorstoß gegen die Stimmen der SPD zu. Jetzt gibt es neue Irritationen.

Ordnungsdezernentin Diane Jägers hatte dem Ausschuss für Bürgerdienste und öffentliche Ordnung im September hinter verschlossenen Türen eröffnet, der private Hauseigentümer wolle den Mietvertrag mit der Stadt zum "schnellstmöglichen Zeitpunkt" beenden. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate, ungekündigt verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr. Würde der Immobilieneigentümer ernst machen, muss sein Schreiben spätestens Ende Februar bei der Stadt liegen.

Lage drumherum "ruhig und unauffällig"

In dem Fall müssen die Räumlichkeiten der früheren Gaststätte "Gypsy" Ende Mai 2017 geräumt sein. Als Grund für die beabsichtigte Kündigung habe der Eigentümer angegeben, die Klientel im und am Café Berta schrecke potenzielle Mieter ab, berichtete Dezernentin Jägers den Politikern im Ausschuss.

Dabei sei die Lage "ruhig und unauffällig". Weder der Eigentümer noch der Betreiber European Homecare sei wegen irgendwelcher Beschwerden an die Stadt herangetreten. Die Politik war aufgeschreckt - eine erneute Standortdiskussion ums Café Berta will keiner. Also gab der Ausschuss der Dezernentin auf, sie möge sich "intensiv um die Verlängerung des Mietvertrages bemühen". Oder die Verwaltung möge eben doch eine Alternative suchen.

Derzeit keine Kündigung

Inzwischen scheint eine Hängepartie daraus geworden zu sein. Selbst Thomas Thanscheidt, Leiter des Caf Berta, tappt im Dunkeln. "Wir wissen bis heute nicht, ob der Mietvertrag nun gekündigt wird oder nicht." Auch in der jüngsten Sitzung des Bürgerausschusses ist die Politik nicht schlauer geworden. Zwar konnte Jägers vermelden, dass "derzeit noch keine Kündigung" vorliegt. Entwarnung aber gab sie nicht.

"Im Gegenteil", sagt einer, der die Diskussion verfolgt hat. "Wir hatten den Eindruck, die Verwaltung bemühe sich bereits um eine Ersatzlösung." Inzwischen kursierten sogar Gerüchte, der Eigentümer wolle seine Immobilie veräußern. Das klingt merkwürdig. Denn auf zweimalige Anfrage unserer Zeitung erklärte Hauseigentümer Ferid Balic, das sei "alles Quatsch." Er wolle die Immobilie nicht verkaufen. Und inzwischen habe man sich auch entschieden, den Mietvertrag nicht zu kündigen. "Der Vertrag bleibt, wie er ist."

Das sei auch vor Kurzem mit der Stadt so besprochen worden. Dirk Goosmann, ordnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, zeigt sich verwundert. "Das ist neu für mich", so Goosmann auf Anfrage. "Wir wüssten jetzt langsam gern, woran wir mit der Einrichtung sind. So oder so."

Die von der Stadt getragene Kaltmiete beträgt 1500 Euro/Monat, die Betriebskosten belaufen sich 2016 auf rund 140.000 Euro.

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