Erinnerungen an fast vergessene Opfer rechter Gewalt in Dortmund

In der Petrikirche ist bis zum 28. Januar die Ausstellung "Opfer rechter Gewalt" zu sehen. Zu den Opfern gehören auch die ermordeten Polizeibeamten Matthias Larisch von Woltowitz, Yvonne Hachtkemper und Thomas Goretzki (v.l.). Foto: Franz Luthe
In der Petrikirche ist bis zum 28. Januar die Ausstellung "Opfer rechter Gewalt" zu sehen. Zu den Opfern gehören auch die ermordeten Polizeibeamten Matthias Larisch von Woltowitz, Yvonne Hachtkemper und Thomas Goretzki (v.l.). Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe
Fünf Menschen wurden von Rechtsextremisten seit dem Jahr 2000 in Dortmund ermordet. Die Ausstellung „Opfer Rechter Gewalt“ in der Petrikirche zeigt mit einfachen Mitteln auf sehr eindrucksvolle Weise, wie vollkommen sinnlos diese Verbrechen waren.

Dortmund. Die Ausstellung „Opfer Rechter Gewalt“ in Dortmunds Petrikirche, die bis zum 28. Januar zu sehen ist, porträtiert Menschen, die in Deutschland seit 1990 rechter Gewalt zum Opfer gefallen sind. Viele wurden getötet, weil sie im Weltbild von Rechtsextremisten keinen Platz hatten. Die Tafeln zeigen in der Regel die Porträts von Menschen, die durch von Rechts motivierter Gewalt ums Leben gekommen sind. Mal sind es Taten, die die Öffentlichkeit bewegt haben, mal wurden sie nur am Rande zur Kenntnis genommen. Und so sind die Opfer vergessen worden. Doch die Ausstellung erinnert an sie und mahnt. Zudem erinnern Tafeln ohne Bilder an die Opfer vor 1990.

Mal waren es rechte Schläger, denen der anders Denkende in die Quere gekommen war. Mal waren es aber auch Täter aus der Mitte der Gesellschaft, die aufgrund von politisch motivierter Gewalt zu Tätern wurden. Die Schicksale der Opfer werden nur kurz skizziert, doch in den wenigen Zeilen wird schon deutlich, wie sinnlos die Taten waren. Da sind kleine Kinder im Alter von gerade einmal fünf oder sechs Jahren, die bei Brandanschlägen von Rechtsextremisten ums Leben gekommen sind, ebenso unter den Opfern wie ein 91-jähriger Überlebender des Holocausts, der umgebracht worden ist, nachdem er sich kurz zuvor in einem Altenheim als Jude „geoutet“ hat.

Mordfall wird neu untersucht

„Die Ausstellung ist schon im Oktober von uns geplant worden, lange bevor die Gräueltaten der NSU aufgedeckt worden sind“, erklärte Stefan Bacher vom Veranstalter, dem Forum gegen Rassismus Campus Dortmund (FgR). In Dortmund sind die Namen der Polizisten Thomas Goretzki, Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch von Woitowitz bekannt. Sie wurden 2000 von Michael Berger erschossen, der kontrolliert werden sollte, da er nicht angeschnallt war. Lange galt der Täter als Einzeltäter aus dem rechten Spektrum. Nachdem die Morde der NSU aufgedeckt worden sind, werden die Fälle von der Generalbundesanwaltschaft neu aufgerollt.

Interessant auch drei Spiegel, in denen sich der Besucher sehen kann: „Kann ich Täter werden“, „Kann ich Opfer werden?“, oder „Sehe ich mich in der Rolle des Zuschauers? Hartmut Anders-Hoepgen, Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, ist sehr froh, dass die Ausstellung hier gezeigt wird. „Würde man allerdings auch die Opfer subtiler, täglicher Gewalt durch Rechtsextremisten ausstellen, würde die Kirche nicht ausreichen.“

Info

Die Ausstellung ist bis zum 28. Januar in der Petrikirche zu sehen. Zeiten: Di bis Fr, 11 bis 17 Uhr; Sa, 10 bis 16 Uhr.

Der Jugendring bietet Führungen für Schulklassen an. Informationen über 4775611 oder per Mail info@demokratie-do.de. Führungen: 20 Euro.

Veranstalter ist das Forum gegen Rassismus Campus Dortmund.

 
 

EURE FAVORITEN