Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen nach antisemitischen Attacken bei Fußballspielen

Randalierer provozierten bei einem Testspiel von Maccabi Haifa im österreichischen Bischofshofen einen Spielabbruch.
Randalierer provozierten bei einem Testspiel von Maccabi Haifa im österreichischen Bischofshofen einen Spielabbruch.
Foto: Imago
Antisemitische Reaktionen auf den Gaza-Konflikt haben auch den Fußball erreicht. In Österreich griffen Randalierer Spieler von Maccabi Haifa an, zuvor hatten Neonazis in Dortmund gegen Israelis gepöbelt, die beim internationalen Ruhr-Cup antreten werden. Veranstalter sehen sich jedoch gewappnet.

Dortmund. Zehn Nachwuchsmannschaften verschiedener europäischer Fußballklubs treffen sich in diesen Tagen zu einer Standortbestimmung in NRW: Der Ruhr-Cup soll ein erstes sportliches Highlight für die U19-Mannschaften sein. Doch das Turnier steht nicht nur sportlich im Blickpunkt. Nach antisemitischen Vorfällen in Dortmund am Dienstag und im österreichischen Bischofshofen am Mittwoch gilt das Augenmerk auch Rechtsradikalen, die den Fußball als Plattform nutzen könnten

Am Dienstag spielte das Team von Maccabi Netanya in Dortmund-Lütgendortmund gegen eine Amateurauswahl. Unter die rund 400 Zuschauer hatten sich jedoch auch 14 Rechtsradikale aus dem Umfeld der Partei "Die Rechte" gemischt. Die Gruppe entrollte palästinensische Fahnen sowie die des deutschen Kaiserreichs und brüllte antisemitische Parolen. Die Polizei und der Ordnungsdienst schritten ein und entfernten die Störenfriede vom Platz.

"Unser Konzept ist aufgegangen", sagt Wilfried Wittke, Vorstandsmitglied des organisierenden Vereins "Internationale Jugendbegegnungen in Kultur und Sport". Die Neonazis, die in Lütgendortmund pöbelten, seien mit bundesweiten Stadionverboten belegt worden — die restlichen Spiele des Ruhr-Cups dürften sie ebenfalls nicht besuchen. Die Veranstalter, so Wittke, seien auf rechtsradikale Übergriffe vorbereitet gewesen und hätten bereits im Vorfeld mit der Polizei ein Sicherheitskonzept erstellt. "Wir hatten damit gerechnet, dass es im Dortmunder Westen zu Vorfällen kommen kann", sagt Wittke mit Blick auf die Neonazi-Hochburg im benachbarten Dortmund-Dorstfeld.

Spielabbruch nach Angriff auf israelisches Team in Österreich

Am Donnerstagabend steigt das Team von Maccabi Netanya ins Turnier ein. In Arnsberg trifft die Mannschaft dann auf die U19-Mannschaften von Galatasaray Istanbul und des FC Schalke 04. Freitag kicken die Israelis in Oberhausen gegen Borussia Mönchengladbach und West Ham United. Wittke rechnet nicht mit weiteren Vorfällen. Und wenn doch etwas passiere, seien Polizei und Security auch auf "handfestere Übergriffe" vorbereitet.

Dass die nicht ausgeschlossen sind, zeigte ein Vorfall im österreichischen Bischofshofen vom Mittwochabend. Dort wurde ein Testspiel zwischen dem israelischen Spitzenklub Maccabi Haifa und dem OSC Lille aus Frankreich abgebrochen, weil Zuschauer mit Fahnen Palästinas auf den Rasen gestürmt waren und Maccabi-Spieler attackiert und verletzt hatten.

So sieht sich auch der Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn plötzlich mit dem Antisemitismus-Problem konfrontiert. Der spielt am Samstag ebenfalls gegen Maccabi Haifa. Die Ostwestfalen wollen jedoch "nur mit Sicherheitsvorkehrungen" antreten, zitiert die "Neue Westfälische" einen Klubsprecher. Alle Paderborner Fans, die zum Spiel kommen wollen, würden deshalb gebeten, ihren Personalausweis mitzubringen.

Polizei offen und verdeckt in den Stadien

Solch drastische Maßnahmen sind beim Ruhr-Cup nicht geplant. Die Polizei, sagt Wittke, habe zugesichert, die Lage im Griff zu haben. "Wir stehen in engem Kontakt mit den Behörden der anderen Spielorte", bestätigt eine Sprecherin der Dortmunder Polizei. Die Beamten seien "offen und verdeckt" in den jeweiligen Stadien präsent.

Ein Rückzug des Teams aus Dortmunds Partnerstadt Netanya kommt für den Veranstalter nicht in Frage. Die Einladung an die Israelis sei bereits vor Monaten ausgesprochen worden. "Wir können nicht für ein paar Verrückten kapitulieren", so Wittke. Das sehe die Delegation aus Netanya ähnlich. Wittke: "Die waren am Abend bei der Eröffnungs-Gala völlig unbeeindruckt." Im Übrigen spielten in der U19 der Israelis fünf Palästinenser und mannschaftsintern gebe es überhaupt keine Probleme.

 
 

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