Envio hat PCB-belastete Firma schon im April 2015 verkauft

Foto: WR RALF ROTTMANN
Im Dezember beginnt die Räumung des PCB-belasteten Envio-Geländes im Dortmunder Hafen. Schon im April hat ein INvestor die Firma gekauft.

Dortmund.. Gerade erst wurde bekannt, dass im Dezember die Räumung des PCB-belasteten Envio-Geländes im Dortmunder Hafen beginnt, da sorgt eine neue Nachricht für Wirbel: Envio hat die Firma im Hafen verkauft - im April 2015. Ein US-Investor ist neuer Eigentümer der 55.000-Quadratmeter-Fläche. Was er damit vorhat, ist völlig offen.

Bereits im April 2015 hat Envio die "Grundbesitz Kanalstraße GmbH" verkauft, die bislang für Envio Erbbauberechtigte des 55.000 Quadratmeter großen Areals im Dortmunder Hafen war. Dieses gehört der Stadt Dortmund. Käufer der Firma war der US-Investor Flacks Group. Der Deal wird in der Einladung zur Envio-Hauptversammlung im November thematisiert. Stadt Dortmund und Bezirksregierung waren informiert Das Geschäft war von der Öffentlichkeit unbemerkt über die Bühne gegangen.

Erst durch eine Berichterstattung des WDR wurde es nun bekannt. In der an die Envio-Aktionäre gerichteten Einladung zur Hauptversammlung ist die Rede von einem "erst in der Zukunft fälligen Kaufpreis von 25.000 Euro". Der sei mit einer "zusätzlichen variablen Komponente" vereinbart worden. Was das heißt, ist bislang unklar. Die Stadt Dortmund und die Bezirksregierung waren über den Verkauf informiert, wie beide am Montag (12. Oktober) auf Anfrage unserer Redaktion bestätigten. Der Verkauf habe nicht der Zustimmung der Stadt bedurft, sagte Stadt-Pressesprecher Udo Bullerdieck. Die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit über das Geschäft zu informieren, habe die Stadt nicht gesehen. Die Stadt hoffe, so Bullerdieck, dass die Zusammenarbeit mit der Flacks Group besser funktioniere als jene mit Envio.

"Dortmund Harbour" wird angeboten

Die Flacks Group - Inhaber ist der Engländer Michael Flacks - schreibt auf ihrer Internetseite, sie sei spezialisiert auf den Kauf von "notleidenden" Vermögenswerten wie Immobilien, Wohnkomplexen, Shopping-Centern und Supermärkten. Ihr Hauptfokus sei Europa, vor allem Deutschland. Das ehemalige Envio-Gelände preist die Flacks Group auf ihrer Internetseite als "Dortmund Harbour" an, eine "500.000 Quadratfuß große Fläche", die sich "über 14 Gebäude erstreckt". Was der Investor mit der Fläche vorhat, ist bislang völlig offen. Eine Anfrage dieser Redaktion an die Flacks Group blieb bislang noch unbeantwortet.

Auswirkung auf Envio-Prozess ist eher nicht zu erwarten

Nach wie vor läuft vor dem Landgericht der Envio-Prozess - zuletzt wurde ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Kern des Prozesses: Die Firma hat Abfälle mit hoher PCB-Belastung nicht richtig entsorgt. Aus Justizkreisen war am Montag die Einschätzung zu vernehmen, dass der jetzt bekannt gewordene Verkauf sich eher nicht auf den Prozess auswirken dürfte. Die Bezirksregierung Arnsberg hatte vor einer Woche bekanntgegeben, dass ab Dezember 2015 die Räumung des Envio-Geländes beginnt.

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