Envio gefährdet 170 Arbeitsplätze bei ABP

Klaus Brandt
Nach der Kündigung des Mietvertrages durch Envio bangt die Firma ABP um die 170 Arbeitsplätze in Dortmund.
Nach der Kündigung des Mietvertrages durch Envio bangt die Firma ABP um die 170 Arbeitsplätze in Dortmund.
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Dramatische Zuspitzung im PCB-Skandal: Nach Informationen der WR hat Envio den Mietvertrag mit der Firma ABP Induction Systems gekündigt. Bliebe es dabei – der ABP-Standort Dortmund wäre kaum zu retten. 170 Arbeitsplätze sind in akuter Gefahr.

Die Kündigung traf die ABP-Geschäftsführung wie ein Keulenschlag. Sie ist offenbar die Quittung für die Konsequenz, mit der die Firma auf geschäftsschädigende Folgen des Giftskandals reagiert hatte.

ABP hat Hallen, Verwaltungsgebäude und Teile der Freiflächen von der Skandalfirma Envio gemietet. Das Unternehmen fertigt Induktionsöfen für die Metallindustrie. Die massive PCB-Verseuchung des Geländes bescherte der Firma finanzielle Einbußen. Teile der Produktionsstätten sind kontaminiert und damit unbenutzbar. Seit Monaten leidet das operative Geschäft. Die Verluste: erheblich. Als sich noch herausstellte, dass auch die ABP-Werkskantine, in der wöchentlich 300 Besucher aßen, mit PCB verseucht war (WR berichtete), zog ABP die Reißleine und kürzte Envio die Miete. Andere Untermieter zogen nach.

Fällt der Standort, dann fallen die Jobs

Atmosphärische Störungen folgten. Zwischenzeitlich soll Envio damit gedroht haben, ABP den Strom abzudrehen. Dennoch: Die Kündigung des Mietverhältnisses traf die Firma völlig unvorbereitet. Für das Unternehmen hätte sie verheerende Folgen. Das Management der weltweit zwölf ABP-Filialen sitzt in den USA. Angesichts der Folgen des Giftskandals haben die Firmenbosse längst diverse Szenarien durchgespielt. Fazit: Eine Verlagerung der Niederlassung scheidet aus. Alle 170 Arbeitsplätze hängen an diesem Standort. Fällt er, dann fallen auch die Jobs. Die Produktion würde dann wohl nach Asien verlagert.

Die Dortmunder ABP-Spitze war am Freitag zu den Entwicklungen nicht zu sprechen. Offizieller Grund: „Budgetverhandlungen mit den Gästen aus USA“. Nach WR-Informationen soll am Mittwoch, 27. Oktober, ein Gespräch mit Envio stattfinden. Dabei hoffe man auf einen glücklichen Ausgang, sickerte gestern aus ABP-Kreisen durch.