Entwarnung nach Sprengstoff-Fund am BVB-Stadion

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. Großeinsatz am Dortmunder Stadion: Mitten in der Nacht durchkämmten das Bundeskriminalamt und Sondereinsatzkommandos das BVB-Gelände am Signal-Iduna-Park und fanden drei sprengstoffverdächtige Gegenstände. Diese wurden entschärft. Vorläufig gibt es Entwarnung. Der geständige Tatverdächtige, ein 25-Jähriger aus Deutschland, konnte bereits am 29. März festgenommen werden. Auch das Heimspiel am Samstag gegen Hannover soll wie geplant stattfinden. Der BVB kündigte unterdessen aber besondere Sicherheitsmaßnahmen an.

Helle Aufregung in Dortmund: Gegen 3 Uhr fuhren am frühen Donnerstag viele dunkle Limousinen des Bundeskriminalamts (BKA) und Busse am Signal-Iduna-Park vor. Mit Sondereinsatzkommandos und Polizei riegelten sie das Gelände rund um das Stadion ab. Mit Hilfe der Feuerwehr wurde die Umgebung großflächig ausgeleuchtet.

Dann begann die Suche nach einem Sprengsatz. Drei sprengstoffverdächtige Gegenstände wurden gefunden und unschädlich gemacht. Gegenüber der Eislaufhalle an der Ardeystraße wurde das verdächtige Material von den BKA-Beamten gesichert. Nach einer ersten Einschätzung war laut Behörde jedoch nicht von einer akuten Gefährdung der Bevölkerung auszugehen. Und ob es sich um tatsächlich explosiven Sprengstoff gehandelt hat, ist ebenso unklar. Der Bereich um die Helmut-Körnig-Halle und die Haltestelle blieben bis Donnerstagmittag aber abgesperrt.

Sprengstoff beim BVB

Sprengstoff beim BVB
DerWesten

Am Nachmittag veröffentlichte das Bundeskriminalamt seine Sicht der Dinge: Zur Klärung einer möglichen Gefährdung seien Beamte in den vergangenen beiden Tagen in Krefeld und Dortmund im Einsatz gewesen. Ausgangspunkt sei bereits im Februar 2011 ein anonymer Hinweisgeber gewesen, der per E-Mail Kontakt zur Deutschen Botschaft in Islamabad/Pakistan mit der Absicht aufnahm, Informationen zu zwei angeblich geplanten, zeitlich gestaffelten Anschlägen in Deutschland zu liefern. Dahinter solle eine Gruppe stecken.

Verdächtiger aus Krefeld

Nach Informationen der Westdeutschen Zeitung handelt es sich bei dem Festgenommenen um Alexander K. aus Krefeld. Dort wurde gestern die Mietwohnung seiner Eltern und der zugehörige Keller durchsucht. Die Wohnung befindet sich nach Informationen der Zeitung in einer "gehobenen Wohnlage". Der Festgenommene soll in seiner Freizeit als Webmaster die Internetseite seiner Mutter, einer Masseurin, betreut haben.

Festnahme am 29. März in Köln

Am 29. März wurde der bis dahin anonyme Hinweisgeber, ein bislang kriminalpolizeilich nicht in Erscheinung getretener 25-jähriger Deutscher, im Rahmen der Ermittlungen in einem Kölner Hotel von Beamten des BKA vorläufig festgenommen. Anlässlich des Kontaktes, der der Festnahme unmittelbar vorausgegangen war, hatte der Hinweisgeber auch von einem angeblich geplanten Anschlag im Bereich des Dortmunder Stadions gesprochen.

In seiner ersten Vernehmung räumte der Tatverdächtige laut BKA dann ein, der Hinweisgeber zu sein und die geplanten Anschlagsszenarien in Deutschland erfunden zu haben. Gleichzeitig habe er jedoch ausgesagt, im Bereich des Dortmunder Stadions drei Sprengsätze abgelegt zu haben. Auch in seiner Wohnung lagerten drei Sprengsätze. Laut Behörde sei das Tatmotiv bislang noch offen. Womöglich versuchte der 25-Jährige, mit den angeblich geplanten - tatsächlich aber erfundenen - Bombenanschlägen Geld zu erpressen. Die Polizei in Dortmund und der BVB nehmen den Vorfall ernst, glauben aber nicht, dass er sich auf das kommende Heimspiel auswirken wird.

Bei der Durchsuchung der Wohnräume des Tatverdächtigen wurden neben einem Laptop, externen Speichermedien, schriftlichen Unterlagen und umfangreichen Chemikalien drei sprengstoffverdächtige Gegenstände sichergestellt und unschädlich gemacht. Der mögliche Zusammenhang auf eine versuchte Erpressung zum Nachteil eines Wirtschaftsunternehmens im Jahr 2010 habe sich laut BKA im Rahmen der Durchsuchung bestätigt. Bei der Suche im Nahbereich des Signal-Iduna-Parks wurden dann am frühen Donnerstag drei sprengstoffverdächtige Gegenstände gefunden und unschädlich gemacht bzw. gesichert.

Unter anderem angesichts des Umstandes, dass der Hinweisgeber verdeckt über eine internationale E-Mail-Adresse kommunizierte, über umfangreiche Kenntnisse beim Bau von so genannten unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) zu verfügen schien und seine maßgebliche Einbindung bei der Beschaffung und beim Bau der angeblichen Sprengvorrichtungen andeutete, hatte das BKA nach eigener Aussage die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens aufgenommen.

Untersuchungen dauern an

Bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Ermittlungen habe es zahlreiche Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die geschilderten Anschlagsszenarien durch den Hinweisgeber konstruiert und möglicherweise der Ausgangspunkt für den Beginn eines Erpressungsversuchs sein könnten. Eine linguistische Analyse der Mails des Tatverdächtigen habe ergeben, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Zusammenhang mit einer weiteren (bislang ungelösten versuchten) Erpressung eines Wirtschaftsunternehmens aus dem Jahr 2010 bestehe.

Die kriminaltechnischen Untersuchungen zur Frage, ob die sprengstoffverdächtigen Gegenstände am Dortmunder Stadion funktionsfähig gewesen seien und welchen Schaden die gefundenen Chemikalien hätten anrichten können, dauern an. Nach einer ersten Einschätzung war laut BKA jedoch nicht von einer akuten Gefährdung der Bevölkerung auszugehen. Die Ermittlungen dauern an.

Normaler Heimspieltag für Dortmunder Polizei

Die Polizei Dortmund erklärte dazu: "Mit den heute vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Ermittlungsergebnissen, der Festnahme eines Tatverdächtigen und der Sicherstellung der sprengstoffverdächtigen Gegenstände sieht die Dortmunder Polizei keine Gefährdung für die Besucher des Signal-Iduna-Parks." Heißt: Die Bundesligabegegnung BVB 09 gegen Hannover 96 finde wie geplant am Samstag, 2. April, statt. Für die Besucher bestehe keine Gefahr.

Die Polizei in Dortmund stellt sich auf einen normalen Heimspieltag ein. Nach dem Ermittlungsstand von Donnerstagnachmittag sei nicht davon auszugehen, dass die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden müssten. An normalen Spieltagen des BVB sei man mit 100 bis 200 Beamten im Einsatz. Bei besonderen Spielen wie dem Revier-Derby könnten es auch schon mal bis zu 1000 Einsatzkräfte sein. Sprengstoff-Spürhunde habe man zuletzt bei der WM 2006 im Einsatz gehabt.

Watzke will Samstag Sicherheit erhöhen

Auch der BVB sieht keine besondere Gefährdung, da nach der Festnahme des verdächtigen Einzeltäters und dessen vorigen Erpressungsversuchs gegen ein Wirtschaftsunternehmen durch den Sprengstoff-Fund keinerlei terroristischer oder islamistischer Hintergrund zu erkennen sei. „Um den ungefährdeten Besuch aller Fans beim Spiel am Samstag zu ermöglichen, wird der BVB vorsorglich seine Sicherheitsmaßnahmen rund um den Signal-Iduna-Park in Absprache mit der Polizei ab sofort noch einmal verschärfen“, kündigte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, an.

 
 

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