Eltern herzkranker Kinder empört und in großer Sorge

Untersuchungen sind für Kinder ohnehin eine große Belastung. Sie brauchen eine vertraute Umgebung und Ansprechpartner.
Untersuchungen sind für Kinder ohnehin eine große Belastung. Sie brauchen eine vertraute Umgebung und Ansprechpartner.
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.. Weil ein Arzt geklagt hat, darf die Dortmunder Kinderklinik herzkranke Kinder nicht mehr ambulant behandeln. Hunderte kleine Patienten sind betroffen. Ihre Eltern müssen sich nun bei fremden Ärzten neue Termine holen. Ist das alles nur ein Missverständnis?

„Ja“, sagt der Mann, der die vorläufige Schließung der Kardiologischen Kinderambulanz der Kinderklinik an der Beurhausstraße verursachte. „Alles ein Missverständnis.“

Zum Hintergrund: Seit Jahrzehnten hat die Kinderklinik eine Zulassung, herzkranke Kinder ambulant zu behandeln. Alle zwei Jahre muss diese Zulassung neu beantragt werden. So auch in diesem Jahr. Die Zulassung wurde am 21. Juni erwartungsgemäß erteilt aber kurze Zeit später überraschend wieder zurückgezogen. Seit Anfang August ist die Ambulanz dicht (WAZ berichtete). Hunderte Eltern schwer kranker Kinder, die sich in der Kinderklinik gut aufgehoben fühlten, sind seit dem in großen Nöten. Rund 100 Kinder – von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr – werden pro Monat hier behandelt. Die Mehrzahl der kleinen Patienten hat einen angeborenen Herzfehler. Aber auch Leukämie- und Tumor-Kinder mit kardiologischen Auffälligkeiten werden hier ambulant begleitet.

Nachsorge übernehmen

„Ich habe nicht gegen die ambulante Zulassung, so wie sie bisher praktiziert wurde, Widerspruch eingelegt“, sagt der niedergelassene Kardiologe Martin Lehn, der neben seiner Dortmunder Praxis auch in Witten und Wattenscheid praktiziert und noch an anderen Standorten Fuß fassen möchte. Er wolle aber „weitere Ausuferungen“ der Klinikambulanz verhindern. Heißt: „Die Kinderklinik soll ihre Bewilligung für ein abgestecktes Behandlungsprofil auf zukünftig erhalten. Sie soll jedoch nicht in einem Umfang erweitert werden, der über den jetzigen Rahmen weit hinausgeht.“

Zum Beispiel möchte die Klinik die Nachsorge für Kinder mit Herzschrittmachern oder für frisch operierte „Herz-Kinder“ übernehmen. Gegen diese und andere neue Aufgaben sei sein Widerspruch gerichtet, so Lehn. Und deshalb verstünde er es auch überhaupt nicht, dass der laufende Betrieb eingestellt worden sei. „Ein Missverständnis. Ich bedauere sehr, dass sie Eltern jetzt in Nöten sind.“

Lebenswichtige Therapien vorenthalten

Krokodilstränen? Lehn betonte im Gespräch mit der WAZ, dass er wiederholt an die Klinik herangetreten sei, er habe detaillierte Vorschläge und Listen verfasst und Gespräche angeboten aber nie eine Antwort bekommen. Diese Dinge gelte es jetzt zu klären. Den bisherigen Behandlungsrahmen habe er nie in Frage gestellt. „Es ist für mich schon sehr erstaunlich, dass dort die Arbeit nicht sofort wieder aufgenommen wird. Die Kinder und Eltern liegen mir sehr am Herzen. Ich hoffe auf eine rasche einvernehmliche Regelung.“

Auf eine schnelle Entscheidung hofft auch Prof. Dominik Schneider, Chefarzt der Kinderklinik. „Uns ist vor allem daran gelegen, dass der Betrieb so schnell wie möglich weiter geht“, sagt er und stellt ein Gespräch mit Lehn in der kommenden Woche in Aussicht. Es könne nicht angehen, dass durch die Willlkür eines Einzelnen, hunderten Kindern lebenswichtige Therapien und Kontrollen vorenthalten werden. „Wir erhalten viel Feedback von den niedergelassenen Kinderärzten, mit denen wir in der Notfallversorgung hervorragend zusammen arbeiten und auch von den Elterninitiativen, deren Willen man nicht einfach übergehen darf.“

Termine langfristig vergeben

Mechthild Fofara von der Elterninitiative herzkranker Kinder ist empört und in Sorge. Seit dreißig Jahren läuft in der Ambulanz alles sehr zufriedenstellend. Und dann so was. „Der Beschluss hat uns alle umgehauen.“ Für die kleinen Patienten und deren Eltern sei es ein unhaltbarer Zustand, eventuell wochen- oder gar monatelang auf eine Untersuchung zu warten.

Es sei äußerst schwierig, ad hoc einen neuen Termin zu bekommen, die eigentlich sehr langfristig vergeben würden. Manche müssten alle 14 Tage in die Ambulanz. Außerdem sei es den herzkranken Kindern nicht zuzumuten, sich ohne zwingende Notwendigkeit auf einen neuen Arzt und eine fremde Umgebung einzustellen. „Manche der Eltern haben ausländische Wurzeln und sind deshalb nicht so sprachgewandt“, so Fofara. „Für sie ist es besonders schwierig, sich auf die Suche nach einer neuen Praxis oder Klinik zu machen. Wir hoffen alle, das nichts passiert.“

„Wir stehen nach wie vor zu dieser Bewilligung und zu dieser Einrichtung, die den Kindern eine qualitativ gute Versorgung bietet“, sagt Jens Kuschel von der AOK NordWest. Aber der Widerspruch habe eine aufschiebende Wirkung, deshalb ruhe die Arbeit in der Ambulanz bis zu einer Entscheidung., die allerdings von einer übergeordneten Stelle getroffen würde: dem Berufungsausschuss, der sich aus niedergelassenen Ärzten und Vertretern der Krankenkassen zusammen setzt und in der Kassenärztlichen Vertretung Westfalen-Lippe angesiedelt ist. „Wir drängen auf einen schnellen Termin“, so Kuschel.

 
 

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