Eine Weihnachtsgeschichte über ganz Dortmund

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Dortmund. Eine Weihnachtsgeschichte über und für ganz Dortmund schreiben - diesen Wunsch hat sich WR-Redakteur Gregor Boldt zu Weihnachten erfüllt. Allerdings musste er dafür die ein oder andere Rechtschreibregel außer Kraft setzen...

Den Berghofer Mark konnte so schnell nichts umwerfen. Er kam schließlich aus Berlin, der Stadt in der einst Reichskanzler Brüning hausen lernte. Aber doch war's ihm ganz schwer ums Herz. In der ganzen Menge de(r) Menschen, die ihn zu Weihnachten besuchen wollte, war seine Freundin nicht dabei. Alle wollten sie kommen, der Weber Max, der Linden Horst und sein Freund der Scharn Horst. Sogar der Wick Ede. Nette Leute zwar, durchaus, aber seine Kleine, die alle nur die Apler Becki nannten, fehlte im sehr.

Zusammen waren sie vor einem Jahr in die USA gegangen. Dort lernte seine Kleine einen Indianer kennen. Ganz kurl legte der nach ein paar Wochen den Arm um seine Freundin und machte mit dem anderen diese Winnetou-Geste und sagte zu ihm Huck - ardé. Das war's. Zurück nach Hause konnte er nicht. Finanzkrise. Deshalb heuerte Mark bei einer amerikanisch/österreichischen Holzfällerfirma in dem Dörfchen Bodel an. Der Chef war zunächst nicht begeistert, als er den schmächtigen Mark sah… „Söl de..., söl der Holz für uns aus dem Wald holen? Dös ich net loache”, öselte er. „Som borniertes Arschloch", dachte Mark. "Doch dem zeig ich's." Mit jedem Tag, mit dem Mark die Kiefern aus dem Tal holte, wuchsen auch seine Kräfte. Was nicht unverborgen blieb. „Schan'ze - Schanz' her!”, wienerte der Chef in den höchsten Tönen. Bald schleppte sein neuer Mitarbeiter die Bäume auf den höchsten Berg. Die Asseln in seinem Zimmer lieferten ihm wertvolle Proteine dafür. Er hatte es sich gemütlich gemacht, sogar auf dem Boden Oestrich vergelegt und einen Oespel für die Wanne gebastelt. Und wollte nichts mehr wissen von seiner Kleinen. „Die soll mir den Kruckel 'runterrutschen”, dachte er sich.

Sogar den Dorf-Tanz, den Bodel-Swingh lernte er recht schnell. Einmal, als sie nach der Arbeit feierten, wurde Mark übermütig, rutschte aus. Knochen brachen. „Hacheney, das ist ja bitter Mark”, sagte der Sohn des Chefs. „Wir sind hier weit weg auf einem Berg. Hof(f)entlich fährt noch ein Zug in die Stadt. „Jung, Ferntalbahnen..., das kannste vergessen, brummte der Wirt. Alle schon im Depot. So nahm er den Berghofer Mark barop jeder Vernunft auf die Schultern und stapfte kilometerweit durch den Schnee. Nach Tagen kamen sie endlich in das Krankenhaus. "Brechten Sie ihn mir mal eher", sagte der Arzt, ein gewisser Lance Trop, als er die erschöpften Männer sah. Es sei ein glatter Hombruch, stellte er fest. Der aber in ein paar Wochen gut verheilen werde und per se Beckenboden Gymnastik für die Rekonvaleszens gar nicht schlecht sei. „So lange gibt's Körnerfutter. Holz 'en ab”, gab er der Schwester zu verstehen. Die Wochen vergingen und im Krankenhaus-Fernsehen liefen nur Wiederholungen von Dallas mit J.R. Eving. Immer noch besser als Lohengrin auf 3sat, dachte Mark. Hätte der Leo Kirch, der neben vielen anderen Medienmogulen den amerikanischen TV-Markt erobern wollte, doch wenigstens die Bundesliga-Rechte an die Amis verkauft.... Also begann er zu lesen, doch irgendwann begannen ihn sogar die Kolumnen von Harald Martenstein zu langweilen. Dann, plötzlich erschien eine Fee, bei der er einen Wunsch frei hatte. Es war ein amerikanischer Feerich, ein so genannter Wishling. Hof(f)entlich, geht der Wunsch auch in Erfüllung, flehte Mark. Denn so sehr wünschte er es sich, endlich wieder nach Hause zu kommen.

Da landete er auch und wartete auf Weihnachten. Allein. Plötzlich flatterte ein Brief seiner Liebsten durch das halb geöffnete Fenster. Er sollte Heiligabend, Punkt 17 Uhr, zur Reinoldikirche kommen. Mark zauderte, wie damals, als er mit Ingolf Lück Lemberg besuchen sollte. Was wollte sie nur von ihm? Am heiligen Abend nahm er seinen Mut zusammen und ging zur Kirche. Und tatsächlich, da stand sie, die Apler Becki. Der Pastor und seine Kumpels waren auch da. „Meinse, das dat der richtje Rahm' für unser Wiedersehen ist?”, stieß er hervor. „Schüren Sie nicht ihre Wut”, versuchte der Geistliche ihn Milde zu stimmen. „Hör der doch erstmal zu”, rieten ihm seine Freunde und reichten ihm eine Zigarette. West - er fiel derzeit immer wieder auf seine Nikotinsucht herein. George Michael tauchte plötzlich hinter Burger King auf, in den Händen ein kleines Glöcklein, eine amerikanische Wham-Bell, die ganz weihnachtlich klang. Dazu beschallte „Last Christmas” den romantisch leuchtenden Platz. Es sah aus wie in einem kleinen, hellen Lichtendorf. Mark wusste nicht, wie ihm geschah. Da zog ihn die Apler Becki ganz dicht heran, legte ihren Finger auf seine Lippen und tippte danach auf die ihren. Dann sagte sie leise "Dort, Mund". Ein Kuss - und Weihnachten war gerettet.

 
 

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