Ein vergessener Sohn der Stadt?

Nadine Albach

Dortmund. Er starb vor zwölf Jahren. Doch nach seinem Tod ist seine Kunst auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs: Martin Kippenbergers Werke erzielen Millionenwerte, Studierende verehren den Neuen Wilden - Dortmunds "vergessenen Sohn".

Doch während die Welt nach Kippenberger lechzt, scheint sich in seiner Geburtsstadt Dortmund nichts zu regen. Bis jetzt. Kippenberger - doch (k)ein vergessener Sohn?

Die Tate Modern war die erste: 2006, neun Jahre nach Kippenbergers frühem Tod, widmete sie dem Anarcho-Ästheten eine große Retrospektive. Die Ausstellung wanderte ins K 21 nach Düsseldorf. Und das Museum of Modern Art in New York erinnerte erst in diesem Jahr an den schöpferischen Außenseiter. Kippenberger - so zumindest urteilte das Magazin Spiegel jüngst - erlebt postum das erfolgreichste Jahr seines künstlerischen Schaffens. Eine Würdigung durch seine Geburtsstadt, räumt Kulturdezernent Jörg Stüdemann ein, „wäre mehr als nur angebracht und ist eigentlich überfällig”.

Kleine Werkschauen hat es gegeben: Der Dortmunder Kunstverein feierte sein 20-jähriges Bestehen 2005 mit Kippenberger-Werken. Und Stüdemann selbst organisierte mit Galerist Jürgen Friedrich eine Ausstellung zur zweiten Museumsnacht 2003: „Wir hatten von allen Seiten Arbeiten besorgt”, erinnert sich der Kulturdezernent, „und in der Nacht vor der Eröffnung kam plötzlich die Nachricht, das Kippenberger die BRD auf der Biennale in Venedig vertritt.” Die Preise stiegen in wenigen Stunden um das Zehnfache. „Leider hatten wir vorher nichts gekauft, sonst wären wir alle jetzt sehr reich.”

Das gilt leider auch für die Stadt: In der Sammlung des Ostwallmuseums (MO) gibt es nur ein Multiple von Kippenberger. Der städtische Versuch, den großen Retrospektiven mit einer Ausstellung „Kippenberger, friends and family” auch mit Hilfe der in Dortmund lebenden Familie etwas entgegenzusetzen, verlief im Sande, wie Stüdemann berichtet.

„Als ich nach Dortmund kam, habe ich mich schon gewundert, dass bisher kaum etwas zu sehen war”, gibt auch MO-Direktor Kurt Wettengl zu. Jetzt aber gibt es Hoffnung für Kunstfreunde: „Wir werden im Rahmen unserer neuen Sammlungspräsentation im "U" einen Raum nur für Kippenberger einrichten”, erklärt Wettengl. 50 bis 60 Quadratmeter groß soll der immerhin sein und mit befristeten Leihgaben bestückt werden. Kippenberger eröffnet das Kreativzentrum im Grunde mit.

Seinem Stellenwert im Kunstbetrieb wird so ansatzweise Rechnung getragen: „Er war von großer Bedeutung, weil er sehr viel mit ironischer Geste aufgebrochen hat”, erklärt Wettengl. Mit Künstlermythos und Kunstbetrieb setzte sich Kippenberger auseinander, wehrte Routine ab und erfand sich und seine Sprache immer wieder neu.

Sein Name steht neben circa zehn weiteren Vorschlägen auch zur Auswahl für die Benennung einer der Plätze vor dem Dortmunder „U”. Wettengl selbst hat zwar die frühere Museumsleiterin Leonie Reygers vorgeschlagen und bleibt ihr treu. Aber Stüdemann hält Kippenberger neben Max von der Grün „für gut”. Voraussichtlich Ende in dieser Woche soll die Platzbenennung wieder Thema im Verwaltungsvorstand sein; eine Entscheidung erwartet der Kulturdezernent frühestens im Dezember.