Ein Tag im Wohnzimmer der Dortmunder Nordstadt

Manfred Neumann und Udo Wienhold kümmern sich um den Kiosk. Foto: Ralf Rottmann
Manfred Neumann und Udo Wienhold kümmern sich um den Kiosk. Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann

Dortmund.. 126 Getränke ohne Alkohol ausgegeben, fünf Spritzen auf der Toilette gefunden, Blut an den Wänden weg gewischt – die Statistik eines Tages am Nordmarkt-Kiosk. Festgehalten für die Stadt Dortmund, die den Kiosk finanziell unterstützt. Zahlen, die zeigen, dass die Einrichtung der Diakonie am Nordmarkt gut genutzt wird – für viele Zwecke. Nur Zigaretten und Alkohol gibt es dort nicht.

Diese Statistik pflegen Manfred Neumann und die anderen Mitarbeiter des Kiosks jeden Tag – fünf Männer, die als Ein-Euro-Kraft im Einsatz sind und Manfred Neumann, der im Rahmen einer Jobperspektive dort beschäftigt ist. Sie schenken Kaffee aus, halten die öffentlichen Toiletten in Ordnung – und sind Ansprechpartner für alle Nordmarkt-Besucher. Denn das ist ihre eigentliche Aufgabe: Sie helfen, wenn jemand ein Problem hat. Und sie leiten weiter an die Sozialarbeiterin, die den Kiosk als Ausgangspunkt nutzt.

Eine Anlaufstelle die da ist, wo die Menschen sind: Arbeitslose, Rentner, Alkoholiker – für sie alle ist der Nordmarkt wie ein Wohnzimmer. Sie teilen sich den Platz mit den Kindern. Seit rund einem Jahr sind zwei Drittel des Nordmarktes als Spielplatz ausgewiesen. Dass diese Trennung funktioniert – auch dafür sorgen Neumann und seine Kollegen. „Aber das klappt gut“, hat der 55-Jährige beobachtet. Wenn mal einer am falschen Platz säße, würde ein Hinweis reichen.

Fünf bis zehn Gespräche am Tag

Auch die Gespräche mit den Kiosk-Besuchern werden gezählt. Immer dann, wenn es um Probleme geht. „Das sind zwischen fünf und zehn Gespräche am Tag“, sagt Neumann. Klar zu definieren sei das allerdings nicht – denn manchmal hilft auch einfach der Plausch über den BVB, um sich weniger allein zu fühlen. „So geht es den meisten Stammgästen“, weiß der Kiosk-Chef. Sie suchten schlicht Kontakt.

Wie die 57-jährige Donata. Sie sitzt in dem kleinen Raum im Kiosk, wo ein paar Tische und Stühle stehen. Und sie strickt schwarz-gelbe Topflappen. „Ich lebe allein und hier finde ich Kontakt“, sagt sie. Seitdem der Kiosk existiert, Mitte der 90er Jahre, komme sie her. Und sie redet mit „Manni“ über alte Bekannte – wie Friedel, die jetzt im Altersheim ist, doch bis ins hohe Alter noch den Kiosk besucht hat. Doch nicht immer ist es so harmonisch. „Etwa einmal in der Woche, wenn das Wetter gut ist, kriegen sich die Nordmarkt-Besucher in die Wolle“, schätzt Neumann. Sonnenschein und Alkohol machen übermütig. Wenn jemand verletzt wird, rufen die Mitarbeiter den Krankenwagen. „Das kommt ein, zwei Mal im Monat vor“, erzählt Neumann

Meistens säßen bestimmte Gruppen dort. Zwischen 30 und 50 Menschen täglich, ab 10 Uhr morgens bis 19 Uhr – dann schließt Neumann die Toiletten. „Bulgaren sind nicht dabei“, meint der 55-Jährige. „Die Frauen sehe ich manchmal, aber auf dem Nordmarkt sind sie nicht.“ Obwohl – einen Kaffee kauften die Frauen manchmal. Dann tauchen auch sie in der Statistik auf.

 
 

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