Ein kleines Theaterwunder im Depot

Das Stück „girlsnightout“ wird im Foyer des Theaters im Depot gegeben.
Das Stück „girlsnightout“ wird im Foyer des Theaters im Depot gegeben.
Foto: Ralf Rottmann
Die Spielfläche ist so schmal, dass die Besucher den Akteurinnen Beinchen stellen könnten. Das Stück „girlsnightout“ ist eine Sinnsuche, höchst einfach und höchst kompliziert.

Die Regisseurin Barbara Müller und die Schauspielerinnen Inga Eickmann, Manuela Frauenrath und Sibylle Mumenthaler haben dem Depot an der Immermannstraße ein kleines Theaterwunder beschert.

Klein nur, weil nicht auf der Bühne, sondern im Foyer gespielt wird. Die Spielfläche ist so schmal, dass die Besucher den Akteurinnen Beinchen stellen könnten. Sie spielen „girlsnightout“, eine Textcollage, die ihrer Autorin Gesine Danckwart 1999 den Durchbruch auf deutschen Bühnen bescherte.

Das Stück ist höchst einfach. Drei junge Frauen quasseln, weiter nichts. Sie reden und rennen, sie erzeugen den Sound einer unbeaufsichtigten Mädchenklasse, das Tempo ist hoch. Es geht um alles. Um Pickel und Perspektiven. Um Klamotten und Sex. Um Spaß am Leben und den Ernst im Leben. „Jetzt lebe ich schon so lange, dass es eine richtige Vergangenheit gibt“, sagt eine. Oder: „Ich werde jetzt einen Sinn stiften gehen“, kündigt die andere an. Auch der Drang zu reden, sich mitteilen zu müssen, ist ein Thema.

Doch wie runterkommen von der Oberfläche – wenn keine weiß, wie tief sich bohren lässt in diese Scheibe Erde. Was ihr Ding sein kann in dieser Welt. Die Sinnsuche endet erfolglos. Müller lässt die Müller-Frauen mit einem kurzen Schluss-Dialog ausklingen, der an dieser Stelle nicht in der Vorlage zu finden ist.

„Eigentlich wollte ich dich etwas fragen. Aber ich weiß nicht mehr, was.“

Das Stück ist höchst kompliziert. Die Texte sind nur schwer auf einzelne Figuren zuzuordnen. Es herrscht ein – höchst artifizielles – Durcheinander. Es ist wie die Welt, in der die Frauen Fuß fassen wollen. Es ist ein redliches Stück, weil es keine falschen Ordnungen souffliert. Und es ist traurig. Es ist zum Lachen.

Die Damen werfen auch mal mit Dreck. Etwa so: „Ich würde mich gerne von mir entfernen.“ Entgegnung: „Wie schön, dass du da nicht so weit gehen musst.“ Das, vielleicht, könnte bissiger geschehen. Böser. Aber wo Ratlosigkeit herrscht, ist noch lange nicht Krieg.

Wie also unterscheiden sich die Figuren? In den Rollen kaum, allenfalls durch das, was die drei Schauspielerinnen mitbringen, einbringen. Durch die Darstellerinnen selbst. Durch schauspielerische Erfahrung, Ausbildung.

Die allerdings bringen eine Menge. Wir sehen eine höchst professionelle Aufführung, an der auch Mathias Schubert (Ausstattung) und Peter Fotheringham (Licht) Anteil haben.

Weitere Termine: 21., 27. und 28. September, 19. und 20. Oktober, jeweils 20 Uhr. Besuch dringend nahegelegt.

 
 

EURE FAVORITEN