Ehemann soll wegen Mordes zehn Jahre in Haft

Kathrin Melliwa
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Zehn Jahre Gefängnisstrafe wegen Mordes forderte Staatsanwältin Dr. Esther Nazarian gestern für Wilfried R., der seine Frau erstochen hatte. Das Motiv: Er ertrug es nicht, dass sie ihn nach 32 Jahren Ehe verlassen sollte.

Die Staatsanwältin ging in ihrem Strafantrag aufgrund des psychiatrischen Gutachtens von einer verminderten Schuldfähigkeit des Mannes aus. Tränen rollen bei dem 52-Jährigen, als die Staatsanwältin die ihrer Überzeugung nach feststehenden Mordmerkmale erläutert. „Das Opfer war absolut arglos, als es auf der Toilette saß und der Angeklagte mit dem Küchenmesser zustach.“ Da es vorher nie zu Schlägen in der Ehe gekommen sei, habe sie nicht mit einem körperlichen Angriff rechnen können.“

Das Opfer, es hatte nicht die kleinste Chance. Nach der Tat versuchte Wilfried R., der 2,3 Promille Alkohol im Blut hatte, sich umzubringen. Er rief seine Söhne an , die wiederum Polizei und Rettungsdienst alarmierten. „Als die Sanitäter kamen, sagte der verletzte Angeklagte zu ihnen: Sie wollte mich verlassen, das wollte ich verhindern“, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer..

Verteidiger sieht keinen Tötungsvorsatz

Wilfried R. zückt sein Taschentuch, als Dr. Nazarian noch einmal den 18. August 2010 Revue passieren lässt, jenen Tag, an dem Wilfried R. nicht nur das Leben seiner Frau zerstört habe, sondern auch sein eigenes und in gewisser Weise auch das seiner Söhne. Auch für sie brach an diesem Tag eine Welt zusammen. Wie Verteidiger Uwe Prein am Rande des Prozesses erzählte, besuchen sie ihren Vater regelmäßig im Gefängnis.

Eine gutbürgerliche Familie, in der von heute auf morgen nichts mehr ist, wie es einmal war. Beide Söhne haben im Zeugenstand von ihrem Aussagerecht Gebrauch gemacht. Und beide machten dabei einen zutiefst erschütterten Eindruck. Einer von ihnen hörte gestern, wie Wilfried R., um Fassung ringend, in seinem letzten Wort sagte. „Ich entschuldige mich bei meinen Schwiegereltern und bei meinen Söhnen.“

Söhne zeigten sich zutiefst erschüttert

Verteidiger Uwe Prein sah bei seinem Mandanten keinen Tötungsvorsatz. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge forderte er fünf Jahre und sechs Monate Haft. Dass Wilfried R., emotional völlig aufgelöst, seine Ehefrau nicht umbringen wollte, davon zeuge eine weitere Aussage gegenüber den Sanitätern: „Als sie am Boden lag, hat er ihr helfen wollen.“ Urteil am 11. März