DSW strecken Hand nach RWE-Tochter aus

Gregor Beushausen
Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 wollen die Firma Thyssengas Erdgaslogistik übernehmen. Das Foto vom 10.6.2010 zeigt eine Außenaufnahme des Dortmunder Standorts. Foto: Franz Luthe
Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 wollen die Firma Thyssengas Erdgaslogistik übernehmen. Das Foto vom 10.6.2010 zeigt eine Außenaufnahme des Dortmunder Standorts. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Mit dem Kauf der Gelsenwasser AG im Juli 2003 für damals 835 Mio. Euro landeten die Dortmunder Stadtwerke zusammen mit den Stadtwerken Bochum den großen Coup. Seit Monaten wird hinter den Kulissen von DSW ein neuer Deal vorbereitet: RWE verkauft seine Tochter Thyssengas - ein Konsortium aus Stadtwerke (DSW), Dortmunder Energie und Wasser (DEW) und Bayerngas will Thyssengas übernehmen.

Der Energieriese RWE ist nach den Vorgaben der EU-Kommission gezwungen, sich von seiner Dortmunder Tochter mit Sitz an der Kampstraße zu trennen. Thyssengas, rund 270 Mitarbeiter, davon rund 60 in Duisburg, verfügt über ein rund 4500 Kilometer langes Transportnetz, das sich durch NRW und Teile von Niedersachsen zieht. Das Netz ist an wichtige Punkte für den Erdgasimport angebunden. Thyssengas beliefert nicht die Haushalte, sondern schickt pro Jahr rund 10 Milliarden Kubikmeter zu Kraftwerken, Inudstriebetrieben und Betreibern von Verteilernetzen. Heisst: Thyssengas ist nicht in der Erzeugung tätig, sondern arbeitet selber als reiner Gasverteiler. Bis 2009 firmierte das Unternehmen, in dem die frühere Westfälische Ferngas aufging, unter „RWE Transportnetz Gas.“

Auch, wenn die exakten Rahmendaten noch unklar sind, gehen Experten davon aus, dass der RWE-Konzern das Bieterverfahren in der zweiten Jahreshälfte anlaufen lässt - und der Käufer bis Mai 2011 gefunden ist. Das wird noch spannend: Angeblich kursiert im Hause RWE ein Verkaufspreis von rund 1,2 Milliarden Euro - was allerdings viele für einen Phantasiepreis halten. Schon deshalb, weil die Bundesnetzagentur bei den Gebühren, die Thyssengas für die Durchleitung aufruft, auf die Bremse gestiegen ist. Je niedriger der Kaufpreis, desto höher fallen die Renditeerwartungen der Interessenten aus - weniger als 8 oder 9 Prozent können auch für DSW & Co. nicht infrage kommen. Offen ist zurzeit, wer sich mit welchen Anteilen an dem geplanten Konsortium aus DSW, DEW und Bayerngas beteiligt. Und vor allem: welche anderen Bieter im Preispoker einsteigen.