Drogendealer erobern in Dortmund neues Terrain am Borsigplatz

Ein schneller Deal: Geld raus, Drogen rein. Ein Drogendealer beugt sich in ein Fahrzeug in der Oesterholzstraße. WR-Bild: Ralf Rottmann
Ein schneller Deal: Geld raus, Drogen rein. Ein Drogendealer beugt sich in ein Fahrzeug in der Oesterholzstraße. WR-Bild: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.. Während sich die Lage rund um den ehemaligen Straßenstrich an der Ravensberger Straße und am Nordmarkt ein wenig entspannt, machen Anwohner und Polizei einen neuen Brennpunkt in Sachen Drogen in der Nordstadt aus: die Oesterholzstraße und den Borsigplatz. „Hier blüht der Drogenhandel, ganz offen auf der Straße gehen die Dealer ans Werk“, berichtet einer der Anwohner, der aus Angst ungenannt bleiben möchte.

Schon morgens gegen 10 Uhr gehe es los. Da gebe es dann auch einen der Rauschgifthändler, der mit dem Fahrrad die Straße rauf und runter fahre. Und erst spät in der Nacht gegen 3 Uhr kehre Ruhe ein in dem Viertel. Das sei nicht erst seit gestern so. Schon seit Jahren beobachten Mieter und Hausbesitzer unisono diese Szene.

„Wir kennen diesen Bereich“, erklärte Polizeisprecher Wolfgang Wieland. Man habe auch schon Erfolge zu verzeichnen, sprich Festnahmen. Könne man auf Kräfte aus anderen Bereichen zurückgreifen, etwa aus dem Schwerpunkteinsatz rund um den ehemaligen Straßenstrich, dann verlagere man die Einsatzkräfte in diesen Bereich.

Das ist jedoch keine Beruhigung für die Bürger, die auch Angst haben, die nicht wissen, wie sie den Dealern, die am helllichten Tag die Straße unsicher machen, begegnen sollen. „Wir haben Kinder, die sehen, wie hier in aller Öffentlichkeit gedealt wird, die Tag für Tag mit der Drogenproblematik konfrontiert werden“, ist eine Mutter in Sorge. „Was ist, wenn sie das Zeug auch unseren Töchtern andrehen?“

Feste Strukturen

Die Dealer hätten die Straße unter einander aufgeteilt, berichten andere Anwohner. „Dort oben rund um das Café ist der Handel in arabischer Hand“, zeigt ein Bewohner auf das Café. Im Bereich rund um die Haltestelle Borsigplatz sei alles fest in türkischer Hand. Und ein bisschen weiter, dort wo ein Internetcafé ist, ist er in den Händen von Schwarzafrikanern.

Genau könne man die Strategien der Kriminellen verfolgen. Teilweise säßen sie mit einem Telefon vor dem Café oder vor ihrem Laden, werden angerufen und wenig später kommt ein Wagen vorgefahren. „Die stammen aus dem Umland von Dortmund, dem EN-Kreis, aus Unna, Recklinghausen“, erklärt ein Anwohner. Seitenscheibe runter, Geld rausgereicht, Drogen rein. In ganz kurzer Zeit ist das Geschäft erledigt. Ganz öffentlich, nicht versteckt in Hauseingängen. Und dann brausen die Wagen wieder ab. Selbst „Bunker“, in denen die Dealer ihre Waren verstecken, haben die Anwohner schon ausgemacht in Hofeingängen, etwa einem alten Schornstein.

Hilfe von der Polizei habe man nicht erhalten, man fühle sich im Stich gelassen. Der eine oder andere, der es sich leisten kann, sei schon weggezogen. Obwohl die Polizei ja sagt, dass sie am Ball ist, dass sie die Situation kenne. „Wenn man vom Polizeipräsidenten und vom OB hört, dass man das Problem Drogen und Prostitution im Griff habe, dass sich die Lage in der Nordstadt entspannt hat, dann kann ich darüber nur lachen“, betont ein Anwohner. „Das tägliche Leben hier in unserer Straße zeigt ein ganz anderes Bild, ein Straßenbild, das von den Dealern beherrscht wird.“

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen