Dortmunds Umland verliert Einwohner

Von Michael Kohlstadt
Verkaufsoffener Sonntag in Dortmund - auch aus dem Umland strömten die Besucher in die City.
Verkaufsoffener Sonntag in Dortmund - auch aus dem Umland strömten die Besucher in die City.
Foto: WAZ Fotopool
Die Einwohnerzahl Dortmunds wird sich nur wenig nach unten entwickeln. Sorge bereitet der Dortmunder Wirtschaft jedoch die Entwicklung im Umland. Die Handels-Metropole Dortmund verliert ihren Speckgürtel – und damit auch Kaufkraft.

Dortmund schrumpft - aber längst nicht so schnell wie der Rest des Ruhrgebiets und sogar weniger stark als Nordrhein-Westfalen insgesamt. Nach der amtlichen Prognosenrechnung des Statistischen Landesamtes IT.NRW wird die Stadt bis zum Jahr 2030 rund drei Prozent ihrer heutigen Einwohnerzahl einbüßen. Im Ruhrgebiet werden es 7,7 Prozent sein, in ganz NRW immerhin 3,7 Prozent.

Von derzeit knapp 580 000 Dortmundern bleiben nach den amtlichen Berechnungen in 18 Jahren also rund 562 000 übrig. Damit kann man leben. Der Verlust entspräche etwa der Hälfte der heutigen Einwohner des Stadtbezirks Eving.

Doch der demografische Wandel im Land könnte Dortmund noch auf ganz andere Weise schwer zusetzen. Denn um uns herum wird es deutlich dünner besiedelt zugehen - mit entsprechenden Auswirkungen für die vielfältigen Funktionen eines Oberzentrums. Um es klar zu sagen: In Dortmunds unmittelbarer Umgebung werden schon in naher Zukunft viel weniger Menschen leben, die zum Einkaufen, ins Museum, in die Theater oder auf den Weihnachtsmarkt in der Westfalenmetropole fahren können, die Berufskollegs oder Hochschulen besuchen können oder als künftige Fachkräfte zur Verfügung stehen. Und diejenigen, die es dann noch gibt, werden im Schnitt spürbar älter sein als heute.

Bis zu 300.000 Einwohner weniger

Der gesamte Regierungsbezirk Arnsberg verliert bis 2030 über 300 000 Einwohner. Die Verluste gehen ausschließlich zu Lasten der Altersgruppe bis 65 Jahre. Der Anteil der Menschen im Rentenalter nimmt dagegen rasant zu und steigt von knapp einem Fünftel auf fast ein Drittel. Die Zahl der Hochbetagten ab 80 Jahre, oft Menschen mit eingeschränkter Mobilität, nimmt um fast 34 Prozent zu.

Betroffen ist genau die Region Nordrhein-Westfalens, die so gern als Dortmunds Hinterland bezeichnet wird. Der Hochsauerlandkreis schrumpft um 12,8 Prozent, der Ennepe-Ruhr-Kreis um 11,2 Prozent. Im Märkischen Kreis (Iserlohn, Lüdenscheid) geht die Bevölkerung um 14,4 Prozent zurück. Die Stadt Hagen schießt den Vogel ab, verliert in nur 18 Jahren 18 000 Einwohner - fast 15 Prozent der aktuellen Bevölkerung. Im Speckgürtel der boomenden Rhein-Städte Düsseldorf, Köln und Bonn sieht es dagegen wesentlich besser aus.

Auch im Norden und Westen sinkt die Bevölkerungszahl: Lünen verliert 6,4 Prozent, Castrop knapp 10, in Kamen sind es 10,2, in Werne über 17 Prozent. Nur Unna steht mit minus 4,5 Prozent noch gut da. Bochum - zweitgrößte Stadt im Regierungsbezirk - verliert dagegen sage und schreibe 32 000 Einwohner (8,5 %).