Dortmunds Kunstschätze fließen in „U-Stiftung“

Michael Kohlstadt
Das Museum Ostwall (MO) ist seit dem 9. Oktober 2010 am neuen Standort im Dortmunder U für das Publikum geöffnet und präsentiert in der vierten und fünften Ebene seine Sammlung neu.
Das Museum Ostwall (MO) ist seit dem 9. Oktober 2010 am neuen Standort im Dortmunder U für das Publikum geöffnet und präsentiert in der vierten und fünften Ebene seine Sammlung neu.
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.  Die Geldnot macht Dortmunds Verwaltung erfinderisch: Erst verkauft die Stadt ihr Rathaus an sich selbst – jetzt soll der millionenschwere städtische Kunstbesitz zum Grundstock der neuen „Stiftung Dortmunder U“ werden.

Damit nach der Kostenexplosion im und am U-Turm zumindest die laufenden Kosten des Kunst- und Kreativzentrums nicht mehr aus dem städtischen Etat gespeist werden müssen, soll der Betrieb in Form einer Stiftung bürgerlichen Rechts verselbstständigt werden. Der Clou: Um überhaupt ein Stiftungsvermögen aufbauen zu können, hebt die Stadt stille Reserven von besonderer Güte. Grundstock der „Stiftung Dortmunder U“ soll laut interner Ratsvorlage der städtische Kunstbesitz werden - also all die millionenschweren Kunstschätze, die das Museum Ostwall soeben in den Etagen 4 und 5 des Turms publikumswirksam aufgehängt und -gestellt hat. Dazu soll das Museum als eigenständige Abteilung in der Stiftung aufgehen und aus dem Geschäftsbereich der städtischen Kulturbetriebe herausgelöst werden.

Sorgen darüber, die Stadtväter könnten auf die Idee verfallen, Teile der hochkarätigen Sammlungsbestände mit Werke des 20. Jahrhunderts zu verscherbeln, muss sich aber offensichtlich niemand machen. Das Bewahren der Kunstsammlung wird in dem Papier ausdrücklich als Teil des Stiftungszwecks definiert. Daher sei „auszuschließen, dass Kunstgegenstände als Vermögensbestände veräußert werden können“.

„Wenigstens 70 Beschäftigte“

Wie dennoch aus dem unter dieser Maßgabe unveräußerbaren Stiftervermögen Erträge erwirtschaftet werden können, darüber gibt die Vorlage nur sehr pauschal Auskunft. Ein Wirtschaftsplan soll kenntlich machen, welche Unterstützungen, Spenden oder Stiftungen eingebracht werden können, heißt es. Konkrete Daten und Zahlen zu möglichen Erträgen oder zum Wert der einzubringenden Kunstwerke liefert die Verwaltungsvorlage nicht. An anderer Stelle des Papiers wird aber deutlich, was die Stiftung zu leisten imstande sein muss. Schließlich gehe es um den Betrieb einer „großen Kulturinstitution mit wenigstens 70 Beschäftigten“. Immerhin: Der U-Turm selbst soll nicht in der Stiftung aufgehen. Er bleibt mit all seinen Belastungen Bestandteil desjenigen städtischen Sondervermögens, in das auch das Rathaus überführt werden soll.

„Das Modell bringt durchaus auch Vorteile mit sich.“

Dass Kommunen ihren Kunstschatz in Form einer Stiftung verwalten, ist laut Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen mit Sitz in Berlin so ungewöhnlich nicht. „Das Modell bringt durchaus auch Vorteile mit sich“, erläutert Verbandssprecherin Anke Pätsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Kunststiftungen könnten autonomer arbeiten als direkte städtische Kulturinstitute. Sie können, so Pätsch, besser auf private Förderer zugehen und werden von diesen meist eher akzeptiert als kommunale Einrichtungen. Pätsch: „Die Einnahmen bleiben bei der Stiftung - allerdings auch alle Ausgaben.“ Außerdem können Stiftungen Darlehen aufnehmen.

Übrigens: Sollte der Rat dem Vorschlag der Verwaltung nachkommen, würde die Politik unter Beweis stellen, dass sie sehr wohl über die laufende Wahlperiode hinaus denken kann. Eine Stiftung bürgerlichen Rechts ist nämlich nicht mehr rückholbar. Anke Pätsch: „Das ist eine Entscheidung für die Ewigkeit.“