Dortmunds Alt-Oberbürgermeister Günter Samtlebe ist tot

Alt-Oberbürgermeister Günter Samtlebe ist im Alter von 85 Jahren in Dortmund gestorben. Foto: WR/Franz Luthe
Alt-Oberbürgermeister Günter Samtlebe ist im Alter von 85 Jahren in Dortmund gestorben. Foto: WR/Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. Eine der prägendsten Persönlichkeiten Dortmunds tot: Günter Samtlebe. Der Ehrenbürger von Dortmund starb am Donnerstagmorgen (7. Juli 2011) im Alter von 85 Jahren. Samtlebe war 26 Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt und erwarb sich als SPD-Politiker über Stadtgrenzen hinaus hochgeschätzte Anerkennung.

Günter Samtlebe ist tot. Der langjährige Oberbürgermeister Dortmunds starb am 7. Juli im Alter von 85 Jahren. Als der gebürtige Schürener im Alter von 20 Jahren seine politische Heimat bei der SPD fand, dachte er im Traum nicht daran, dass er als Dortmunds Oberbürgermeister mal alle Rekorde brechen würde. Über seine Heimat sagte er einst: "Ich wollte nie weg. Ich mag die Stadt und ihre Menschen."

Auch die Dortmunder mochten ihren Oberbürgermeister. Seine raubeinige Hemdsärmeligkeit, seine Kumpelhaftigkeit, seine temperamentvollen Reden und Ausbrüche, seine Art, die Dinge anzupacken. Sie hätten ihn wohl 1999 noch für eine Legislaturperiode gern im Amt gesehen, wenn er angetreten wäre. Ging aber nicht, weil er zu alt war für den Posten des OB.

Günter Samtlebe hinterlässt seine Frau Gisela, zwei Töchter, drei Enkel und einen Urenkel. Eine Kondolenzliste wird ab Montag, 11. Juli 2011, 17 Uhr, im Rathaus der Stadt Dortmund, Foyer 1. Etage, ausliegen. Trauerfeier und Beisetzung werden in engem Kontakt zur Familie vorbereitet.

Die Stationen

Günter Samtlebe (geboren am 25. Februar 1926 im Stadtteil Schüren) war Dortmunds Oberbürgermeister von 1973 bis 1999. Schon 1946 war er in die SPD eingetreten – 1956 wurde er in den Stadtrat gewählt. 1969 bis 1973 war er SPD-Fraktionsvorsitzender.

In seine Amtszeit fallen die Eröffnung der Stadtbahn, das Innenstadt-Umbauprogramm mit Neugestaltung der Kleppingstraße, die Eröffnung der Spielbank Hohensyburg und der Bau des Rathauses am Friedensplatz.

Samtlebe prägte die Ära Dortmunds als Stadt des Stahls, der Kohle und des Bieres genauso wie den Übergang zur Stadt der Forschung und der Lehre, zur westfälischen Handelsmetropole und zum Zentrum der Hochtechnologie.

Die Anfänge

Schon sein Vater, ein gelernter Maurer, trat 1902 in die SPD ein, gehörte zu den Gründern des Ortsvereins Schüren. Er starb jung, als Bergmann an der Staublunge. Seine Frau musste putzen gehen, damit die Familie überleben konnte. Günter Samtlebe hat ihre kämpferische Ader geerbt. Er absolvierte eine Verwaltungsausbildung und kam als Siebzehnjähriger zur Waffen-SS. Nach dem Zweiten Weltkrieg und einer Tätigkeit als Bergmann war er dann Hüttenarbeiter bei den Hoesch-Werken und besuchte eine Sozialakademie.

Ein Jahr lang arbeitete Samtlebe beim Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die weitere Berufstätigkeit führte ihn zurück zur Hoesch Stahl AG, wo er zum Direktor der Hoesch-Hüttenwerke im Bereich der allgemeinen Verwaltung avancierte (bis 28. Februar 1991).

Kommunalpolitische Erfahrungen sammelte er ab 1956 als Mitglied des Rats der Stadt Dortmund. Er war von 1964 bis 1969 Finanzsprecher und dann Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion (1969-1973). Er leitete zudem den Ausschuss Umweltschutz, der zum Vorbild für andere Großstädte wurde. 1972 gründete Samtlebe die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik in NRW.

Am 12. Februar 1973 wurde Samtlebe zum ersten Mal zum Oberbürgermeister der Stadt Dortmund gewählt. Er übte dieses Amt 26 Jahre und sieben Monate lang aus und zählt damit zu den dienstältesten Amtsinhabern in Deutschland.

Von 1983 bis 1985 war er Präsident des Deutschen Städtetags. Zu seinen zahllosen Ehrentiteln gehört seit 2001 auch die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dortmund. Zudem besitzt er die Ehrendoktorwürde der Uni Dortmund.

Die Würdigung als OB

Bei den Dortmundern kursierte damals eine Lieblingsfrage: Hat es eigentlich vor Samtlebe schon mal einen anderen Oberbürgermeister gegeben? Natürlich niemals, sagen sie dann humorvoll. Für die Dortmunder war er auch eher der Günter als der Herr Oberbürgermeister. Samtlebe selbst empfand keine Wehmut bei seinem Abschied als OB, da "man noch etwas Ordentliches auf den Weg gebracht hat". Und: "Ich habe 90 Prozent gute Erinnernungen." Geradlinigkeit, die direkte Auseinandersetzung auf Augenhöhe lagen ihm mehr als politisches Tauziehen und Taktieren. "Briefe schreiben kann jeder. Doch durch persönlichen Kontakt erreicht man mehr."

Als Samtlebes Zeit als Dortmunds Oberbürgermeister 1999 endete, ging zugleich eine Ära im Revier zu Ende. Der populäre OB setzte sich in seiner Amtszeit auch stets für das gesamte Ruhrgebiet ein. Sein Herzensanliegen war nicht nur die Stadt, in der er geboren ist, sondern war das ganze Revier, das Männer wie er erst salonfähig gemacht haben: Samtlebe war Mitbegründer der Runde der Ruhrgebiets-Oberbürgermeister und zeitweiliger Präsident des Deutschen Städtetages.

Clement, Rau und ein Zitat

Bei seinem Abschied als OB stellte der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement den längst-gedienten OB des Landes als herausragenden Politiker dar. Aber nicht die Länge der Amtszeit, so Clement, sondern die Art und Weise seiner Amtsführung haben ihn herausgehoben. Samtlebe habe Tacheles geredet; wenn er bei Reden das Manuskript in die Tasche steckte, haben die Menschen gewusst, jetzt redet er Klartext. Samtlebe, einer der Schöpfer des legendären Dortmunder Konsenses, habe zu Beginn der Stahlkrise in den frühen 80ern die erste Dortmund-Konferenz einberufen, erinnerte Clement. Ohne Samtlebe hätte die Stadt den Verlust von 44.000 Bergbau- und fast 30.000 Stahlarbeitsplätzen nie verkraftet. Eine "einmalige Erscheinung" nannte Bundespräsident und Clements Vorgänger Johannes Rau ihn bei der Feierstunde im Februar 1998, als Samtlebe 25 Jahre im Amt war.

Als Ehrenbürger seiner Stadt genoss er den Ruhestand im Kreis der Familie. Nur ab und zu, da zog es den überzeugten Parteisoldaten, der sich selbst auf dem rechten Flügel der SPD einordnet, ins Rathausbüro. Dort saß er dann, in seinem eigens für ihn reservierten Ex-OB-Zimmer, paffte genüsslich eine Zigarette und sprach über alte Zeiten. Und wunderte sich immer noch über seine Karriere, die ihm passte wie der richtige Deckel dem Topf. Über seine Altersbeschwerden sprach er nicht gerne. "Osteoporose - früher habe ich immer gedacht, das wäre eine Weiberkrankheit."

Noch berühmter ist Günter Samtlebes Zitat bei einem Weinfest in Dortmund geworden: "Das Schönste am Wein ist das Pils danach."

 
 

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