Dortmunderin darf ihren Sohn (6) nicht beschneiden lassen

Juden und Muslime reagierten empört, als ein Gericht im Mai die Beschneidung eines Jungen als Körperverletzung wertete. Das neue Gesetz soll Rechtssicherheit schaffen - auch für die Ärzte.
Juden und Muslime reagierten empört, als ein Gericht im Mai die Beschneidung eines Jungen als Körperverletzung wertete. Das neue Gesetz soll Rechtssicherheit schaffen - auch für die Ärzte.
Foto: dpa
Beschneidung verboten: Eine Dortmunderin darf ihren sechsjährigen Sohn nicht beschneiden lassen. Das hat jetzt das Oberlandesgericht Hamm entschieden. Die Mutter fürchtet, dass der unbeschnittene Junge bei Besuchen in ihrer Heimat Kenia Probleme bekommt.

Dortmund/Hamm. Obwohl der Bundestag Beschneidungen Ende 2012 gesetzlich erleichtert hatte, darf eine kenianisch stämmige Mutter aus Dortmund ihren Jungen nicht beschneiden lassen. Das Hammer Oberlandesgericht (OLG) bestätigte am 30. August ein Urteil des Dortmunder Familiengerichts in diesem Fall und veröffentlichte es am Mittwoch (AZ: 3 UF 133/13).

Der konkrete Fall ist kompliziert: Das Kind lebt im Haushalt der 31-jährigen Mutter, die das alleinige Sorgerecht für den Jungen hat. Sie will den Jungen nach Angaben des Gerichts entsprechend den kulturellen Riten Kenias beschneiden lassen, damit er bei Besuchen in Kenia - insbesondere auch von ihrer Verwandtschaft - als vollwertiger Mann angesehen und geachtet werde.

Junge ist evangelisch getauft

Das OLG entschied, dass im Dortmunder Fall nicht die Mutter über die Beschneidung entscheiden darf, sondern das Dortmunder Jugendamt. Grund dafür unter anderem: Weder Kind noch Mutter sind über den Eingriff und die damit verbundenen Risiken aufgeklärt worden.

Die Mutter darf laut Gericht auch vorläufig weiterhin keine Beschneidung veranlassen, weil Kind und Mutter ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland hätten und nur selten nach Kenia fahren. Auch sei der Junge evangelisch getauft.

Das Gericht schreibt weiterhin: "Im vorliegenden Fall gebe es gewichtige Gründe dafür, dass eine zum jetzigen Zeitpunkt durch die Kindesmutter veranlasste Beschneidung das psychische Wohl des Sechsjährigen beeinträchtige." Hinzu kommt im konkreten Fall: Die Mutter will das Kind nicht zu der Operation begleiten.

 
 

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