Dortmunder Zwillingsbruder soll fürs Rasen büßen

Herbert Klaus Bernhardt (mit Brille) soll für seinen Bruder Reiner Heinz den Führerschein abgeben.
Herbert Klaus Bernhardt (mit Brille) soll für seinen Bruder Reiner Heinz den Führerschein abgeben.
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.. Über diese Verwechslungsgeschichte lacht inzwischen die ganze Republik. Der angeblich unschuldige Zwillingsbruder Herbert Klaus Bernhardt soll anstelle des zu flotten Zwillingsbruders Reiner Heinz büßen. TV-Sender geben sich die Klinke in die Hand, seit die Amtsposse bekannt geworden ist.

Wie konnte es dazu kommen, dass der „falsche“ Bernhardt den Bescheid erhielt, vier Punkte zu kassieren, 263,50 Euro Strafe zu zahlen und seinen Führerschein abzugeben? „Ich hab’ jedenfalls an Ort und Stelle sofort zugegeben, zu schnell gefahren zu sein“, räumt Reiner Heinz Bernhardt halbwegs reumütig ein, der mit einem PS-starken Golf unterwegs ist.

Zwillingsbruder fährt völlig anderes Auto

Das 80 km/h-Schild stand im vergangenen August neu auf der B 236, als er aus einem zivilen Videofahrzeug heraus gefilmt worden war. Leugnen war zwecklos. „137 statt 80, ich war zu schnell“, so der Schwieringhauser.

Doch das Schreiben des Rechtsamtes war an den Zwillingsbruder mit Vornamen Herbert Klaus adressiert. Der fiel aus allen Wolken, wohnt in Eving und fährt ein anderes Auto. „Ich bin doch schon froh, wenn mein Renault Kastenwagen überhaupt auf das genannte Tempo kommt“, merkt der wohl zu Unrecht Beschuldigte an.

Beschuldigtem gehen Aufträge durch die Lappen

Bei ihm, dem vermeintlich unschuldigen Zwillingsbruder, schellte im April die Dame vom Ordnungsamt, um den Führerschein zu kassieren. Sie zog zunächst unverrichteter Dinge ab, als Herbert Klaus beteuerte, der falsche zu sein. Doch das Rechtsamt blieb hartnäckig. Letzten Mittwoch kam Post von der Stadt, Herbert Klaus solle fristlos den Führerschein abgeben.

Das findet dieser nun langsam nicht mehr lustig. „Ich fahre jetzt lieber nicht, solange der Irrtum nicht geklärt ist,“ so seine Reaktion. Der Renault Kastenwagen bleibt also erst mal stehen. Ihm gingen nun Aufträge durch die Lappen, beklagt der 62-Jährige, der sich als Musiker und Bildhauer verdingt. „Da werde ich der Stadt später noch ‘was in Rechnung stellen“, kündigt er vorsorglich an.

Stadt hüllt sich in Schweigen

Reiner Heinz Bernhardt, der im letzten Sommer zu schnell am Steuer saß, spricht heute von ausgleichender Gerechtigkeit, wenn seine Sache wegen der Verwechslung nun möglicherweise verjährt. Er sei damals von dem zivilen Videofahrzeug erst bedrängt, dann ausgebremst worden. Darüber habe er sich vor Ort bei den Beamten beschwert, die ihn mit der Kelle auf der B 236 in Derne anhielten.

Der Zwillingsbruder hat nun einen Anwalt eingeschaltet und bei der Polizei auch Akteneinsicht verlangt. Wie sein Name auf das Protokoll kommen konnte, ist ihm schleierhaft. „Ich war an jenem Tag überhaupt nicht unterwegs“, beteuert er.

Die Stadt äußert sich zu dem dubiosen Fall in keiner Weise, da es sich um ein „schwebendes Verfahren“ handele, so ein Sprecher.

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