Dortmunder Versorgerchef sagt steigende Strompreise voraus

Michael Kohlstadt
Stromkunden müssen sich wohl oder übel auf schon bald weiter steigende Strompreise einstellen, falls das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht schnell reformiert wird. Davon jedenfalls ist der Chef des kommunalen Dortmunder Energieversorgers DEW21, Frank Brinkmann, überzeugt.

Dortmund. Frank Brinkmann, Chef des Dortmunder Versorgungsunternehmens DEW21, ist überzeugt, dass sich Stromkunden wohl oder übel auf schon bald auf weiter steigende Strompreise einstellen müssen, falls das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht schnell reformiert wird.

Brinkmann setzt sich deshalb für eine grundlegende Überarbeitung des im Rahmen der Energiewende an sich sinnvollen Förderinstrumentes ein. „Bei einem Anteil von mittlerweile über 20 Prozent erneuerbare Energien an der Stromproduktion können wir uns dieses EEG nicht mehr erlauben“, so Brinkmann gegenüber der WAZ-Mediengruppe. Das ganze System drohe zu kippen.

Scharfer Gegensatz zu Energie-Expertin Kemfert

Der Versorger-Chef steht mit seiner Stellungnahme im scharfen Gegensatz zu Äußerungen von Energie-Expertin Claudia Kemfert. Die Leiterin der Energieabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hatte unlängst im Interview mit der WAZ gesagt, das Gerede um die EEG-Umlage sei eine reine Alibi-Diskussion, um die Energiewende abzuwürgen. Dass die Energiewende zu schnell gehe, hält Kemfert für einen Mythos.

DEW21-Chef Brinkmann dagegen vergleicht das EEG in seiner jetzigen Form mit der Agrarsubventionspolitik der 1980er Jahre mit den damals unliebsamen Folgen wie Butterberge, Milchseen und Tomatenhalden. Auch das EEG führe zu derartigen Überproduktionen und einer „Verklappung“ von Ökostrom. Schon jetzt gebe es einzelne Tage, an denen der Strom in den bundesweiten Netzen zu mehr als 100 Prozent aus ökologischer Erzeugung stamme. „Mit der Folge, dass unsere europäischen Nachbarn ihre Stromnetze abkuppeln, um den eigenen nationalen Strommarkt nicht kaputt zu machen.“ Die Forderung von Energie-Expertin Kemfert nach Beibehaltung des jetzigen EEG nennt Brinkmann denn auch „akademische Theorie vermischt mit Wunschdenken“.

Tempo der Energiewende überdenken

Den dringendsten Änderungsbedarf im EEG sieht der Dortmunder bei den Förderungsmechanismen und der Finanzierung – letzteres ist nach Meinung des DEW21-Geschäftsführers eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Brinkmann: „Wir müssen das Tempo der Energiewende überdenken.“

Ein großes Problem sei dabei der Mangel an Speicherkapazitäten. Brinkmann: „Eine Energiewende hin zu einem 80-Prozent-Anteil erneuerbarer Energien ist ohne Großspeicher nicht möglich.“ Die Entwicklung solcher Speicher hinke allerdings den Erfordernissen hinterher und sei zudem teuer: „Das geht richtig ins Geld.“