Dortmunder Stadtwerke "verlieren" mit RWE-Aktien 150 Millionen Euro

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Die Talfahrt an den Börsen hat die Dortmunder Stadtwerke allein am Dienstag 150 Millionen Euro gekostet. Der Grund: DSW21 rund 22 Milllionen RWE-Aktien.

Dortmund.. Das ist nichts für schwache Nerven. Und auch nichts für Anleger, die ihr Geld immer verfügbar halten müssen. Die Talfahrt an den Börsen kostete die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) allein am Dienstag (9. August 2011) rund 150 Millionen Euro aufgrund der rund 22 Millionen gehaltenen RWE-Aktien — auf dem Papier.

Innerhalb des zurückliegenden Jahres hat sich der Börsenkurs der Aktie halbiert. Zu besten Zeiten - Anfang 2008 - kostete die RWE-Aktie über 100 Euro. Damals wäre das Paket der Stadt Dortmund und seiner Tochtergesellschaften weit über zwei Milliarden Euro wert gewesen. Zum Kurs von knapp 29 Euro war es nicht mehr ganz ein Drittel davon: etwa über 600 Mio Euro.

Doch dieser Rechnerei stellte Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke stets die strategische Dimension der Beteiligung entgegen, die eine zufriedenstellende Dividende aus der Aktie bringe. Man fahre auf lange Sicht und mit relativer Sicherheit, um kontinuierlich Erträge zu erzielen.

Mit dem Aktienertrag wird vor allem der Verlust, den die DSW21 mit Bussen und Bahnen einfahren, gedeckt. Für 2010 flossen über 70 Mio Euro Dividende an die DSW21 - bei einem Ertrag von 3,50 Euro je Aktie. Für das laufende Jahr dürfte der Ertrag immer noch ordentlich, aber bei Weitem geringer als im Vorjahr ausfallen. Der RWE-Konzern prognostizierte am Dienstag, dass der Nettoertrag je Aktie für 2011 um rund 35 Prozent sinken könnte.

Rund 26 Mio weniger

Wenn diese Prognose eintritt und sich an der Ausschüttungspolitik der RWE - 50 bis 60 Prozent des Nettoertrags werden an die Aktionäre ausgekehrt - nichts ändert, dann dürfte die Dividende je Aktie auf etwa 2,30 Euro sinken. Der Effekt: rund 26 Mio Euro weniger Ertrag aus den RWE-Aktien für Dortmund und seine Stadttöchter.

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will RWE der aktuell nicht mehr so strahlenden Zukunft entgegenwirken. Nach dem neuen Atomenergiekurs der Bundesregierung mussten die Gewinnerwartungen mehrfach gesenkt werden. Nun sollen verstärkt Anteilsverkäufe für Geld in der Kasse sorgen. Auch denkt der RWE-Konzern daran, neue Aktien herauszugeben und eigene Aktien - rund fünf Prozent der 553 Mio RWE-Aktien hält der Konzern selbst - zu verkaufen. Das müsse nicht sofort umgesetzt werden. Zum gegenwärtigen Niedrigkurs verbietet die wirtschaftliche Vernunft beide Varianten der genannten Aktien-Aktionen.

Privileg in Gefahr

Für Dortmund hätte die Neuausgabe von RWE-Aktien, je nach Zahl neuer Aktien, eine unter Umständen nicht zu unterschätzende Bedeutung: Die Aktien der Stadt/Stadtwerke sind im Pool kommunaler Anteilseigner (KEB-Holding) zusammengefasst, der über 15 Prozent aller RWE-Aktien hält. Dieser Umstand sorgt über das (steuerliche) Schachtelprivileg dafür, dass auf die Dividendenerträge keine Gewerbesteuer gezahlt werden muss.

Sinkt der KEB-Anteil unter 15 Prozent, fällt das Schachtelprivileg und somit ein Teil des Ertrags weg. Die Kommunen und somit auch Dortmund müssten weitere RWE-Papiere kaufen, wenn der Konzern neue Aktien auflegt, um den relativen Anteil zu halten. Solch ein Geschäft dürfte, wie bereits die letzten Käufe von RWE-Aktien durch die DSW21, überwiegend über Kredite finanziert werden. Bei sinkenden RWE-Dividenden, sinkt aber die Attraktivität solch eines kreditfinanzierten Aktienkaufs.

 
 

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