Dortmunder schreibt die Erinnerungen seiner Mutter auf

Dr. Gerd Möller erzählt in seinem Buch - Erinnerungen einer Mutter von fünf Söhnen - von seiner Mutter Hedwig Möller.
Dr. Gerd Möller erzählt in seinem Buch - Erinnerungen einer Mutter von fünf Söhnen - von seiner Mutter Hedwig Möller.
Foto: WAZ / FotoPool

Dortmund.. Wenn Dr. Gerd Möller von seiner Mutter spricht, mischt sich Wehmut in seinen Blick. Dabei war Hedwig Möller - noch zu Kaisers Zeiten geboren - durchaus eine couragierte Frau, die zwei Kriege überlebte, fünf Söhne zur Welt brachte und als Lüdenscheider „Unternehmers-Gattin“ nie mit dem Pfennig rechnen musste. Die ihren Mann bei einem Tanzabend im Römischen Kaiser in Dortmund kennenlernte und in ihren Erinnerungen dokumentierte: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Diese Lebens-Rückschau hat Dr. Gerd Möller als zweitjüngster Sohn jetzt in seinem ersten Buch festgehalten. „Ich hatte das Bedürfnis, ihr ein Denkmal zu setzten“, gesteht er. „Denn erst viel später habe ich gemerkt, was sie durchlitten hat.“

"Vater war ein harter Knochen"

Für ihre Enkelkinder hat Hedwig Möller ihre Gedanken regelmäßig auf Papier festgehalten. Diese Kinder, in eine neue Welt hinein geboren, sollten wissen, wie schön es Anfang des 20. Jahrhunderts war, in einem behüteten wie begüterten, christlich geprägten Elternhaus aufzuwachsen. Ohne Radio und Fernseher. Aber mit Kindermädchen, Hausmusik und Puppenstuben. Mit Rechenschwächen und Rohrstockhieben in der Volksschule. Mit adretter Kleidung und vorzüglichen Manieren und Sommerferien im Solebad. Ein unaufgeregtes Leben - bis 1917 die erste Fliegerbombe direkt in der Nachbarschaft nieder ging und wenige Jahre später die ersten Verehrer sich unter dem Fenster zum musikalischen „Abendständchen“ einfanden.

„Meine Mutter war eine lebenslustige, sehr musische, von Harmonie geprägte Frau, gebürtig aus der Pfalz und mit einem französisch angehauchten Naturell gesegnet. Sie wäre mit einem anderen Mann wahrscheinlich glücklicher geworden“, erinnert sich Möller, der seinen Vater als sehr schwierig und unbelehrbar skizziert. „Vater war ein harter Knochen. Man konnte bei ihm nur gewinnen, wenn man seine Lebensgrundsätze befolgte“, sagt er, und räumt ihm nur wegen der Teilnahme an zwei Weltkriegen mildernde Umstände ein. Er war der Grund für die Söhne, das Elternhaus so früh wie möglich zu verlassen.

Lose Blätter aus Umzugskartons heraus gesucht

Gerd Möller ging zur Bundeswehr, studierte danach ein Jahr Film- und Fernsehwissenschaften in München und kehrte dann doch wieder nach Lüdenscheid zurück, wo er im heimischen Betrieb eine Lehre zum Industriekaufmann begann und beendete. Streit prägte den Alltag – er schmiss die Brocken, ging an die Uni Innsbruck, wo er nach abgeschlossenem Studium zum Dr. rer.pol. promovierte. Stippvisiten in USA folgten. Mit der Zeit vergaß seine Vorbehalte und wurde zu Hause Verkaufsleiter der heimischem Lackfarik. Zwei Jahre hielt er durch…

Dortmunder kennen Möller als Leiter der Privaten Kaufmännischen Schule Pipke (ab 1974) und in den neunziger Jahren als Studiendirektor an einem Dortmunder Berufskolleg.

Aus Liebe zur Mutter wagte sich Möller an ihre „Lebensakte“, die eigentlich aus losen Tagebuchblättern bestand und in irgendwelchen Umzugskartons deponiert war. So sehr er auch suchte und das Haus auf den Kopf stellte – das Manuskript war unauffindbar.

Es zählten Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft

Doch letztendlich konnte ihn der herbe Verlust nicht von seinem Vorhaben abhalten. Die Blätter – zig mal gelesen – waren ihm oft Trost gewesen und in Gedanken stets präsent.

Und so bieten seine mit Lokalkolorit gespickten Aufzeichnungen auf 174 Seiten des Taschenbuchs einen Einblick in die ersten 75 Jahre des letzten Jahrhunderts. Jahre, die von Glück aber auch von Kriegswirren, von schlimmen Krankheit und herben Verlusten geprägt wurden. „Für meine Mutter zählten Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und gute Taten“ sagt Möller. Und ist sicher: „Sie hat die Welt mit diesem Reichtum im Herzen verlassen.“

 
 

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